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EZB-Entscheidung erzielt am Euro-Geldmarkt die beabsichtigte beruhigende Wirkung


06.11.17 15:41
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung der EZB, bei der Reduzierung der Nettoanleihekäufe ab Januar 2017 denkbar vorsichtig vorzugehen, hat am Euro-Geldmarkt die beabsichtigte beruhigende Wirkung erzielt, so die Analysten der Nord LB.

Nicht zuletzt die Ausweitung der Forward Guidance auf die Reinvestitionen bei fällig werdenden Anleihen, wonach die Tilgungsbeträge aus dem EAPP "für längere Zeit und in jedem Fall solange wie erforderlich" wieder angelegt werden sollten, habe für Gelassenheit gesorgt. Zudem könnten sich die Marktteilnehmer durch das sehr stringente Festhalten am Sequencing, welches eine Anhebung der Leitzinsen erst weit nach dem Ende der Nettoankäufe vorstellbar werden lasse, der sehr sicheren Einschätzung gewiss sein, dass es nicht vor der Jahresmitte 2019 zu einer ersten Adjustierung des für die Geldmärkte maßgeblichen Satzes der Einlagefazilität kommen werde. Als sei dieser Beruhigungscocktail noch nicht stark genug, habe heute der Chefvolkswirt der Notenbank Peter Praet noch einmal beschwichtigende Worte gefunden. Demnach bleibe die Preisentwicklung gedämpft und ein hohes Maß an geldpolitischer Akkomodierung weiterhin notwendig.

Anders als in Frankfurt hätten die Währungshüter in London am Donnerstag vergangener Woche die Zügel gestrafft und zum ersten Mal seit zehn Jahren die Leitzinsen angehoben. Eine Mehrheit der Mitglieder des Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) habe damit die Abwägung zwischen Inflationsgefahren und den Risiken einer sich abschwächenden wirtschaftlichen Dynamik zugunsten einer gegen die ausufernde Teuerung gerichteten Geldpolitik getroffen. Die Leitzinsanhebung sei indes weniger ein Startschuss für den Kurswechsel hin zu einer wieder neutraleren Ausrichtung als ein Warnschuss gewesen, der seine Wirkung bisher allerdings verfehlt zu haben scheine.

Gewiss habe die BoE unter Beweis stellen wollen, dass sie die in ihrem Köcher befindlichen Pfeile auch abzuschießen bereit sei - gegen das schwache Pfund und die importierte Inflation. Ihr (verständlicherweise) sehr auf die Risiken gerichteter Ausblick deute aber keineswegs darauf hin, dass das MPC allzu bald noch einmal nachlegen werde. Im Gegenteil. Die Analysten würden auf Sicht eine Geradeausfahrt in dem engen Korridor zwischen den über der Ziellinie liegenden Inflationsraten und einer sich im Kontext des Brexit mehr und mehr abschwächenden Wachstumsdynamik erwarten. Die Devisenmärkte schienen es ähnlich zu interpretieren, so die Analysten der Nord LB. Das Pfund habe gegenüber allen relevanten Währungen deutlich an Wert verloren. Damit werde der geldpolitische Warnschuss zum Rohrkrepierer. (06.11.2017/alc/a/a)