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EZB: Entscheidung erst am 16. Dezember


13.09.21 08:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet spielt die EZB auf Zeit, so Ulf Krauss von der Helaba.

In der Dezember-Sitzung wolle der EZB-Rat entscheiden, was mit den Ankaufprogrammen passiere. Dann würden wieder neue Quartalsprojektionen als Entscheidungshilfe dienen. Offenbar würden die Prognosen der EZB-Volkswirte eine immer prominentere Rolle erhalten. Beschlüsse könne der Rat so leichter kommunizieren. Dies hänge auch mit der Neugestaltung des EZB-Inflationsziels zusammen, die eine symmetrische mittelfristige Ausrichtung vorsehe.

Die jüngsten EZB-Projektionen hätten für keine Überraschungen gesorgt: Für 2021 seien sowohl das BIP als auch die Inflation deutlich angehoben worden. Der längerfristige Ausblick sei hingegen kaum verändert worden. Die von 1,4% auf 1,5% erhöhte Inflationsprognose für 2023 rechtfertige weiterhin eine expansive Geldpolitik. Vermutlich werde sich hier bis Dezember nicht viel tun, sodass die erwartete Teuerung im Euroraum letztlich klar unter dem symmetrischen mittelfristigen Inflationsziel von 2% bleibe. Von Bedeutung sei dabei, dass im Dezember die Prognosen für 2024 vorgestellt würden. Zu erwarten sei dabei, dass auch diese Inflationsprognose nicht auf Höhe der EZB-Zielgröße liege.

Eine Fortsetzung der Anleihekäufe bleibe somit auf der Agenda des EZB-Rats. Da sich PEPP mit Abflauen der Pandemie nach dem März 2022 nur schwer halten lasse, werde vermutlich das zweite Kaufprogramm APP die Lücke schließen. Die spannende Frage sei dabei, wie viel "Lücke" sich die EZB zutraue. Um einen spürbaren Renditeanstieg zu verhindern, dürfte das monatliche Kaufvolumen von 20 Mrd. Euro deutlich aufgestockt werden. Wahrscheinlich würden aber auch Teile der PEPP-DNA verpflanzt. Entscheidend aus EZB-Sicht seien dabei vor allem die Komponenten, die eine höhere Flexibilität ermöglichen würden. Denkbar wäre beispielsweise eine Volumenvorgabe, eventuell eine Billion Euro. Dieser verfügbare "Einsatz" könne bis zu einem Zeitpunkt, z.B. bis Jahresende 2023, genutzt werden, um langfristig optimale Finanzierungsbedingungen zu gewährleisten. Die monatlichen Einsätze könnten dabei je nach Marktlage schwanken und das Gesamtvolumen müsste auch nicht bis Laufzeitende aufgezehrt werden. Diese Konstruktion ohne klaren Automatismus könnte möglicherweise auch helfen, um Fragen bezüglich des kritischen Themas Staatsfinanzierung leichter entgegenzutreten. (Ausgabe vom 10.09.2021) (13.09.2021/alc/a/a)