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EZB: Definition von Preisstabilität nicht gänzlich verändert


05.10.20 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsidentin Lagarde gab in der abgelaufenen Woche ein wenig Einblick in die Themenstellungen der laufenden Überprüfung der geldpolitischen Strategie, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Ihre Ausführungen würden darauf hinweisen, dass die Definition von Preisstabilität etwas abgeändert, dabei aber nicht gänzlich verändert werde. Statt unter aber nahe bei 2% p.a. solle die zukünftige Zielsetzung einfacher und betont symmetrisch formuliert werden (z.B. rund 2% p.a.). Zudem könnte ein rückwärtsgewandtes Element enthalten sein. Gemeint sei damit, dass nach längeren Phasen einer Unterschreitung des Inflationsziels für eine gewisse Zeit eine erhöhte Teuerungsrate angestrebt werden solle.

Neben Überlegungen zur Inflationsmessung und zu den Einflussgrößen für die Inflationsentwicklung habe Lagarde Gedankengänge zur geldpolitischen Steuerung vorgestellt. Bei den Steuerungselementen solle untersucht werden, welche als dauerhaft in einem Niedrigzins- und Niedriginflationsumfeld notwendig seien. Dabei gelte es, Wechselwirkungen von Instrumenten zu kennen, sprich, welche sich gegenseitig ergänzen oder einander substituieren würden. Nach Erachten der Analysten der RBI weise alles darauf hin, dass viele aktuell genutzte Maßnahmen in Zukunft als Standardtool betrachtet würden.

Lagarde habe in diesem Kontext aber auch kritische Punkte angeführt. Beispielsweise seien Nebenwirkungen des erweiterten Werkzeugkastens zu analysieren und die positiven Effekte, aber auch Gefahren zu evaluieren, die mit einer stärkeren Verzahnung von Fiskal- und Geldpolitik einhergehen würden. Die Notenbank scheine sich also wohl bewusst, dass mit dem stärkeren Einwirken auf die Finanzmärkte via anhaltender Niedrigzinspolitik, üppiger Notenbankliquiditätsbereitstellung und Anleihekaufprogrammen auch Gefahren für die Finanzmarktstabilität und ungewünschte Abhängigkeiten verbunden sein könnten.

Am Staatsanleihemarkt habe man sich auf eine für viele Jahre anhaltende expansive Geldpolitik eingestellt. Die Ausführungen von Lagarde hätten diesen Vorstellungen nicht widersprochen und so die grundlegenden Überlegungen zum zukünftigen Rahmen der Geldpolitik keine neuen Impulse gebracht.

Die in den kommenden Tagen anstehenden Daten dürften die Marktbegebenheiten ebenfalls nicht neu ordnen. Die Veröffentlichungen zur Industrieaktivität im Monat August sollten eine fortgesetzte Erholung ausweisen. Die Zuwachsraten sollten aber deutlich geringer ausfallen als in der ersten Phase des Hochfahrens der Produktion zwischen Mai und Juli. Mit der sentix-Umfrage werde die erste Stimmungsumfrage des Monats publiziert. Die Teilkomponente für die Zukunftserwartungen sei in den Monaten zuvor auf ein sehr hohes Niveau geklettert. Angesichts der jüngsten Entwicklung der Corona-Fallzahlen und der Aussicht auf gewisse Beschränkungen dürften sich die Einschätzungen zur Zukunft eingetrübt haben und den Gesamtindex etwas nach unten ziehen. (Ausgabe vom 02.10.2020) (05.10.2020/alc/a/a)