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EZB-Chefökonom hält weitere Anleihekäufe für denkbar


13.10.17 13:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Peter Praet, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), erteilt den Erwartungen vieler Marktteilnehmer nach einem raschen Ausstieg aus der megaexpansiven Geldpolitik eine Absage, so die Experten von "FONDS professionell".

Preat halte sogar eine Verlängerung der in Deutschland arg umstrittenen Anleihenkäufe durch die Notenbank für möglich - allerdings nur, wenn gleichzeitig das Volumen der Käufe stark reduziert werde.

Das Marktumfeld in Europa sei derzeit relativ ruhig und die Investoren dadurch geduldiger, habe Praet am Mittwoch bei einer Rede in New York anlässlich der halbjährlichen Tagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds gesagt. Sie könnten somit einen Stimulus besser einschätzen, "der von einem Ankaufplan ausgeht, der über eine ausgedehntere Zeitstrecke auszuführen ist." Die Konjunktur in der Euro-Zone sei außerdem so robust wie seit Jahren nicht mehr.

Auch mit Kritik an der Zinspolitik habe Praet nicht gegeizt: Bei Erreichen ihres Inflationsziels habe die EZB nur unzureichende Fortschritte gemacht. Bei seiner Rede habe der Ökonom darauf hingewiesen, dass sich die Konjunkturerholung zwar verstärkt habe, die Inflation aber zu niedrig sei. Diese Aussage deute darauf hin, dass die EZB bei der für 2018 erwarteten Verringerung ihres Anleiheankaufprogramms langsam und vorsichtig vorgehen werde.

Nach den bisherigen Planungen der EZB werde das Anleihekaufprogramm Ende Dezember 2017 ein Volumen von 2,3 Billionen Euro erreicht haben. Experten würden davon ausgehen, dass EZB-Präsident Mario Draghi auf der nächsten Zinssitzung am 26. Oktober über die Zukunft der Käufe entscheiden werde.

Es werde erwartet, dass die Währungshüter dann verkünden würden, ob sie die Anleihekäufe nur noch für eine kurze Zeit, dafür aber mit einem hohen Volumen verlängern würden, oder ob sie das Programm noch eine längere Zeit über fortführen würden, dafür aber mit einem kleineren Volumen. Auf der letzten Sitzung Anfang September sei EZB-Chef Mario Draghi entsprechende Klarstellungen schuldig geblieben.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe vor einigen Tagen der EZB und anderen Zentralbanken empfohlen, die Politik des leichten Geldes weiterzuverfolgen, bis es sich verfestigende Anzeichen dafür gebe, dass das Inflationsziel auch wirklich erreicht werde. In einem aktuellen Bericht rate der IWF den Staaten zur Vorsicht, denn die Erholung bei Wachstum und Preisen falle in den hoch verschuldeten Ländern der Eurozone noch schwach aus, sodass ein Anziehen der geldpolitischen Zügel Risiken für diese Volkswirtschaften darstellen könne. (Ausgabe vom 12.10.2017) (13.10.2017/alc/a/a)