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EZB: Auf der Zinssitzung am Donnerstag werden neue Prognosen präsentiert


06.09.21 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Für mediales Aufsehen sorgte in der abgelaufenen Woche die Schnellschätzung der Inflationsraten für den Monat August, die Gesamtinflation stieg im Euroraum um 0,4% p.m., womit die Teuerung im Vorjahresvergleich auf 3% emporschnellte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Ein Anstieg der Inflation von 2,2% p.a. im Juli sei erwartet worden, aber die Energiepreise für private Haushalte (Gas, Strom, etc.) hätten erneut für eine kleine positive Überraschung gesorgt. Die Kerninflation sei dagegen entsprechend der Erwartungen der Analysten der RBI von 0,7% p.a. auf 1,6% p.a. gestiegen. Der starke Anstieg der Kerninflation sei auf eine Kombination von Basiseffekten und ungewöhnlichen saisonalen Mustern bei reisebezogenen Dienstleistungen zurückzuführen. Die Analysten der RBI würden davon ausgehen, dass die Kerninflation bis Ende 2021 bei (oder über) 2% p.a. verharren werde. Bleibe der Ölpreis auf dem derzeitigen hohen Niveau, werde sich die Gesamtinflation bis Ende 2021 in einem Korridor zwischen 3% und 3,5% p.a. bewegen und somit hätten die Analysten der RBI ihre Inflationsschätzung für dieses Jahr nach oben angepasst. Die Analysten sähen jedoch keinen anhaltenden Preisdruck über die nächsten Monate hinaus, der die EZB zu einer Änderung ihrer geldpolitischen Ausrichtung veranlassen könnte.

Der Europäischen Zentralbank sollte in der laufenden Woche das meiste Interesse gelten. Auf der Zinssitzung am Donnerstag würden neue Prognosen präsentiert. Die Notenbank werde wohl ihre Schätzungen für das BIP-Wachstum und die Inflation im Jahr 2021 nach oben nehmen. Präsidentin Lagarde dürfte einerseits die positive wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Monaten betonen und andererseits die anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf den Verlauf der Corona-Pandemie hervorheben. Die hohe Teuerung werde die EZB als vorübergehend einstufen.

Der Hauptfokus gelte aber sicher den Entscheidungen zu den Anleihekäufen im Rahmen des PEPP. Im März sei beschlossen worden, die monatlichen Käufe zu steigern und im Juni sei diese Maßnahme verlängert worden. Das durchschnittliche monatliche Volumen habe in Q2 rund EUR 80 Mrd. und in Q3 geschätzt ca. EUR 88 Mrd. betragen. Die Analysten der RBI würden damit rechnen, dass das erhöhte Tempo nicht verlängert werde. Die EZB dürfte aber kein explizites neues Zielvolumen bekannt geben. Eher werde sie betonen, die Käufe auf das zuvor beobachtbare Niveau zu drosseln (Schnitt zwischen August 2020 und März 2021 EUR 63 Mrd.) und dabei flexibel auf die Marktbegebenheiten zu reagieren.

Die Entscheidung zur Vorgehensweise in Bezug auf das PEPP im Jahr 2022 würden die Analysten der RBI erst im Dezember erwarten (solle mindestens bis März 22 laufen, Gesamtvolumen EUR 1.850 Mrd.). Lagarde dürfte ein Nachfragen abwehren (sei nicht Thema gewesen, sei nicht Zeit darüber zu entscheiden) und sich nicht in die Karten blicken lassen. Die Analysten der RBI seien der Meinung, dass die EZB nicht aggressiver vorgehen werde als die US-Notenbank und das PEPP über das Jahr 2022 verteilt ausschleifen werde (ohne den Gesamtrahmen zu erhöhen).

An den Finanzmärkten falle auf Sicht der letzten beiden Wochen insbesondere die Versteilung der Bund-Kurve sowie ein steigender EUR/USD-Wechselkurs ins Auge. Die 10-jähirge Bund-Rendite sei von -0,5% um etwas über 10 Basispunkte gestiegen, während 2-jährige Renditen mit 3 Basispunkten nur marginal hätten zulegen können. Die Renditebewegung sei maßgeblich auf einen Anstieg inflationsgeschützter (realer) Renditen zurückzuführen, welche eng mit der Finanzmarkt-Einschätzung der Notenbankpolitik in Verbindung stehe. Die zahlreichen Wortmeldungen aus der EZB und die bevorstehende Zinssitzung hätten eine mögliche Reduktion der monatlichen Anleihenkäufe ins Bewusstsein der Investoren gebracht. Die von uns erwartete Verringerung der Anleihekäufe wird unserer Meinungen nach in den kommenden Monaten und Quartalen zu einem nachhaltigen Renditeanstieg führen, wobei die EZB durchaus mit Bedacht vorgehen dürfte, so die Analysten der RBI. Ein rasches Ansteigen der realen Renditen in der Eurozone (Tapering-Schock) würden die Analysten der RBI demnach nicht als wahrscheinlich erachten. (Ausgabe vom 03.09.2021) (06.09.2021/alc/a/a)