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EZB: Am Tapering führt kein Weg vorbei!


15.09.17 10:10
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Es wird allmählich Zeit: Die EZB hat auf ihrer Zinssitzung am 7. September noch keine Reduzierung ihrer Anleihekäufe (Tapering) angekündigt, aber ihr nächstes Zinstreffen Ende Oktober für eine Rekalibrierung ihres Kaufprogramms ins Spiel gebracht, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Rekalibrierung klinge ein bisschen vage, so als ob es doch nicht um ein Tapering gehen würde. Doch irgendwann müsse der erste Schritt in Richtung Exit aus der ultralockeren Geldpolitik getan werden, auch wenn die Notenbank am liebsten - nur um ganz sicher zu gehen - ihr Anleihekaufprogramm bis in alle Ewigkeit fortführen würde.

Denn die Gegebenheiten in der Eurozone hätten sich stark geändert und darauf müsse die Notenbank reagieren, um glaubwürdig zu bleiben. Der Beschluss zu den Anleihekäufen sei gefallen, da der Währungsunion nach Ansicht der EZB eine Deflation gedroht habe - die Inflationsrate habe sich nahe der Nulllinie bewegt und sei dann in den negativen Bereich vorgedrungen. Von dieser Situation sei die Eurozone nun weit entfernt. Die Inflationsrate sei wieder spürbar angestiegen und habe im August bei 1,5% gelegen. Auch auf konjunktureller Seite habe sich einiges getan: Der Aufschwung habe sich verbreitert und deutlich an Dynamik gewonnen. Im zweiten Quartal sei die Eurozone um 0,6% gegenüber dem Vorquartal gewachsen, ähnlich wie zum Jahresauftakt. Für das Gesamtjahr könnte - selbst wenn die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der Aufwertung des Euro etwas nachlasse - eine Wachstumsrate von 2% zu Buche stehen. Das liege oberhalb des Potenzialwachstums.

Ja, natürlich könne man argumentieren, dass die Inflationsrate damit noch weit entfernt sei vom Inflationsziel der EZB von knapp 2%. Und es durchaus möglich sei, dass die Inflationsrate auch in den kommenden Jahren noch nicht wieder an diese Marke heranreiche. Denn anscheinend komme das Lohnwachstum nicht wie gewünscht in Gang bzw. die Prozesse auf dem Arbeitsmarkt würden angesichts einer doch stärkeren Unterauslastung langsamer als gedacht ablaufen.

Zudem gehe es nur um ein langsames Auslaufenlassen der Käufe. Die EZB könnte ihre Anleihekäufe von 60 Mrd. Euro ab dem Jahresbeginn 2018 allmählich reduzieren, sodass diese im zweiten Halbjahr 2018 beendet sein dürften. Damit erwerbe sie aber nur keine neuen Papiere mehr. Fälligkeiten würden weiterhin am Rentenmarkt reinvestiert, sodass es zunächst zu keinem Portfolio- oder Bilanzabbau bei der EZB und zu keiner wirklichen geldpolitischen Straffung komme.

Die EZB sollte sich also nicht so zieren. Wenn es sie jemals in Hinblick auf eine drohende Deflation gegeben habe, sei diese Krisensituation gebannt und die Inflationsraten würden wieder anziehen. Es sei Zeit, ein Tapering Ende Oktober zu verkünden und dieses ab Januar 2018 umzusetzen. Zumal die Anleihekäufe nicht fortgesetzt werden könnten, ohne demnächst bestehende Restriktionen der Käufe ändern zu müssen, um nicht an diese Obergrenzen zu stoßen. So dürfe die EZB bislang nur 33% einer Emission oder eines Emittenten kaufen sowie Anleihen nach Kapitalschlüssel der einzelnen Länder bei der EZB erwerben. Doch eine Änderung der Restriktionen dürfte schwierig werden, ohne dass die EZB sich den Vorwurf der monetären Staatsfinanzierung aussetzen lassen müsse. Und das wolle sie unter allen Umständen vermeiden. Dann doch lieber den langsamen Einstieg aus dem Ausstieg bei der ultralockeren Geldpolitik. (Ausgabe vom 14.09.2017) (15.09.2017/alc/a/a)