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EZB: Änderungen - Wie soll die Geldpolitik künftig erfolgen?


09.07.21 16:21
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Gestern hat die EZB einige Änderungen angekündigt, wie die Geldpolitik künftig erfolgen soll, so Andrew Mulliner, Head of Global Aggregate bei Janus Henderson Investors.

Die Ankündigungen hätten mehr oder weniger den Markterwartungen entsprochen, obwohl die vollständige Überprüfung der Strategie erst im September abgeschlossen sein dürfte.

Die wichtigste Ankündigung sei die Interpretationsänderung der Definition des Preisstabilitätsmandats der EZB gewesen: Von nahe an, aber unter 2% zu einem symmetrischen Inflationsziel von 2%. Darüber hinaus bestätige die EZB, dass sie die Kosten für Wohneigentum berücksichtigen werde (ein zunehmend brisantes Thema angesichts des Anstiegs der Immobilienpreise in den letzten Jahren). Sie empfehle, dass die HVPI-Inflation in den kommenden Jahren entsprechend angepasst werde. Beide Ankündigungen seien erwartet und mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden.

Innovativer sei, dass die EZB den Klimawandel explizit in die Geldpolitik einbeziehe. Bereits 2022 solle eine Differenzierung zwischen Collateral Pools und Anleihekäufen auf Grundlage neuer, für den Klimawandel relevanter Metriken beginnen. Hier sei die EZB Vorreiter für das wahrscheinlich zunehmende Phänomen, dass Zentralbanken ihre Verantwortung auf Faktoren ausweiten würden, die zu den konventionellen Zielen der Preis- und Finanzstabilität beitragen würden, aber nicht direkt damit verbunden seien. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen sei nicht eindeutig, aber die Marschrichtung könnte nicht klarer sein.

Was uns in den aktuellen Ankündigungen fehlte, war ein detailliertes Konzept darüber, wie die EZB ihr revidiertes Inflationsziel erreichen will, so die Experten von Janus Henderson Investors. Und während die EZB klargestellt habe, dass die geldpolitischen Innovationen seit der Finanzkrise (Ankäufe von Vermögenswerten, TLTRO, usw.) ein fester Bestandteil des EZB-Instrumentariums seien, zeige sich in der Praxis, dass ihre Fähigkeit, diese Instrumente einzusetzen, zunehmend durch ihre eigenen Grenzen eingeschränkt werde. Die Beschränkungen in Bezug auf den prozentualen Anleihenanteil, die von einem einzelnen Emissionsland gehalten würden, würden zunehmend verbindlich. Jedoch würden die von der Zentralbank vertraglich auferlegten Beschränkungen des Verbots der monetären Finanzierung nach wie vor als erhebliche Einschränkung des Flexibilitätsgrads wirken, den die EZB bei der Feinabstimmung ihrer Politik habe. Da der Pandemic Emergency Purchase Plan (PEPP) in den nächsten zwölf Monaten auslaufe, werde eine Neustrukturierung des ursprünglichen Public Sector Purchase Program (PSPP) immer dringlicher. Hier würden im Herbst weitere Details erwartet.

Letztendlich möge die EZB mit der expliziten Einbeziehung des Klimawandels in das geldpolitische Regelwerk eine Vorreiterrolle einnehmen, aber sie folge der Bank of Japan und der FED bezüglich ihrer Inflationszieländerungen. Die vielleicht treffendste und besorgniserregendste Analogie zu den Inflationszieländerungen der EZB seien die, die die Bank of Japan 2016 vorgenommen habe. Damals habe sie eine Überschreitungsverpflichtung eingeführt, um die Wirksamkeit ihres geldpolitischen Kurses zu stärken (ein bedeutenderer Schritt, als die EZB jetzt bereit gewesen sei, zu gehen). Fast fünf Jahre später sei die japanische Inflation nach wie vor unglaublich niedrig und die vom Markt gemessenen Werte für die Inflation lägen weit näher bei null als bei zwei Prozent. Die EZB möge hoffen, dass diese Anpassungen sowohl die Märkte als auch die Bürger überzeugen würden, aber die Evidenzen aus Japan würden zeigen, dass Erklärungen allein nicht in der Lage seien, die Herausforderungen der niedrigen Inflation zu bewältigen. (09.07.2021/alc/a/a)