EZB: Abwärtsrevisionen der Inflationsprognosen


19.06.17 15:02
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen beiden Wochen haben nicht nur die beiden großen Notenbanken EZB und Federal Reserve ihre geldpolitischen Beschlüsse verkündet, so die Analysten der Nord LB.

Mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB), der Bank of England (BoE) und der Bank of Japan (BoJ) hätte Ende der letzten Woche drei weitere Notenbanken nachgezogen. Mit Ausnahme der SNB und der BoJ scheine sich bei den anderen Zentralbanken - zwar teilweise sehr langsam - die Kompassnadel leicht hin zu einer neutraleren und weg von der bislang sehr expansiven Geldpolitik zu verschieben.

Während die US-Notenbank am Mittwoch das Band für die FED Funds Target Rate um weitere 25 Bp auf nun 1,00% bis 1,25% angehoben habe und zudem noch für dieses Jahr den Beginn eines Abschmelzens der aufgeblähten Notenbankbilanz angekündigt habe, bereite die EZB durch sukzessive Anpassungen der Kommunikation die Märkte auf eine zumindest perspektivisch etwas weniger expansive Geldpolitik vor. Immerhin sei hier inzwischen der zinsbezogene Easing Bias aus der Forward Guidance gestrichen worden. Das Anpassungstempo der EZB sei gleichwohl sehr langsam, weil sich der Inflationsausblick am aktuellen Rand wieder leicht eingetrübt habe - zumindest würden dies die Abwärtsrevisionen der EZB-Inflationsprognosen für das laufende und die kommenden Jahre signalisieren. Die BoJ und die SNB hätten hingegen keine Änderungen an den geldpolitischen Rahmenbedingungen vorgenommen.

Auch die BoE habe - dies war so auch erwartet worden - keine Veränderung ihrer expansiven Ausrichtung beschlossen. Allerdings hätten am Donnerstag neben Kristin Forbes auch Ian McCafferty und Michael Saunders für eine Anhebung der Bank Rate um 25 Basispunkte gestimmt. Dass der Dissens mit 5:3 Stimmen bereits jetzt so ausgeprägt sei, sei dann doch überraschend gewesen und habe für einen spürbaren Anstieg der Kapitalmarktrenditen und eine leichte Versteilerung der Zinskurven gesorgt - nicht nur in UK.

An den Aktienmärkten habe man hingegen etwas verschnupft über die Möglichkeit schneller anziehender Zinsen reagiert. Im Gegensatz hierzu gebe es bei den EUR-Geldmarktsätzen weiterhin kaum Bewegung. Die Euribor-Sätze lägen nach wie vor in der Nähe ihrer historischen Tiefstände, der 3M-Satz notiere aktuell bei -0,329%. Lediglich der 12M-Satz liege mit -0,156% etwas deutlicher unter dem Wert von Anfang Juni (-0,131%). Hierin spiegele sich die deutlich verhaltenere Zinserwartung an den Märkten für die mittlere Sicht wider. Zum Wochenbeginn liege der Eonia 1Y1Y Forward bei -0,275%, während der Eonia 2Y1Y Forward auf -0,106% gesunken sei.

Nur wenige Konjunkturdaten aus der Eurozone stünden in dieser Woche auf der Agenda, lediglich die Juni-Schnellschätzungen zum Verbrauchervertrauen der EU-Kommission sowie der Markit PMIs seien hier von Interesse. (19.06.2017/alc/a/a)