EWU: Keine grundlegende Abschwächung des Aufschwungs in Sicht - Inflationsausblick bleibt unverändert moderat


05.10.17 11:20
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Detaildaten für das BIP-Wachstum in Deutschland und in der Eurozone im 2. Quartal untermauern das breit angelegte Wachstumsbild für das 1. Halbjahr 2017, so die Analysten von Postbank Research.

In beiden Fällen habe sich das BIP zuletzt um 0,6% gegenüber dem Vorquartal erhöht. Hierzulande habe dabei - gestützt von einer starken Entwicklung beim privaten Verbrauch sowie einer soliden Investitionsdynamik - insbesondere die Binnennachfrage zu überzeugen gewusst. Der Außenhandel, der das Wachstum zum Jahresauftakt noch mit hohen 0,6 Prozentpunkten gestützt habe, habe jedoch im 2. Quartal einen negativen Impuls geliefert. Auf EWU-Ebene habe das Wachstum im 2. Quartal dagegen auf einer noch breiteren Basis gestanden. Zusätzlich zu einer soliden Entwicklung der Binnennachfrage habe der Außenhandel hier bereits das zweite Quartal in Folge einen positiven Wachstumsbeitrag beigesteuert.

Fraglich sei, ob das solide Wachstumstempo in Deutschland und in der Eurozone auch im 3. Quartal habe gehalten werden können. Die ersten vorliegenden, harten Konjunkturdaten sprächen nicht unbedingt dafür. So habe die Industrieproduktion in Deutschland nach einer schwachen Entwicklung im Juni zum Quartalsauftakt gegenüber dem Vormonat lediglich stagniert. Dabei sei die grundlegende Entwicklung aber durch den Energieausstoß (-4,7%) etwas unterzeichnet worden, während im Verarbeitenden Gewerbe ein Plus von 0,3% zu Buche gestanden habe. Den statistischen Unterhang, mit dem die Industrieproduktion ins laufende Quartal gestartet sei, habe sie damit bislang nicht aufholen können, was Stand heute gegen einen positiven Beitrag zum BIP-Wachstum spreche.

Auch nachfrageseitig seien im bisherigen Quartalsverlauf noch keine maßgeblichen, positiven Konjunkturimpulse auszumachen. Die Einzelhandelsumsätze lägen aktuell aufgrund einer schwachen Entwicklung im Juli um 0,3%, die Exporte wegen eines statistischen Unterhangs aus dem Juni sogar um 1,1% unter ihrem jeweiligen durchschnittlichen Niveau des Vorquartals. Auch für den Euroraum insgesamt könne der Quartalsauftakt nur bedingt als gelungen bewertet werden.

Gleichwohl gebe diese Entwicklung aus Sicht der Analysten keinen Anlass zur Sorge. Zum einen lägen bislang nur für einen von drei Monaten des Quartals harte Konjunkturdaten vor. Zum anderen lasse eine Vielzahl aktueller Sentimentindikatoren bislang keine Anzeichen einer wesentlichen konjunkturellen Abkühlung erkennen. So sei der EWU-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im September von 57,4 auf hohe 58,1 Punkte gestiegen. In Deutschland sei der Index sogar über die Marke von 60 Zählern geklettert (+1,3 auf 60,6 Punkte). Die korrespondierenden Indices für den Dienstleistungssektor für Deutschland (+2,1) und die EWU (+1,1) hätten auf 55,6 bzw. 55,8 Punkte zugelegt.

Das durch die PMIs signalisierte, positive Stimmungsbild werde für Deutschland zusätzlich durch den ifo-Geschäftsklimaindex untermauert. Dieser sei zwar im September von 115,9 auf 115,2 Punkte gesunken, bewege sich damit aber weiterhin in der Nähe seines Rekordhochs.

Mit ihren Quartalsprognosen für das BIP-Wachstum von 0,5% für Deutschland und die EWU fühlen wir sich die Analysten von Postbank Research daher weiterhin ebenso wohl wie mit ihren Jahresprognosen von 1,8% sowie 2,1%. Für 2018 würden sie unverändert mit Zuwachsraten von jeweils 1,8% rechnen.

Die EWU-Inflationsrate sei im August von 1,3% auf 1,5% gestiegen und habe dieses Niveau dann im September behauptet. Die Kerninflationsrate, die im vorherigen Jahresverlauf in einen mühseligen Aufwärtstrend eingeschwenkt sei, habe hingegen zuletzt von 1,2% auf 1,1% nachgegeben. Für den weiteren Jahresverlauf rechnen die Analysten von Postbank Research weder bei der Gesamt- noch bei der Kernrate mit größeren Veränderungen. Auch würden ihre Inflationsprognosen für 2017 und 2018 in Höhe von 1,5% sowie 1,6% unverändert bleiben. (Zinsen und Währungen Oktober 2017) (05.10.2017/alc/a/a)