EWU-Inflationsrate im Mai gesunken


01.06.17 10:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die EWU-Inflationsrate ist im Mai vorläufigen Angaben zufolge deutlich von 1,9% auf 1,4% gesunken, so die Analysten von Postbank Research.

Hierzu habe zum einen eine deutliche Korrektur der Kerninflationsrate auf 0,9% beigetragen, nachdem diese im April aufgrund kalenderbedingter Verzerrungen von 0,7% auf 1,2% gesprungen sei. Zudem habe die Preissteigerungsrate bei der Energiekomponente kräftig von 7,6% auf 4,6% nachgegeben.

Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt habe sich im Mai erwartungsgemäß fortgesetzt. Die Zahl der Arbeitslosen sei in saisonbereinigter Rechnung um 9 Tsd. Personen gefallen. Die Arbeitslosenquote habe sich von 5,8% auf 5,7% ermäßigt. Zudem sei die Zahl der beschäftigten Personen im April weiter gestiegen. Sie habe sich, ebenfalls saisonbereinigt, um 31 Tsd. Personen erhöht.

Die US-Notenbank habe in ihrem gestern veröffentlichten Beige Book von einem anhaltend moderaten Wachstum und einer Fortsetzung des Aufwärtstrends am Arbeitsmarkt berichtet. Zugleich sei der Aufwärtsdruck auf das Preisniveau als immer noch mäßig klassifiziert worden. Damit habe die FED keinen Grund geliefert, warum sie von einer Leitzinserhöhung im Juni absehen sollte. Argumente für eine Verschärfung des vorsichtigen geldpolitischen Straffungskurses würden sich hieraus aber auch nicht ableiten lassen.

Der Trump-Effekt bei der US-Unternehmensstimmung sei offenbar verpufft. Die Hoffnung auf umfangreiche Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur scheine zunächst einmal verflogen. Dies zeige sich z.B. im US-ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe, der im März und April kumuliert um fast 3 Punkte gefallen sei. Die Analysten von Postbank Research würden allerdings nicht davon ausgehen, dass sich dieser Absturz im Mai fortgesetzt habe. Schließlich gebe es bereits andere Anzeichen einer Belebung der US-Konjunktur im 2. Quartal. Zudem habe der Chicago PMI, wie gestern gemeldet worden sei, im Mai von 58,3 auf 59,4 Punkte zugelegt. Die Analysten von Postbank Research würden daher mit einem Anstieg des ISM-Indexes um 0,7 auf 55,5 Punkte rechnen. Zugleich dürfte die Verbesserung des EWU-Einkaufsmanagerindexes im Mai auf 57,0 Punkte ebenso bestätigt werden, wie der Anstieg des entsprechenden deutschen Indexes auf 59,4 Punkte.

Die Industrie des Euroraums und Deutschlands sollte somit im Vergleich mit der US-Industrie auf der Überholspur bleiben. Die Schätzung des Datenverarbeiters ADP gebe einen Vorgeschmack auf den morgen zur Veröffentlichung anstehenden offiziellen US-Arbeitsmarktbericht. Der Markt erwarte, dass ADP den Zuwachs der Beschäftigung im privaten Sektor der US-Wirtschaft für Mai auf solide 180 Tsd. schätze. (01.06.2017/alc/a/a)