EWU: Inflationsdynamik bleibt verhalten


05.12.17 09:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Das deutsche BIP ist im dritten Quartal dieses Jahres kräftig um 0,8% gegenüber der Vorperiode gewachsen, so die Analysten von Postbank Research.

Die Detaildaten zur Verwendungsrechnung würden zeigen, dass privater (-0,1%) und staatlicher Verbrauch (-0,0%) dabei in etwa auf ihrem jeweiligen Niveau des Vorquartals verharrt hätten. Hingegen hätten die Bruttoanlageinvestitionen ihren Aufwärtstrend der vergangenen Quartale mit einem Plus von 0,4% fortsetzen können. Einem deutlicheren Zuwachs der Investitionen in Ausrüstungen (+1,5%) hätten dabei jedoch leicht rückläufige Bauinvestitionen (-0,4%) entgegengestanden.

Ein kräftiger positiver Impuls sei vonseiten des Außenhandels gekommen, da die Exporte um 1,7% und damit wesentlich stärker als die Importe (+0,9%) zugelegt hätten. Der Außenhandel habe allein 0,4 Prozentpunkte und damit rund die Hälfte zum BIP-Wachstum beigesteuert. Angesichts dieser Entwicklung stehe der Konjunkturaufschwung in Deutschland nochmals auf einer breiteren Basis. Auch in der gesamten EWU sei die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal kräftig um 0,6% gegenüber der Vorperiode gestiegen, wobei aktuell noch keine Detaildaten vorlägen.

Bislang gebe es zudem keine Anzeichen, dass sich der breite Konjunkturaufschwung in Deutschland und der EWU zum Jahresende nicht fortsetzen sollte. Dabei lägen naturgemäß zum jetzigen Zeitpunkt noch keine harten Konjunkturdaten für das laufende Quartal vor. Beim Blick auf die Sentimentindikatoren falle es aber schwer, negative Vorzeichen auszumachen. Für den Euroraum insgesamt liege beispielsweise der Composite-Einkaufsmanagerindex (Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungssektor) im Mittel des laufenden Quartals klar über seinem durchschnittlichen Niveau der Vorperiode.

Auch das von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsvertrauen untermauere dieses Ergebnis und zeige darüber hinaus die exzellente Stimmungslage der Verbraucher im Euroraum. Für Deutschland spiegle sich das hervorragende Stimmungsbild neben dem Einkaufsmanagerindex auch beim ifo-Geschäftsklima wider, wobei insbesondere die Geschäftserwartungen der gewerblichen Wirtschaft für die kommenden Monate zuletzt noch einmal deutlich zugelegt hätten.

Wie die Analysten bereits in ihrer letzten Ausgabe von "Zinsen und Währungen" angekündigt hätten, würden sie vor diesem Hintergrund ihre BIP-Wachstumsprognosen für 2017 deutlich anheben. Sowohl für Deutschland als auch für die EWU würden sie nunmehr einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 2,2% gegenüber dem Vorjahr erwarten. Die im Vergleich zur EWU (zuvor: 2,1%) kräftigere Anhebung für Deutschland (zuvor: 1,8%) resultiere dabei neben dem außerordentlich starken dritten Quartal hierzulande auch aus einer erheblichen Aufwärtsrevision der Wachstumsrate für das erste Quartal 2017 von 0,7% auf 0,9%.

Fiskalische Impulse seitens einer - noch zu bildenden - neuen Bundesregierung dürften im kommenden Jahr für eine leichte Beschleunigung des deutschen BIP-Wachstums auf 2,3% sorgen. Im Euroraum sollte der Zuwachs auf dem diesjährigen Niveau liegen.

Die EWU-Inflationsrate sei im November leicht von 1,4% auf 1,5% gestiegen. Dahinter habe aber nicht etwa ein Anstieg der Kerninflationsrate gestanden, die bei 0,9% verharrt habe. Vielmehr habe der Preis der Energiekomponente aufgrund des jüngsten Ölpreisanstiegs um 4,7% und damit deutlicher als noch im Oktober (+3,0%) über seinem Preis im entsprechenden Vorjahresmonat gelegen. Diese habe damit alleine für den Inflationsanstieg verantwortlich gezeichnet. Die Preisdynamik im Euroraum komme damit - insbesondere gemessen an den Kernverbraucherpreisen - auch weiterhin kaum voran.

So würden die Analysten 2017 zwar im Vorjahresvergleich einen kräftigen Anstieg der Inflationsrate von 0,2% auf 1,5% erwarten. Die Kerninflationsrate dürfte aber nur marginal von 0,9% auf 1,0% anziehen. 2018 würden sie vor dem Hintergrund der robusten Konjunktur sowie der sinkenden Arbeitslosigkeit im Euroraum mit einem moderaten Anstieg der EWU-Inflationsrate auf 1,7% rechnen. (Zinsen und Währungen Dezember 2017) (05.12.2017/alc/a/a)