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EU-Wiederaufbaufonds: Kreditrisiko für Staaten und Unternehmen in der gesamten EU dürfte sinken


21.07.20 11:00
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Der gestern vereinbarte europäische Wiederaufbaufonds ist von großer Bedeutung für die Integration der EU, ihre Anleihenmärkte und den Euro, so Paul Brain, Leiter des Fixed Income Teams bei Newton Asset Management - einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management.

Ein großer Teil des Deals werde über Anleihen finanziert, die von der EU ausgegeben und von den Mitgliedsländern gemeinsam finanziert würden. Zum ersten Mal werde die Haftung über die gesamte EU verteilt. Es sei kein Wunder, dass sich die "Sparsamen Vier" bei den Verhandlungen schwer getan hätten, da mit 390 Milliarden Euro ein Großteil der Gesamtsumme von 750 Milliarden Euro in Form von Zuschüssen ausgegeben und möglicherweise nie zurückgezahlt werden werde.

Die Spreads zwischen der Peripherie und den Kernländern dürften aus zwei Gründen nach und nach schrumpfen. Erstens: Wenn alle Länder die neuen Schulden gemeinsam garantieren würden, dann würden sie damit das Kreditrisiko zwischen den Staaten verringern. Zweitens: Wenn die 750 Milliarden Euro sinnvoll eingesetzt und zu wirtschaftlichem Wachstum führen würden, dann sinke das Insolvenzrisiko in der gesamten EU. In den Kernländern könnten die Anleiherenditen steigen - wenn auch nur in bescheidenem Umfang - da sie jetzt mehr Schulden in ihren Büchern hätten. Doch wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten für die EU verbessern würden (und die Steuereinnahmen steigen würden), dann werde es auch für sie leichter, ihre Schulden zu bedienen.

Der Schulterschluss zwischen Merkel und Macron im Vorfeld des Treffens hätten einen Deal sehr wahrscheinlich gemacht - Kern der Verhandlungen sei deshalb das Verhältnis von Zuschüssen und Darlehen gewesen. Die ursprünglich diskutierten 500 Milliarden Euro seien zwar nicht erreicht worden. Doch selbst nach Zugeständnissen an die Sparsamen Vier sei immer noch ein bedeutender positiver Beitrag für Europa zustande gekommen. Die Märkte hätten bereits im Vorfeld begonnen, das Ergebnis einzupreisen. Newton Asset Management gehe davon aus, dass der Spread sich weiter verengen und sogar unter die früheren Tiefststände von rund 90 Basispunkten sinken werde. Gemeinsam mit dem umfangreichen Anleihekaufprogramm der EZB dürfte der Wiederaufbaufonds das Kreditrisiko für Staaten und Unternehmen in der gesamten EU senken. (21.07.2020/alc/a/a)