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EU-Sondergipfel: Einigung!


21.07.20 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben sich nach mehr als vier Tagen Beratungen auf einen Kompromiss bezüglich des Finanzpakets geeinigt, so die Analysten der Helaba.

Der Wiederaufbaufonds solle einen Umfang von 750 Milliarden Euro haben, die von der Europäischen Kommission über gemeinsame europäische Anleihen am Kapitalmarkt aufgenommen würden. Gut die Hälfte dieser Summe (390 Mrd. EUR) solle als Zuschüsse an Regionen und Wirtschaftsbereiche ausgezahlt werden, die von der Covid-19-Pandemie besonders hart getroffen worden seien. Den Rest gebe es in Form rückzahlbarer Darlehen. Die Auszahlung von Geldern werde an die Einhaltung von Rechtsstaatlichkeitsprinzipien geknüpft. Die Regierungsvertreter hätten sich auch auf den von 2021 bis 2027 geltenden Finanzrahmen verständigt, der eine Gesamtsumme von 1,074 Billionen Euro aufweise.

Zwar seien die Verhandlungen zum Teil sehr kontrovers gewesen und der Egoismus einzelner Mitgliedsstaaten sei angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie erschreckend, was zähle, sei aber die Einigung und der Wille, gemeinsam die Krise zu bewältigen. Dies werde an den Finanzmärkten honoriert. Die Aktienmärkte würden zulegen und der deutsche Rentenmarkt sei zumindest zeitweise unter Druck gekommen, während die Risikoprämien der EWU-Peripherie sinken würden. Die Rendite zweijähriger italienischer Staatsanleihen sei erstmals seit März wieder vorübergehend in negatives Terrain gerutscht.

Der Euro sei zuletzt gestiegen, was aber auch mit der allgemeinen Schwäche des US-Dollars zu erklären sei. Die zweite Corona-Welle in den USA sei noch im vollen Gange. Während es in Europa im März und April zu einem massiven Infektionsanstieg gekommen ist und seitdem die Fallzahlen auf sehr niedrigen Niveaus verharren, scheinen die USA die Pandemie nicht in den Griff zu bekommen, so die Analysten der Helaba. Die Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden lägen seit vielen Tagen oberhalb von 60.000 und teilweise sogar über 70.000. Entsprechend seien die wöchentlichen Neuerkrankungen zuletzt klar über die Marke von 400.000 gestiegen. Insofern sei die Frage berechtigt, ob sich an den Finanzmärkten ein gewisses Korrekturpotenzial aufgebaut habe - zumal Corona-Lockerungen zum Teil wieder rückgängig gemacht werden müssten. (21.07.2020/alc/a/a)