Erweiterte Funktionen

EUR-Unternehmensanleihen: CSPP zeigt Wirkung auf iBoxx - Ein Auslaufen würde die Märkte jedoch nicht schockieren


15.09.17 08:10
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Gegen den Indextrend verzeichnete die iBoxx-Branche Retail in den letzten zwei Wochen eine Ausweitung von 22,6 auf 28,1 Bp, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Auf die Möglichkeit dieser Entwicklung haben die Analysten der HSH Nordbank AG bereits in der vorletzten Ausgabe hingewiesen; eine weitere Ausweitung speziell in diesem Sektor scheint ihnen weiterhin wahrscheinlich.

Darüber hinaus herrsche bei den Anleihespreads gewohnt wenig Dynamik. Als größte Sorge in Bezug auf die Spreadentwicklung werde das Auslaufen des Corporate Sector Purchase Programms (CSPP) der EZB gesehen. Zum 8. September habe die EZB 109,1 Mrd. EUR an Unternehmensanleihen gehalten. Knapp 15 Prozent davon seien im Primärmarkt, der Rest im Sekundärmarkt erworben worden. Um die Auswirkung auf die iBoxx-Spreads einzuschätzen, vergleiche man den Index mit den jeweiligen CDS-Spreads aus Europa und USA. CDS-Spreads sollten in diesem Vergleich eher fundamentale Faktoren abbilden, während die "Marktverzerrung" durch die EZB-Nachfrage in erster Linie auf den Cash-Bond Index wirke.

Diese Wirkung sei unmittelbar sichtbar, insbesondere zu den Ankündigungszeitpunkten der Einführung und Verlängerung des Programms: Von März bis Juni 2016 eine Einengung von ca. 30 Bp bei weitgehend unveränderten CDS-Werten. Ähnlich von Dezember 2016 bis März 2017 mit 20 Bp Einengung im iBoxx und kaum Veränderung in den europäischen CDS. Die EZB schreibe selbst, dass mit dem CSPP das Niveau der Spreads niedrig gehalten und Schocks besser absorbiert worden seien.

Man könne ebenfalls feststellen, dass einige Monate im Anschluss an die CSPP-Ankündigungen die Cash- und CDS-Indices wieder konvergierten und sich zum Teil sogar auf gleichem Niveau bewegten. Die Analysten der HSH Nordbank AG bezweifeln daher, dass eine Ankündigung des "Tapering", also des gestuften Ausstiegs aus dem Programm, zu signifikanten Spreadausweitungen im Sinne eines Marktschocks führen würde. Zumal die EZB bereits gekaufte Anleihen nicht an den Markt gebe, sondern halte und gegebenenfalls sogar nach Auslaufen reinvestiere. Wahrscheinlich würde die Zentralbank den Programmausstieg auch an steigende Unternehmensgewinne koppeln, sodass ein leichter Zinsanstieg vom Corporate- Sektor verkraftbar wäre.

Die Analysten der HSH Nordbank AG sehen im CSPP also keine "gefährliche Geldschwemme" und auch keine katastrophalen Auswirkungen, wenn das Programm ausläuft. (Ausgabe vom 14.09.2017) (15.09.2017/alc/a/a)