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EUR-Unternehmensanleihemärkte: Spreads unverändert niedrig - Unternehmensverschuldung auf Rekordniveau


13.10.17 11:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Weder der Blick auf die Kredit-Indices noch eine Analyse nach Ratingklassen oder Branchen offenbaren derzeit fundamental Neues, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Nach wie vor würden sich die Spreads in der Nähe ihrer Rekordtiefststände halten. Auch der Financial Stability Report des IWF für Oktober 2017 sehe das globale Finanzsystem "kontinuierlich stärker". Das werfe zwei Fragen auf: Würden die Spreads noch weiter einlaufen? Und wann starte die Ausweitung?

Anzeichen, dass sich die expansive Phase des Kreditzyklus dem Ende nähere, seien weiterhin kaum auszumachen. Trotzdem sollten sich Anleiheinvestoren der Tatsache bewusst sein, dass die Verschuldung des Unternehmenssektors bezogen auf das durchschnittliche EBITDA mittlerweile wieder höher sei als kurz vor der Finanzkrise in 2008. Das sei angesichts des aktuellen Zinsniveaus keine wirklich erschütternde Nachricht. Aber sobald das Zinsniveau steige, werde es erstens eng für viele Unternehmen mit schlechteren Ratings, und das werde zweitens die Drehung des Kreditzyklus - also die spürbar restriktivere Kreditvergabe der Banken sowie eine negative Ratingdrift der Bankenratings - beschleunigen.

In einer aktuellen Auswertung zur Verschuldungshöhe sehe die Ratingagentur S&P die US-Unternehmen so "verwundbar" in Bezug auf Downgrades und Kreditausfälle wie kurz vor der Finanzkrise in 2008. Insbesondere die vorteilhafte konjunkturelle Lage verzögere jedoch im Moment, dass sich der Kreditzyklus in die Kontraktionsphase drehe.

Große Unterschiede sehe die Agentur zwischen den Unternehmen mit guter und schlechter Bonität: Bei Investmentgradeunternehmen hätten sich im Durchschnitt die Finanzkennzahlen sogar verbessert. Im Subinvestmentgradebereich jedoch sei die Verschuldung "explodiert" mit einer entsprechend deutlichen Verschlechterung der Kennzahlen. Besonders unschön dabei: Gleichzeitig seien dort Dividenden und Aktienrückkäufe gestiegen, ein Teil der hohen Verschuldung sei also "unproduktiv" zugunsten der Anteilseigener verwendet worden. Per Saldo, schließt die Agentur, sei "die Wahrscheinlichkeit (…) gestiegen, dass wir uns am oberen Wendepunkt des Kreditzyklus befinden", so die Analysten der HSH Nordbank AG. Gut für europäische Investoren: Die ersten Warnsignale würden aus den USA kommen, was diesseits des Atlantiks ein kleines Zeitfenster zur Reaktion lasse.

Die Ausweitung werde kommen, wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwölf Monate. Bis dahin erwarten die Analysten der HSH Nordbank AG ausgehend vom heutigen Niveau keine signifikant weitere Einengung mehr. (Ausgabe vom 12.10.2017) (13.10.2017/alc/a/a)