EUR/USD-Erwartung trübt Ausblick für Hochzinsmärkte ein


05.04.18 12:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die 10J CZGBs in Tschechien liegen seit Jahresbeginn zurück; lediglich HGBs haben noch schlechter abgeschnitten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Diese Underperformance in Q1 sei ausschließlich durch die Kurskomponente getrieben worden, nachdem die Renditen in beiden Märkten während des weltweiten Ausverkaufs im Jan./Feb. deutlich gestiegen seien. Die Analysten würden an ihrer Kaufempfehlung für längerfristige CZGBs festhalten, die sie in ihrer letzten "CEE Debt Market Strategy" vom 2. März ausgesprochen hätten, zumal sie die CZK (Tschechische Krone)-Aufwertungsstory ggü. EUR per Ende Juni als intakt sehen würden.

Obwohl die Analysten die nächste Zinserhöhung nach Q3 verschoben hätten, sollten die damit verbundenen Spekulationen den Weg für eine Aufwertung in Q2 ebnen. Die Spreads ggü. DE scheinen derzeit ausreichend weit zu sein und dürften kurzfristig relativ stabil bleiben, so die Analysten der RBI. Mit Blick in die fernere Zukunft sollte sich die graduelle Kräftigung der Krone fortsetzen, wobei eine wiederanziehende Verbraucherpreisinflation voraussichtlich zwei weitere Zinserhöhungen in H2 2018 erforderlich machen werde.

Im Zuge des Ausverkaufs an den globalen Aktien-/Anleihenmärkten im Jan./ Feb. hätten HGBs in Ungarn am langen Ende der Kurve erhebliche Verluste hingenommen. Die Neupreisung sei indessen von stark abwärts verzerrten Renditeniveaus erfolgt, die auf überzogene Markterwartungen hinsichtlich der neuen Swap-Fazilitäten der MNB (MIRS) zurückzuführen gewesen seien. Trotz der deutlichen Spreadausweitung ggü. DE scheine die MNB mit den aktuellen Niveaus zufrieden zu sein (MNB konzentriere sich mittlerweile auf HGB-Spreadniveaus). Da die dt. Bundesrenditen auf Sicht Ende-Juni relativ stabil bleiben dürften, sollten HGBs gut verankert bleiben. Zum Jahresende könnten jedoch verstärkte Spekulationen über den erwarteten geldpolitischen Richtungswechsel der EZB in Q1 2019 zu einer Verknappung der Überschussliquidität und damit zu einem Aufwärtsdruck auf die HGB-Renditen führen.

Langlaufende POLGBs in Polen hätten in Q1 eine eher neutrale Performance gezeigt, wobei Kursgewinne durch Wechselkursverluste praktisch ausgeglichen worden seien. Der Markt habe sich dank der komfortablen Spreadniveaus ggü. DE als ziemlich widerstandsfähig gegen den globalen Ausverkauf erwiesen. In Anbetracht des schwachen Wechselkursniveaus, das sich derzeit der Auspreisung von Zinserhöhungserwartungen verdanke, sei die leicht positive POLGB-Einschätzung der Analysten vor allem auf dem PLN (Polnischer Zloty)-Aufwertungspotenzial ggü. EUR begründet. Letzteres sollte jedoch aufgrund neuaufflammender Zinserhöhungsspekulationen auf H2 konzentriert bleiben. Die Analysten würden weiterhin davon ausgehen, dass sich die derzeit schwache Korrelation zwischen Lohn- und Preiswachstum verstärken werde. Dies dürfte zu einem ausreichend starken Inflationsdruck führen, um die NBP dazu zu veranlassen, erste Zinsanhebungen mit der EZB zu synchronisieren (Q1 2019).

Die ROMGB-Spreads ggü. Bunds in Rumänien hätten sich nach dem weltweiten Jan/Feb-Ausverkauf im Gegensatz zur CE-Vergleichsgruppe nicht konsolidieren können. Der 10J-10J-Spread stehe angesichts der anhaltend heftigen Inflationsdynamik auf einem erhöhten Niveau. Auch wenn letzteres zum Teil auf statistische Einmaleffekte zurückzuführen sei, halte die anhaltende Straffung der Geldpolitik - möglicherweise auch durch die baldige Verknappung der Überschussliquidität - ROMGBs in Schach. Darüber hinaus würden weiterhin fiskalische / politische Risiken die Risikoprämie belasten. Auch wenn weitere Zinserhöhungen bereits weitgehend eingepreist sein dürften, birgt der zunehmende Druck auf die Kernanleihenmärkte in H2 das Risiko weiterer Kursrückgänge in sich, während Wechselkursverluste angesichts des derzeit schwachen EUR/RON (Rumänischer Leu)-Niveaus und der zunehmenden Unterstützung durch die lokale Zinsbasis eher begrenzt erscheinen, so die Analysten der RBI.

Die Chancen für die Wiederaufnahme von Zinssenkungen nach einer fünfmonatigen Pause seien in Serbien seit Mitte Februar aufgrund der günstigen Nachrichtenlage stetig angestiegen, was die NBS schließlich im März ermutigt habe, wieder Zinssenkungen aufzunehmen. Diese Stimmung sei genährt worden durch den erfolgreichen Abschluss des IWF-Programms (SBA) im Februar, niedriger als erwartete Inflationszahlen, die Abschwächung der NBS-Inflationsannahmen für H2, die anhaltende RSD-Aufwertungstendenz ggü. EUR (was EUR-Käufe der NBS ausgelöst habe) und, schließlich, die Ankündigung von Verhandlungen über ein neues IWF-Programm. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die VPI-Headline- und Kerninflationsrate die verbesserten Nachfragebedingungen in der Wirtschaft in H2 erneut abbilden würden, die Reflation aber geldpolitisch neutral bleiben sollte. In Q2 könnten daher zwei weitere Zinssenkungen um 25 BP anstehen, die den Weg für einen weiteren Renditerückgang ebnen sollten. Eine der wichtigsten lokalen Voraussetzungen für eine weitere Zinslockerung sei ein stabiler RSD-Wechselkurs.

Die Analysten würden für Q2 in Russland eine eher neutrale OFZ-Marktperformance erwarten und ihre Empfehlung zur Jahresmitte von Verkauf auf Halten ändern (Empfehlung aus "CEE Debt Market Strategy" vom 2. März; seither etwa 2%-ige RUB (Russischer Rubel)-Abwertung). Angesichts des positiven EUR-Jahresausblicks der Analysten (ggü. USD) würden sich die Aussichten für EUR-basierte Investoren trotz ihrer neutralen End-Juni-USD/RUB-Prognose stark eintrüben. Auch die zusätzlichen Zinssenkungen in Höhe von 75 BP, die die Analysten im weiteren Verlauf 2018 erwarten würden, sollten bereits ausreichend eingepreist sein, sodass die OFZ-Marktrally in diesem Jahr zu einem Ende kommen dürfte (und wahrscheinlich zu einem reinen Real-Carry-Trade werde).

Erhöhte Renditen und schwache USD/TRY (Türkische Lira)-Niveaus hätten ab Mitte März einige Anleger an die Lira-Märkte zurückgelockt. Angesichts der verbleibenden Fed-Risiken und stark erhöhter lokal-/geopolitischer Unsicherheiten sei lediglich für volatilitätserprobte Anleger eine taktische Long-Position in TURKGBs empfehlenswert. Mit Blick auf H2 gelte für die Türkei das Gleiche wie für Russland: EUR/TRY-Verluste aufgrund eines höheren EUR/USD-Kurses dürften alle potenziellen Kurs- / Carry- Gewinne zunichtemachen. (Ausgabe Q2/2018) (05.04.2018/alc/a/a)





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