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EUR-Staatsanleihemarkt: Sitzungsprotokoll zur EZB-Zinssitzung im September sorgt für Rückenwind


12.10.20 09:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen ist der Datenkalender dünn besetzt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Von Interesse zur Einschätzung der BIP-Entwicklung in der Eurozone in Q3 sei das Ergebnis der Industrieproduktion für August. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden mit einem klaren Plus des Outputs im Vergleich zum Vormonat rechnen, wobei dies vor allem auf der deutlichen Produktionsausweitung in Italien beruhe. In Italien habe die Industrieproduktion im August bereits wieder das Niveau vor der Corona-Krise erreiche. Etwas überraschend hinke dagegen die Erholung der deutschen Industrie stark hinterher - der Ausstoß habe im August noch immer rund 11% unter dem Januar-Wert gelegen. Im Schnitt der Eurozone sei die Produktionsleistung laut der Schätzung der Analysten der Raiffeisen Bank International AG noch rund 6% unter Jahresanfang. Als zweiter Datenpunkt seien die ZEW-Stimmungsindikatoren für Deutschland und die Eurozone zu erwähnen. Die Konjunkturerwartungen seien in den vergangenen Monaten bereits stark verbessert eingeschätzt worden, eine weitere Verbesserung erscheine den Analysten der Raiffeisen Bank International AG aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen wenig wahrscheinlich. Die aktuelle Lage sei bis zuletzt sehr negativ beurteilt worden. Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG würden mit einer leichten Aufhellung rechnen, was aber immer noch ein negatives Stimmungsbild in Bezug auf die derzeitige Situation bedeuten würde.

Am Staatsanleihemarkt habe am Ende der auslaufenden Woche das Sitzungsprotokoll zur EZB-Zinssitzung im September für Rückenwind gesorgt. Details der Mitschrift würden auf die Bereitschaft hinweisen, zum Jahresende Entscheidungen zum geldpolitischen Maßnahmenmix zu treffen. Auf der Pressekonferenz im September sei dies kaum zum Ausdruck gekommen. Zur Erinnerung: Zum Jahresende würden die PELTROs und der Envelope des APP auslaufen. Bis Mitte 2021 würden zudem gemäß den aktuellen Beschlüssen mit dem Ende des PEPP und des Zinsabschlags bei den zielgerichteten Refinanzierungsgeschäften zwei sehr wesentliche Stimuli entfallen. Im Protokoll seien doch sehr klar die hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten, die Notwendigkeit einer anhaltenden geldpolitischen Unterstützung und der "easing bias" hervorgehoben worden. In Verbund mit der Verwendung von Schlüsselphrasen ("vigilant, monitor closely") sei mit einer Verlängerung (inklusive Adaption) von bestehenden Maßnahmen zu rechnen. Vor allem die starke Rücknahme der Anleihekäufe, die dem aktuellen Ablaufplan innewohne, würden die Analysten der Raiffeisen Bank International AG nicht sehen und sei in ihren Prognosen für die Rendite von deutschen Staatsanleihen nicht unterstellt. Vielmehr dürften auf der Dezembersitzung fortgeführte Anleihekäufe in einem hohen Ausmaß (zumindest an die EUR 100 Mrd. pro Monat) für das ganz Jahr 2021 sichergestellt werden (z.B. Verlängerung des PEPP möglicherweise gewisse Aufstockung APP). (Marktausblick Rentenmärkte vom 09.10.2020) (12.10.2020/alc/a/a)