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EUR-Primärmarkt nur durch eine litauische Auktion am Leben erhalten


04.05.21 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Am EUR-Primärmarkt war gestern ein weiterer sehr verhaltener Tag, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Einzig die litauische Auktion habe den EUR-Primärmarktkalender vor völliger Leere bewahrt. Für heute habe sich die Republik Österreich mit ihrer monatlichen Auktion angekündigt. Es würden in gewohnter Dualtranche-Anleihe Laufzeiten von zehn und 26 Jahren begeben. In der Deal-Pipeline stünden das deutsche Bundesland Sachsen sowie die Züricher Kantonalbank.

Renditen in der Eurozone hätten sich nach positiven Umfragedaten und verhaltenen EZB-Anleihekäufen (News) der letzten Woche leicht nach unten bewegt. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos habe sich gestern zu Wort gemeldet und mögliche Voraussetzungen für ein Auslaufen des geldpolitischen Notfallmodus genannt. Falls es zu einer Beschleunigung der Impfkampagnen komme und bis zum Sommer 70% der erwachsenen Bevölkerung geimpft sein sollten sowie die Wirtschaft an Fahrt gewinne, könnte man über ein Auslaufen nachdenken. Auf der anderen Seite des Atlantiks hätten schwächelnde Industrieumfragedaten (ISM), welche auf eine starke Nachfrage gepaart mit Problemen bei den Lieferketten zurückzuführen seien, zu sinkenden US-Renditen geführt. Die Ankündigung einer erhöhten Emissionstätigkeit des US-Finanzministeriums in Q2 (USD 463 Mrd.) habe Treasuries zwar wieder etwas ansteigen lassen, habe den zuvor erwähnten Fall jedoch nicht ganz ausgleichen können. Risikoprämien, gemessen an den von uns verfolgten Cash-Bond Indices, rührten sich nicht vom Fleck, so die Analysten der RBI.

ams habe einen Q1 21 Umsatz von USD 1.549 Mio. berichtet, deutlich höher als im Q1 20 (OSRAM-Integration), aber saisonal bedingt 9% unter dem Q4 20, während die Automobilbranche dennoch eine starke Nachfrage verzeichnet habe. Die Gruppe solle in "ams OSRAM" umbenannt werden und die Berichterstattung sei in die beiden Segmente Halbleiter und Lampen und Systeme aufgeteilt worden. Zudem habe ams ein Delisting-Angebot für alle verbleibenden OSRAM-Aktien angekündigt (keine weitere Finanzierung erforderlich).

Moody's habe die Ratings von Nykredit Realkredit und Nykredit Bank um eine Stufe von A3 auf A2 mit stabilem Ausblick angehoben. Die Heraufstufung der Ratings spiegele die Ansicht von Moody's wider, dass Nykredit Realkredit seine Geschäfte zunehmend diversifiziert habe, was die Ratingagentur dazu veranlasst habe, die vorherige negative Anpassung für die begrenzte Geschäftsdiversifizierung aufzuheben. Der stabile Ausblick für die Ratings spiegele die Ansicht der Agentur wider, dass die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bank auch nach dem durch das Coronavirus ausgelösten Wirtschaftsabschwung weitgehend widerstandsfähig bleiben werde.

Der ruhige Primärmarkt Wochenstart lasse die Möglichkeit für einen weiteren Rückblick auf den April. In Summe sei die EUR ESG April Emissionstätigkeit am unteren Ende der Erwartungen gewesen. Nichtdestotrotz habe es "Gewinner" gegeben bzw. Kategorien, welche über den Erwartungen gelegen hätten. Dazu würden zum einen Sustainable Linked Bonds (SLB) zählen, welche mit einem Anteil von 17% der monatlichen ESG Neuemissionen ein Rekordlevel hätten verbuchen können und ESG High-Yield Anleihen. In letztgenannter Klasse sei mit dem Monat April der ESG-Trend endgültig angekommen.

Im Falle einer Vollzuteilung bei der heutigen RAGB-Doppeltranche im angestrebten Umfang von insgesamt EUR 1,3 Mrd. könnte die OeBFA bereits rund 45% ihres RAGB-Emissionsziels für das Gesamtjahr 2021 abgedeckt haben. Tatsächlich habe ein beeindruckender syndizierter Jumbo-Deal von Mitte April diese Quote deutlich nach oben getrieben. Die OeBFA plane heute, die 0,00% 2031 und 1,50% 2047 RAGBs anzuzapfen und die Analysten der RBI würden insbesondere die längere Laufzeit für attraktiv halten.

Litauen habe gestern nur EUR 10 Mio. einer 0,30% Feb-2032 LITHGB zugeteilt, da die Nachfrage eher verhalten gewesen sei. Allerdings seien in diesem Jahr die Zuteilungen für diese Laufzeit im Vergleich zu anderen LITHGB-Auktionen immer deutlich schwächer gewesen. Bei der ersten Auktion dieses Papiers in diesem Jahr Mitte Februar habe die durchschnittliche gewichtete Auktionsrendite nahe 0% gelegen und selbst die inzwischen deutlich höhere Rendite, die gestern bei 0,274% gelegen habe, habe nicht mehr Investoren an den Primärmarkt gezogen.

Der bulgarische Eurobond-Markt habe die jüngsten negativen politischen Nachrichten ignoriert, obwohl es sehr wahrscheinlich geworden sei, dass im Juli (frühestens) Neuwahlen anstünden. Nach dem dritten und letzten Versuch, ein neues Kabinett zu bilden, zwinge die Pattsituation Präsident Radev, das Parlament aufzulösen und einen Termin für Neuwahlen festzulegen. Auf Basis des ICE/BofA-Eurobond-Index sei BGARIA seit Anfang 2021 um etwa 2 PP gesunken und liege damit weitgehend im Einklang mit seiner Vergleichsgruppe.

Laut Kapitalflussdaten des IIF hätten EM-Wertpapiere (Aktien und Anleihen) im Apr-21 rund USD 45,5 Mrd. angezogen. Die Erholung im April sei vor allem durch die Anleihenmärkte getrieben worden, die USD 31,2 Mrd. der Gesamtflüsse ausgemacht hätten (davon USD 26,4 Mrd. ex China). Auf regionaler Ebene seien die Top-Performer die asiatischen Schwellenländer mit Anleihenmarktzuflüssen in Höhe von USD 15,2 Mrd., Lateinamerika (USD 7,8 Mrd.) und die europäischen Schwellenländer (USD 4,7 Mrd.) gewesen.

Die wöchentlichen EZB-Anleihekaufdaten vom vergangenen Freitag würden für APP und PEPP insgesamt eine geringere Aktivität im Vergleich zur Vorwoche zeigen (EUR 32,0 Mrd.), während immer noch leicht über dem Wochenschnitt (EUR 20 Mrd.) liegend. Die monatlichen Daten würden einen Anstieg der APP-Nettobestände um EUR 18,9 Mrd. (auf EUR 3,0 Mrd.) im April zeigen. Davon seien, wenngleich WoW negativ (EUR -0,2 Mrd.), EUR 5,0 Mrd. (auf EUR 271,1 Mrd.) auf das CSPP zurückzuführen gewesen. Darüber hinaus seien die Netto-PEPP-Bestände im April um EUR 80,1 Mrd. (auf EUR 1,02 Bio.) angestiegen. (04.05.2021/alc/a/a)