Erweiterte Funktionen

EM-Rentenmärkte: Währungskrise in der Türkei und in Argentinien


12.09.18 13:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Für die Rentenmärkte der Schwellenländer ging es im August nach der zwischenzeitlichen Erholung im Vormonat wieder abwärts, so die Experten von Union Investment.

Die Krise in der Türkei habe auch in anderen Emerging Markets (EM) ihre Spuren hinterlassen. Auf US-Dollar und Euro lautende EM-Staatsanleihen hätten auf Indexebene (JP Morgan EMBI Global Div.-Index) 1,7 Prozent abgegeben. Auch bei den Risikoaufschlägen habe der Erholungstrend gedreht. Sie hätten sich um 44 auf 370 Basispunkte ausgeweitet. Eine um elf Basispunkte geringere Rendite der zehnjährigen US-Treasuries und ein um 3,4 Prozent höherer Ölpreis (Brent) hätten den Abverkauf dabei nicht stoppen können.

Die Währungskrise in der Türkei habe sich dramatisch zugespitzt - mit entsprechenden Abstrahleffekten auf andere Länder. Verantwortlich sei zum einen die weiterhin ungeklärte Situation um die Inhaftierung des US-Pastors Brunson gewesen. Zum anderen sei aber auch das Krisenmanagement von Notenbank und Politik weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Auf kräftige Zinserhöhungen sei ebenso verzichtet worden wie auf ein mögliches Hilfeersuchen beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Nachdem die Lira gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich über 40 Prozent an Wert verloren habe, sei es Ende August zwar zu einer leichten Entspannung (Monatsverlust: 33,7 Prozent) gekommen. Ausgestanden sei die Krise aber nicht. Vor allem stark in US-Dollar verschuldete Unternehmen würden in Schieflage geraten, eine Rezession werde wahrscheinlicher.

Dem Sog der schwachen Währung habe sich auch Argentinien in den letzten Handelswochen nicht entziehen können. Nachdem der Peso bis Mitte August zum US-Dollar stabil oder sogar fester gehandelt habe, sei es in der zweiten Hälfte wieder deutlich abwärts gegangen. Die Notenbank habe mithilfe ihrer Währungsreserven interveniert, den Verfall aber nicht stoppen können (Monatsverlust: 40,9 Prozent). Der IWF prüfe auf Bitten der Regierung Argentiniens, ob die bewilligten Finanzhilfen vorzeitig ausgezahlt werden könnten.

Nach vorne gerichtet würden der Fortgang des Handelskonflikts, die globale Renditeentwicklung sowie Einzelländerthemen die größten Risikofaktoren für Schwellenländer-Anleihen bleiben. (Ausgabe August 2018) (12.09.2018/alc/a/a)