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EBA Stresstest 2018: Solides Ergebnis für die europäischen Banken


06.11.18 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der EBA Stresstest 2018 brachte bis auf wenige Ausnahmen keine wirklichen Überraschungen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Überprüfung des Bankensektors habe 48 europäische Banken umfasst, die rund 70% der Bankaktiva des EU-Bankensektors repräsentieren würden. Inkludiert in diesem Sample seien ausschließlich Banken mit Gesamtaktiva von über EUR 30 Mrd. Im Rahmen dieses Stresstestes seien, wie auch schon 2016, keine definierten Untergrenzen für z.B. die Eigenmittelausstattung (Common Equity Tier 1 Ratio) festgelegt worden. Im Jahr 2014 sei diese Untergrenze noch bei 5,5% CET1 gelegen gewesen.

Der Stresstest umfasse generell zwei Szenarien. Ein Baseline-Szenario sowie ein adverses Szenario. In Letzterem werde ein BIP-"Wachstum" in der EU von -1,2%, -2,2% und 0,7% für die Jahre 2018, 2019 und 2020 simuliert. Ebenso sei diesem Szenario ein Rückgang der Immobilienpreise von 2018 bis 2020 um 20% und ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf 9,7% zugrunde gelegt gewesen. Zusätzlich sei auch die Implementierung von IFRS 9 für die Banken zum ersten Mal im Zuge eines Stresstestes inkludiert worden. Grundsätzlich werde innerhalb der Resultate jeweils zwischen Effekten aus dem Kreditrisiko, Marktrisiko sowie operationalem Risiko unterschieden. Staatsanleihen würden je nach Verbuchungsart dementsprechend dem Kredit- oder Marktrisiko zugeordnet.

Zu den Ergebnissen: Vorab sei festzustellen, dass keine Bank die fiktive Untergrenze von 5,5% an Common Equity Tier 1 (CET1) unterschritten habe. Trotzdem habe es kleinere Überraschungen gegeben. Ausgehend von dem adversen Szenario und der "Fully Loaded" Eigenmittelausstattung hätten Barclays, Banco BPM sowie die Lloyds Banking Group mit einer CET1 Ratio von respektive 6,37%, 6,67% und 6,8% am schlechtesten abgeschnitten. Nicht viel besser seien die Ergebnisse der Nord LB sowie der italienischen UBI gewesen (7,07% und 7,46%). Hätte man vor dem Stresstest eine Umfrage gestartet, wären wohl meist die italienischen Kreditinstitute oben links auf der Liste gestanden. Die britischen Großbanken Barclays sowie Lloyds hätten wohl die wenigsten in diesen Regionen erwartet. Bei der Betrachtung desselben Szenarios aber auf Auswirkungen auf die Fully Loaded Leverage Ratio, würden sich zu den beiden selben britischen Instituten wiederum die alten Bekannten in Sachen Leverage Ratio gesellen. Ergebnisse unter oder knapp an einer fiktiven Grenze von 3% (Fully Loaded) seien für die Nord LB, Deutsche Bank, Banco BPM, Bayerische LB, Barclays, N.V. Bank Nederlandse sowie für die Lloyds Banking Group berichtet worden.

Auf aggregierter Basis habe sich die CET1-Ratio (Fully Loaded, FL) um 395 BP auf 10,05% verringert. Am stärksten seien bei der CET1 Ratio die Bankensektoren in den Ländern Großbritannien, Deutschland sowie Dänemark betroffen gewesen. Die durchschnittliche CET1 Ratio (FL) habe im adversen Szenario bei 11,85% gelegen. Die Haupttreiber für die Verringerung der CET1 Ratios seien das Kreditrisiko mit EUR 358 Mrd. an Verlusten sowie ein Ausbau der risikogewichteten Aktiva um 12% im Beobachtungszeitraum auf EUR 1,055 Mrd. gewesen. Die Leverage Ratio (FL) reduziere sich auf aggregierter Basis um 88 BP auf 4,18%. Der Durchschnitt liege dabei bei 5,36%. Hierbei hätten sich die Bankensektoren in Irland, Finnland, Österreich und Großbritannien mit den stärksten Reduktionen der Leverage Ratio hervorgetan, die aber in Summe allesamt noch über 3% verblieben seien.

In Summe könne von einem vermeintlich positiven Resultat gesprochen werden. Eine CET1 Ratio im adversen Szenario (FL) von 10,05% liege deutlich über dem regulatorischen Minimum und habe sich im Vergleich zum Stresstest 2016 (9,2%) trotz erschwerten Bedingungen verbessert. Vor dem Hintergrund der politischen Situation in Italien seien vor allem die Ergebnisse der dortigen Banken mit Interesse erwartet worden. Die vier inkludierten Banken (Intesa, UniCredit, UBI, Banco BPM) hätten ordentlich abgeschnitten und im Durchschnitt mit einer CET1 Ratio im adversen Szenario von 8,3%. Die Ergebnisse der italienischen Banken sollten allerdings mit etwas Vorsicht hingenommen werden. Im Test selbst wurde z.B. die Staatsanleihekurve weit weniger Stress unterzogen als dies bereits in diesem Jahr der Fall war bzw. ist, so die Analysten der RBI. Die 5-jährigen BTPs seien mit 118 BP Ausweitung gestresst worden, wobei die Ausweitung seit Jahresbeginn 2018 bereits rund 160 BP betrage. Über den gesamten Stresstest lasse sich auch das Fehlen des Aufarbeitens des politischen Risikos im europäischen Bankensektor beobachten. (Ausgabe vom 05.11.2018) (06.11.2018/alc/a/a)