Durchwachsener Ausblick


05.09.19 09:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das britische Unterhaus entschied sich gestern gegen Neuwahlen und schließt einen No-Deal-Brexit aus, so die Analysten der Helaba.

Damit dürfte sich die "Brexit"-Deadline voraussichtlich bis zum 31. Januar 2020 hinauszögern. Für Neuwahlen brauche Premier Johnson aber die Zustimmung der Opposition (2/3- Mehrheit). Ohnehin habe Johnson aktuell auch mit Unterstützung der nordirischen Unionisten keine Mehrheit im Parlament. Die Verunsicherung bleibe hoch, wenngleich zumindest kurzfristig ein Ausscheiden aus der EU ohne Vertrag habe abgewendet werden können.

Am Morgen werde es datenseitig in Deutschland spannend, denn der Auftragseingang der Industrie könne Aufschluss darüber geben, ob sich eine konjunkturelle Bodenbildung einstelle oder ob der Abwärtstrend noch nicht beendet sei. Im Juni sei es zu einer kräftigen Erholung der Bestellungen gekommen. Vor allem sei dies getragen worden durch Auslandsorders und Großaufträge, während die inländischen nochmals nachgegeben hätten. Dies und die anhaltende Schwäche der Stimmungsindikatoren im Verarbeitenden Gewerbe würden zur Vorsicht mahnen. Fortgesetzte Hamsterkäufe der britischen Kunden könnten der Industrie aber kurzfristig durchaus helfen. Allerdings drohe dann, wenn der "Brexit" mal da sei, eine entsprechende Auftragsflaute.

In den USA seien heute zunächst die Arbeitsmarktindikatoren von Interesse, bevor die Stimmung des Nicht-Verarbeitenden Sektors in den Fokus rücke. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe würden weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau erwartet. Dieser früheste Indikator der tatsächlichen Arbeitsmarktlage weise bislang keine Schwächetendenzen auf. Somit seien auch weiterhin solide Beschäftigungszuwächse zu erwarten. Darauf sollte der ADP-Report aufmerksam machen. Ein erneutes Stellenplus von rund 150 Tsd. zeuge zwar davon, dass die Arbeitsmarktdynamik nachgelassen habe. Vielerorts werde laut Beige Book aber von Arbeitskräftemangel berichtet, der die Expansion hemme, nicht von abgeschwächter Nachfrage.

Der ADP-Report gebe einen wichtigen Hinweis auf die Zahl der offiziell neu geschaffenen Arbeitsplätze (Veröffentlichung am Freitag). Die Vorgaben für den ISM-Index des Nicht-Verarbeitenden Gewerbes seien gemischt. Während auch in den USA die Industrie ins Stottern geraten sei, würden sich die Stimmungsbarometer bei Verbrauchern und am Immobilienmarkt bis zuletzt solide zeigen. Vor diesem Hintergrund sollte ein stabiler oder leicht erholter ISM-Index nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die regionalen Barometer vor Optimismus warnen würden. (05.09.2019/alc/a/a)