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Drei Fragen für die zweite Halbzeit


09.08.17 12:00
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Großen und Ganzen lässt sich die Entwicklung von Konjunktur und Kapitalmärkten in der ersten Hälfte des Jahres 2017 wohl als ordentlich bezeichnen, so Ann-Katrin Petersen, Vice President Global Economics and Strategy von Allianz Global Investors.

Fast vergessen scheinen inzwischen die durch politische Unwägbarkeiten - Stichwort: "Superwahljahr in Europa" - hervorgerufenen Sorgenfalten zu Jahresbeginn, so die Experten von Allianz Global Investors. Während der ein oder andere den Sommer für eine halbzeitliche Verschnaufpause nutze, würden mit Blick auf die zweite Jahreshälfte insbesondere drei Fragen in den Anlegerfokus rücken:

1. Würden die Wachstumskräfte die Oberhand behalten?

Nach wie vor stehe die Entwicklung an den Börsen im Zeichen der Erwartung, dass sich die globale Konjunktur auf kurze Sicht beschleunigen werde. Und tatsächlich befinde sich die Weltwirtschaft im Aufschwung. Besonders in den Industrieländern sei die wirtschaftliche Stimmung gut. Aber auch in den Schwellenländern habe sich die konjunkturelle Situation merklich verbessert. Mit einer weiteren Zunahme des Konjunkturtempos sei allerdings nicht durchweg zu rechnen. Vielmehr scheine das Ende weiterer positiver Datenüberraschungen absehbar. Gleichzeitig dürften Länderunterschiede wieder stärker in den Vordergrund rücken. Insbesondere der Euroraum sollte dabei im regionalen Vergleich bis auf Weiteres positiv hervortreten.

2. Inflationsanstieg: War's das?

Die Gesamtinflationsraten würden sich zwischen temporären Effekten und schleppenden Trends bewegen: Während der Inflationsschub durch die im Jahresvergleich höheren Ölpreise wie erwartet allmählich nachlasse, hätten sich die sinkenden Arbeitslosenquoten in den großen Industrieländern noch nicht in einem spürbaren Lohnauftrieb niedergeschlagen. Die Notenbankwelt übe sich daher vornehmlich in Geduld. Denn prinzipiell bleibe das Reflationierungsszenario - eine fortschreitende Konjunkturerholung bei moderat steigenden Inflationsraten - intakt.

3. Gelinge den Notenbankern ein behutsamer Kurswechsel?

Während der verhaltene Inflationsdruck den Zentralbanken von Washington über Frankfurt bis Tokio bisweilen Kopfzerbrechen bereite, bleibe ihre Marschrichtung offensichtlich: Eine allmähliche Normalisierung der Geldpolitik. Diese sei nicht zu verwechseln mit einer Straffung. So würden in den USA die Zinsen zwar schrittweise erhöht, sie würden aber gemessen am Preisauftrieb niedrig bleiben. Die sich abzeichnende Rückführung der aufgeblähten Zentralbankbilanz werde Jahre in Anspruch nehmen. Im Euroraum wiederum bewege sich die Europäische Zentralbank (EZB) nur in Trippelschritten in Richtung "QE-Exit". Ob und in welchem Maße es beim Kurswechsel zu erhöhten Marktschwankungen komme, hänge insbesondere von einem sorgfältigen Erwartungsmanagement der Notenbanken im Hinblick auf ihre Ausstiegsstrategien ab. Dies habe nicht zuletzt die jüngste Euro-Aufwertung gezeigt.

Was lasse all dies für die Finanzmärkte erwarten? Weltweit dürften die Wachstumskräfte vorerst die Oberhand behalten und den Aktienmärkten Rückenwind liefern. Allerdings dränge der Dreiklang aus einer bisweilen euphorischen Wirtschaftsstimmung, die wenig Luft nach oben lasse, aus Notenbanken, die den kommunikativen Balanceakt zwischen Normalisierung und Straffung zu meistern hätten, und aus den gegenwärtig aus dem Blick geratenen politischen Risiken die Frage auf, ob die Allzeittiefs bei Volatilitätsindices berechtigt seien. In diesem Umfeld sei das Fingerspitzengefühl aktiver Fondsmanager gefragt. Sie könnten die sich bei Schwankungen und durch Länderunterschiede ergebenden Gelegenheiten beim Schopfe packen. (09.08.2017/alc/a/a)