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Diversifiziertes Anleihenportfolio auch bei FED-Kurswechsel sinnvoll


10.11.20 10:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Michael Keough und Greg Wilensky, Anleihen-Experten von Janus Henderson, sind überzeugt, dass man mit einer sektorübergreifenden Anleihenstrategie flexibler und für die heutigen dynamischen Märkte besser gerüstet ist.

Auch US-Treasuries seien für ein diversifiziertes Portfolio wertvoll. "Selbst bei den aktuellen Renditen sollte das lange Ende der Kurve immer noch der Risikodiversifizierung dienen - und eine Quelle für potenziellen Kapitalzuwachs sein, falls sich die Wirtschaft abschwächt und riskante Anlagen einen Ausverkauf erleben", so Wilensky und Keough.

Der Präsident der US-Notenbank Jerome Powell habe vor kurzem die neue geldpolitische Strategie der FED vorgestellt, mit der die Inflation über 2% steigen solle. Für den derzeitigen Aufschwung bedeute dies, dass die FED künftig noch mildere Töne anschlage, und die Zinsen nicht präventiv aufgrund einer niedrigen Arbeitslosenquote oder erster Inflationsanzeichen erhöhe, sondern abwarte, bis sich eine nachhaltige Inflation bestätige - ein wichtiger geldpolitischer Kurswechsel.

Die umfangreichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zur Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie würden historische Höchststände markieren. Die Sorge vor einer steigenden Inflation und den Auswirkungen auf die Rendite an den Anleihenmärkten sei groß. Dennoch würden die Experten nicht mit einem signifikanten Inflationsanstieg rechnen. "Die Arbeitslosenquote ist nach wie vor hoch, die Ausgabenzurückhaltung ist unverändert und obwohl wieder positives Wachstum erzielt wird, müssen viele Bereiche der Wirtschaft erst saniert werden. Die kontinuierliche Ausbreitung von Corona verzögert ein umfassendes Wiederhochfahren der Wirtschaft zusätzlich", so Wilensky und Keough.

In den Augen der Experten strebe die US-Notenbank eine höhere US-Inflation an, da sie in den letzten Konjunkturzyklen das Ziel von 2% nicht erreicht habe. "Ein Inflationsanstieg wäre ein Zeichen für einen Wirtschaftsaufschwung und würde die Zweifel an der Fähigkeit der FED, ihre politischen Ziele zu erreichen, zerstreuen. Im aktuellen Klima konzentriert sich die FED mehr darauf, die Erwartung mit Blick auf das letztliche Inflationsziel zu erhöhen. Insofern war die Politik der FED effektiv, da sie die Nominalrenditen von US-Treasuries auf einem niedrigen Niveau verankert hat, während die Inflationserwartungen gestiegen sind. Die derzeit niedrigen Nominalrenditen und die negativen Realrenditen stützen Wirtschaftswachstum und Investitionen. Gleichzeitig untermauern sie die Anleihenpreise nach der Krise", würden Wilensky und Keough die FED-Maßnahmen analysieren.

Am kurzen Ende der US-Treasury-Renditekurve würden die Zinsen auf absehbare Zeit wahrscheinlich niedrig bleiben. Angesichts der neuen Inflationsstrategie der FED werde der Leitzins voraussichtlich für längere Zeit nicht angehoben werden. "Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs würden unseres Erachtens eine wirtschaftliche Belebung und eine zyklische Inflation ausgehend von einem niedrigen Niveau bewirken. Das ist allerdings nicht mit einem deutlichen Inflationsanstieg zu verwechseln, der die FED zwingen würde, ihre akkommodierende Geldpolitik zu beenden und die Zinsen zu erhöhen", würden die Experten argumentieren.

Am langen Ende der Zinskurve habe die FED ihre geldpolitische Unterstützung frühzeitig und aggressiv umgesetzt und könnte ihre Anleihenkäufe sogar noch ausweiten, um die langfristigen Zinsen unter Kontrolle zu halten. Angesichts des Wunschs der Anleger und der Absicht der FED, die Wirtschaft durch niedrige langfristige Zinsen - sowohl real als auch nominal - anzukurbeln, würden die Experten allenfalls mit einem moderaten Anstieg der Renditen am langen Ende rechnen. Da die Zentralbanken den Aufschwung weiterhin proaktiv unterstützen und Extremrisiken abfedern würden, sollte das Umfeld für Unternehmensanleihen günstig bleiben. "Wir halten diversifizierte Anleihenportfolios nach wie vor für sinnvoll und investieren vorzugsweise in erstklassige Unternehmensanleihen, die voraussichtlich von den Zentralbankmaßnahmen, den Fortschritten bei der Entwicklung eines Impfstoffs und dem ungebrochenen Renditehunger weltweit profitieren werden", würden Wilensky und Keough ihre Strategie zusammenfassen. (10.11.2020/alc/a/a)