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Digitales Zentralbankgeld als der nächste logische Schritt - China nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein


07.10.20 15:30
Lombard Odier IM

Genf (www.anleihencheck.de) - "Digitales Zentralbankgeld (DZBG) ist ein sicheres elektronisches Zahlungsmittel, das von einer Zentralbank geschaffen und gedeckt wird. Es stellt eine direkte Forderung gegenüber der Zentralbank dar und wird in einer von der Zentralbank oder der Regierung betreuten Datenbank gehalten", so Christian Vondenbusch, Portfoliomanager bei Lombard Odier Investment Managers.

In dieser Datenbank werde erfasst, über wie viel Geld jeder Kontoinhaber - sei es ein Unternehmen oder eine Einzelperson - verfüge. Etwa 80 Prozent der 66 Zentralbanken würden momentan an DZBG arbeiten.

Mit DZBG würden Zentralbanken die Kontrolle über die in einer Währung im Umlauf befindliche Geldmenge erlangen und das Finanz- und Zahlungssystem stabilisieren. Da Zentralbanken nachvollziehen könnten, wo sich jede einzelne Geldeinheit ihrer Währung befinde, unterstütze DZBG Regierungen dabei, illegale Tätigkeiten und Steuervermeidung einzudämmen.

DZBG sei effizient, sicher, verlässlich und schnell bearbeitbar. Außerdem fördere es die finanzielle Inklusion, da Bürger Zugang zu einem kostenfreien oder günstigen Basiskonto bei der Zentralbank erhalten würden.

Während sich westliche Länder noch Zeit lassen würden, digitale Währungen einzuführen, würden vier große chinesische Städte DZGB bereits in der Praxis testen. Im April 2020 sei das Digital Currency Electronic Payment-Projekt in Shenzhen, Suzhou, Xiong'an und Chengdu gestartet. Laut Chinesischer Volksbank könnte die neue Digitalwährung bis zu den olympischen Winterspielen 2022 in Peking einsatzbereit sein.

Der digitale Yuan werde von der chinesischen Regierung ausgegeben, gedeckt und mittels einer App in einer digitalen Geldbörse - und nicht auf einem Bankkonto - verwahrt. Mithilfe der digitalen Geldbörse seien Nutzer in der Lage, alltägliche Geschäfte zu tätigen, wie beispielsweise Waren zu bezahlen, Geld zu senden und zu empfangen oder an Geldautomaten Überweisungen vorzunehmen. Damit gehöre der digitale Yuan zum liquidesten Teil des Geldbestandes und ersetze, zumindest teilweise, Münzen und Scheine.

Länder würden unterschiedlich schnell auf digitale Zahlungsmethoden umsteigen. Barzahlungen seien in vielen Gesellschaften tief verwurzelt. Deshalb klappe der Übergang zu digitalen Zahlungsmethoden nur langsam, selbst wenn die technologische Infrastruktur bereits vorhanden sei. Da die chinesische Bevölkerung technologieaffin sei, hätten mobile Zahlungsvorgänge innerhalb der letzten zehn Jahre rasant zugenommen und der Grad der Marktdurchdringung von digitalen Zahlungen zähle bereits heute zu den weltweit höchsten. Da das Land bei mobilen Zahlvorgängen Vorreiter sei, dürfte China auch bei DZBG Maßstäbe setzen. (07.10.2020/alc/a/a)