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Digitale Assets verfolgen unterschiedliche Geldpolitiken


02.11.21 12:00
WisdomTree Europe

London (www.anleihencheck.de) - Die Geldpolitik variiert zwischen verschiedenen digitalen Asset-Netzwerken (wie beispielsweise Bitcoin und Ethereum), so Benjamin Dean, Director, Digital Assets bei WisdomTree.

Dies fließe in das Wertversprechen ein, das von verschiedenen Netzwerken präsentiert werde. Wie und warum würden sie sich unterscheiden und was bedeute das für Anleger?

Die Bank of England betrachte den Begriff "Geldpolitik" als "die Maßnahmen, die eine Zentralbank oder eine Regierung ergreifen könne, um zu beeinflussen, wie viel Geld sich in der Wirtschaft eines Landes befinde und wie viel es koste, Kredite aufzunehmen". Werde dieses Konzept auf digitale Asset-Netzwerke wie Bitcoin oder Ethereum übertragen, könne man sich die Geldpolitik für digitale Assets als das Mittel vorstellen, mit dem die Menge an Coins (Kryptowährungen) oder Token im Laufe der Zeit im/durch/für das digitale Asset-Netzwerk bestimmt werde.

Diese Bestimmung sei in einem Softwarecode geschrieben, könne aber von einer Firma, einer Gruppe von Netzwerkbenutzern oder einer anderen Partei bestimmt werden. Die Variation helfe, digitale Asset-Netzwerke voneinander zu unterscheiden, helfe bei der Gestaltung von Wertversprechen - und biete letztendlich eine Grundlage für die Investment-Allokation.

Die Geldpolitik von Bitcoin ändere sich nicht. Das Gesamtangebot an Bitcoins sei begrenzt: Es würden immer nur 21 Millionen Bitcoins geschaffen. Damit dieses Limit geändert werden könne, wäre die Zustimmung der Mehrheit der über 10.000 Bitcoin-Knoten erforderlich, auf denen die Open-Source-Software ausgeführt werde. In der Vergangenheit habe es Uneinigkeit darüber gegeben, wie viele Bitcoins geschaffen werden sollten, was zu "fest zusammenhängenden" Bitcoin-Varianten (z.B. Bitcoin Cash) geführt habe.

Die Menge der neu geschaffenen Bitcoins nehme mit der Zeit ab. Alle vier Jahre werde die Menge an Bitcoins um 50 Prozent reduziert ("die Halbierung"). Der letzte Bitcoin werde ungefähr 2140 geschürft. In diesem Sinn sei Bitcoin inflationär (das heiße: Es werde jeden Tag mehr Bitcoin bis 2140 geschürft), aber die geschaffene Menge nehme mit der Zeit ab (deflationär). Dies führe dazu, dass einige Bitcoin mit "digitalem Gold" vergleichen würden, was einen gewissen Sinn ergebe, bis man bedenke, dass die Menge des neu geförderten Goldes als Reaktion auf den Goldpreis zu jedem Zeitpunkt steige / sinke. Dies geschehe bei Bitcoin nicht - die Anzahl der erzeugten Bitcoins steige bei einem festen Zeitplan.

Die Geldpolitik von Ethereum könne und habe sich in der Vergangenheit geändert. Jedes Jahr würden 18 Millionen neue Ether geschaffen. Es gebe keine Obergrenze für die Gesamtmenge an Ether, die erzeugt werden könne. Dies führe dazu, dass einige ihre Geldpolitik als inflationär bezeichnen würden. Jüngste Änderungen am Ethereum-Quellcode seien von einer ausreichenden Anzahl von Knoten übernommen worden, um zu einer Änderung der Geldpolitik zu führen. Dies sei als "London Hard Fork" bezeichnet worden, das aufgrund der Umsetzung des Ethereum Improvement Proposal 1559 entstanden sei. Immer wenn jemand das Ethereum-Netzwerk nutze, werde jetzt und in Zukunft ein Teil der an die Miner gezahlten Gebühr "verbrannt" (das heiße, aus dem Angebot genommen und vernichtet). Das habe zu einer Situation geführt, in der an manchen Tagen mehr Ether verbrannt als neu geschaffen worden sei, was man als "deflationär" bezeichnen könnte.

Es gebe eine Vielzahl verschiedener digitaler Asset-Netzwerke - jedes mit seiner eigenen Geldpolitik, die auf seine funktionalen Bedürfnisse abgestimmt sei. Tether (USDT) sei beispielsweise ein Token, der einem US-Dollar entspreche. Der Emittent von Tether behaupte, dass USDT durch Bankreserven und Kredite gedeckt sei, die dem Wert des im Umlauf befindlichen USDT entsprechen oder diesen übersteigen würden. Diese repräsentativen Token würden über viele verschiedene digitale Asset-Netzwerke (zum Beispiel Ethereum, Tron und Algorand) verteilt. Im Gegensatz dazu könne der BNB-Token, der von der Digital Asset Exchange Binance ausgegeben werde, nach Belieben des Binance-Unternehmens erstellt oder verbrannt werden. Tatsächlich werde jedes Quartal eine bestimmte Menge an BNB-Token verbrannt.

Die Geldpolitik für verschiedene digitale Asset-Netzwerke könne sich auf den erwarteten Marktpreis der betreffenden Coins oder Token auswirken. Betrachten lasse sich dies in Bezug auf Nachfrage und Angebot. In einer Situation, in der immer weniger Coin/Token erzeugt würden (deflationär), verbunden mit einer erhöhten Nachfrage nach Coin/Token, würde man erwarten, dass der Preis steige. Bei einem Coin/Token, bei dem das Angebot nicht begrenzt sei (inflationär), müsse die Nachfrage ausreichen, um das steigende Angebot im Laufe der Zeit zu absorbieren, damit die Preise stabil bleiben oder steigen würden.

Einige Anleger würden sich mit einer Geldpolitik wohler fühlen mögen, die sich im Laufe der Zeit nicht ändern könne. Andere würden möglicherweise eine Situation bevorzugen, in der sich die Geldpolitik als Reaktion auf sich ändernde Bedürfnisse oder Bedingungen ändern könne (zum Beispiel Netzwerkskalierung und höhere Rentabilität). Dies könne jedoch je nach (Unternehmens-) Governance der Organisation, die in der Lage sei, die Geldpolitik zu ändern, mit Risiken verbunden sein.

Schließlich könne der digitale Asset-Raum in dem Sinn als inflationär bezeichnet werden, dass neue Münzen und Token von jedem geschaffen werden könnten, der die technischen Fähigkeiten dazu besitze. Das Wachstumspotenzial werde nur durch das Ausmaß begrenzt, in dem die Menschen neue Bedürfnisse hätten, die im Laufe der Zeit befriedigt werden müssten. Jeder Ökonom werde sagen, dass diese grenzenlos seien. (02.11.2021/alc/a/a)