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Diese Woche: Europäische Zentralbank wird Anleihekäufe etwas drosseln


13.09.21 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt leicht den Fuß vom Gas und wird das Tempo ihrer PEPP-Anleihekäufe im vierten Quartal etwas drosseln, so die Experten von Union Investment.

Dies sei einstimmig vom EZB-Rat auf der Sitzung am Donnerstag beschlossen worden. Die Euro-Rentenmärkte hätten mit rückläufigen Renditen auf den EZB-Entscheid reagiert. Im Vorfeld seien diese etwas angezogen, sodass in der Berichtswoche per saldo wenig Veränderung am Anleihemarkt zu beobachten gewesen sei. In den USA sei der Handel in engen Bahnen und unspektakulär verlaufen. Die Aktienbörsen hätten uneinheitlich tendiert, Asien habe sich weiterhin von der freundlichen Seite gezeigt, während die Märkte in Europa und in den USA mehrheitlich leichte Verluste verzeichnet hätten.

Die Drosselung der Anleiheankäufe solle nach Aussage von EZB-Präsidentin Lagarde nicht als Tapering missverstanden werden. Ansonsten habe es keine gravierend neuen geldpolitischen Erkenntnisse gegeben, die maßgeblichen Zinssätze seien unverändert beibehalten worden. Entscheidend werde nun das EZB-Treffen im Dezember sein, denn dann stehe die grundsätzliche Ausrichtung der Ankäufe sowie der Geldpolitik auf der Agenda.

Am Donnerstag habe sich die Front im EZB-Rat noch geschlossen gezeigt, zum Jahresende dürfte aber mit einer sehr kontroversen Diskussion um die zukünftige geldpolitische Strategie zu rechnen sein. Ein Ende der Anleiheankäufe und ein folgender erster Zinsschritt lägen nach der aktuellen Einschätzung der Experten noch in weiter Ferne. Die Experten würden von noch langanhaltenden Anleiheankäufen ausgehen. Eine erste Zinserhöhung durch die EZB sollte nicht vor 2025 erfolgen.

Mit Blick auf die Wirtschaftsprognosen habe die EZB das Wachstum für das laufende Jahr von 4,6 auf 5,0 Prozent heraufgeschraubt. Die Inflationsentwicklung schätze die Zentralbank ab 2022 rückläufig ein und solle laut EZB-Prognose 2023 mit 1,5 Prozent deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent liegen.

Für Deutschland seien in der Berichtswoche die Daten zur Industrieproduktion und zum Auftragseingang bekannt gegeben worden. Die deutsche Industrie habe im Juli ein Prozent mehr produziert als im Vormonat. Dies zeige, dass der Konjunkturmotor zwar brumme, aber er laufe nicht rund. Denn die immer noch anhaltenden Lieferengpässe hätten der Industrie das Geschäft teilweise verhagelt, die außerordentlich große Nachfrage hätte durchaus eine noch stärkere Ausweitung der Produktion erlaubt.

So sei der Auftragseingang im Juli auf einen Rekordstand gestiegen und liege nun gut ein Fünftel über dem Vorkrisenniveau. Die Produktion dagegen habe deutlich weniger aufgeholt und das Niveau vor der Corona-Krise noch nicht wieder erreicht. Damit der Konjunkturmotor in Schwung bleibe, dürften sich die Lieferengpässe nicht weiter verschärfen, und die noch offenen Aufträge sollten bald abgearbeitet werden können. Doch auch dann werde sich die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot nicht von heute auf morgen schließen. Manche Branchen, wie etwa die Automobilindustrie, könnten mit einem Ende der Schwierigkeiten erst im Jahr 2023 rechnen. Immerhin sehe es aber danach aus, dass viele Aufträge nicht storniert würden, sondern sich nur in die Zukunft verschieben würden. Somit würden die prall gefüllten Auftragsbücher für eine anhaltend robuste Produktion und einen brummenden Konjunkturmotor sprechen.

Der ZEW-Index habe sich für September hinsichtlich der aktuellen Lage mit 31,9 nach 29,3 Punkten leicht verbessert gezeigt. Bei den Erwartungen habe es jedoch einen starken Dämpfer gegeben. Mit dem jüngsten und vierten Rückgang in Folge sei das Barometer von 40,4 auf 26,5 Punkte gefallen. Letztlich signalisiere die Entwicklung in Richtung Herbst eine nachlassende Dynamik. Vor allem zeige sich die Erwartungshaltung von der angespannten Situation rund um die Lieferketten belastet.

Besser als erwartet hätten sich die Außenhandelsdaten der chinesischen Wirtschaft gezeigt. Sowohl die Importe (plus 23,1 Prozent) als auch die Exporte (plus 15,7 Prozent) hätten im August gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich zugelegt und weit über den Erwartungen der von Bloomberg befragten Analysten gelegen. Ein Lichtblick angesichts zuletzt rückläufiger China-Daten, aber dennoch bleibe dort die wirtschaftliche Erholung insgesamt von einer nachlassenden Dynamik geprägt. (Ausgabe vom 10.09.2021) (13.09.2021/alc/a/a)