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Diese 5 Schlüsselfaktoren sollten Anleiheinvestoren 2018 beachten


06.12.17 12:15
AB

München (www.anleihencheck.de) - Das auslaufende Jahr wird wohl als eines in Erinnerung bleiben, in dem sich Anleihen in fast allen Märkten relativ gut entwickelt haben, so Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

2018 dürfte für die Anleger erheblich herausfordernder werden. Niedrige Zinsrenditen und enge Spreads würden ein geringeres Aufwärtspotenzial bedeuten. Auf der anderen Seite bleibe die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Europa oder den USA in den kommenden zwölf Monaten gering. Die Experten würden glauben, dass folgende Schlüsselfaktoren die Anleiheinvestments im Jahre 2018 beeinflussen würden: Inflation, Monetärpolitik, Populismus, aktive Selektion, China und Trump (IMPACT).

Inflation - In der Eurozone dürfte die Inflation unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent verbleiben. Da jedoch die Konjunktur weiterhin leicht anziehe, dürften disinflationäre Risiken in Europa begrenzt bleiben.

In den USA würden die Experten für 2018 einen Anstieg der Inflation auf 2,1 Prozent erwarten. Die Dynamik könnte sich noch verstärken, abhängig von der Entwicklung des Ölpreises, des US-Dollars und den Auswirkungen der geplanten Steuerreform. Jeglicher nennenswerter Fiskalstimulus könnte den bereits engen Arbeitsmarkt weiter befeuern, was wiederum zu Lohndruck führen könnte.

Monetärpolitik - Die Normalisierung der Geldpolitik in den Industrieländern setze sich 2018 fort. In Europa habe EZB-Chef Mario Draghi klar gemacht, dass Zinserhöhungen nicht unmittelbar bevorstünden, wodurch deutsche Staatsanleihen am kurzen Ende weniger stark unter Druck geraten sollten. Doch mit der Reduzierung der geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen (Quantitative Easing, QE) und den verbesserten Konjunkturdaten müssten Anleger mit steigenden Renditen rechnen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) werde angesichts robuster Konjunkturaussichten ihre Bilanz weiter reduzieren und wahrscheinlich mehrmals die Zinsen erhöhen. Die Experten würden nicht damit rechnen, dass der neue FED-Chef Jerome Powell vom klar kommunizierten Kurs seiner Vorgängerin Janet Yellen dramatisch abweichen werde. Lediglich ein unerwartet deutlicher Inflationsanstieg könnte die FED unter Zugzwang setzen.

Populismus - Auch im auslaufenden Jahr sei der Populismus nicht von der Bildfläche verschwunden, und könnte 2018 wieder in den Vordergrund treten. In Europa dürfte Italiens Fünf-Sterne-Bewegung die Märkte bis zur Wahl im Mai in Atem halten. Die volatile Situation in Katalonien sei ein weiteres Anzeichen dafür gewesen, dass die Finanzkrise und ihre Folgen in Europa noch immer nicht vollständig überwunden seien. Sogar in Deutschland, dem traditionellen Stabilitätsanker Europas, könnte eine Neuwahl notwendig werden. Dabei seien weitere Stimmengewinne für die rechtspopulistische AfD nicht auszuschließen. In Lateinamerika könnten die politischen Risikoprämien für kolumbianische und mexikanische Staatsanleihen im Vorfeld der Wahlen im Mai beziehungsweise Juli steigen. All dies lasse es ratsam erscheinen, nicht ganz auf "Safe Haven"-Allokationen im Portfolio zu verzichten, um die Klippen von 2018 zu umschiffen.

Aktive Selektion werde den Unterschied machen. Die Experten würden dafür plädieren, dass Anleger sich als guten Vorsatz für das neue Jahr setzen sollten, flexibler und aktiver in ihren Portfolios zu agieren. In Europa dürften Finanzpapiere von einer verbesserten Konjunktur profitieren, aber längst nicht alle. Die richtige Auswahl werde daher entscheidend sein. In den USA erscheinen uns besicherte Hypothekenpapiere als attraktiv, insbesondere Credit-Risk-Transfer-Wertpapiere von den öffentlichen Hypothekenbanken, so die Experten von AB. Denn sie könnten Schutz bieten, falls die Zinsen steigen würden. Diese Anleihen seien variabel verzinst und damit steige ihr Kupon zusammen mit dem LIBOR.

China stehe weiterhin vor großen Herausforderungen. Banken und Unternehmen seien immer noch zu stark mit Fremdkapital gehebelt. Daher sei es für Chinas Regierung schwierig, die Risiken aus dem System zu entfernen, ohne dadurch die Konjunktur zu stark abzuschwächen. Auf mittlere Sicht werde der Fokus von der Höhe der Wachstumsrate auf die Qualität des Wachstums wechseln. So dürfte etwa die Lebensqualität der Bürger und in diesem Zusammenhang eine höhere Umweltverträglichkeit der industriellen Produktion stärker betont werden. Die Experten würden jedoch glauben, dass das Land eine harte Landung in 2018 vermeiden könne.

Trump und seine Politik seien die wohl am schwierigsten einzuschätzende Variable für Konjunktur und Kapitalmärkte in 2018. Die politische Unsicherheit in Washington sei das dominierende Risiko. Trump stehe unter erheblichem Druck, seine Wahlversprechen noch vor den Kongresswahlen im November umzusetzen. Es sei dennoch wahrscheinlich, dass die US-Wirtschaft jedwede damit verbundene Volatilität verkraften werde, aber das Risiko von politischen Fehlentscheidungen bleibe hoch.

2018 werde ein Jahr des Übergangs. Denn wir schreiten im aktuellen Marktzyklus immer weiter voran und haben bereits heute ein spätes Stadium erreicht, so die Experten von AB. Anleger seien gut beraten, ihre Aufmerksamkeit auf die beschriebenen Schlüsselfaktoren zu richten. 2017 sei von sehr moderater Volatilität und stetigem globalen Wachstum geprägt worden. Es sei keineswegs gesagt, dass 2018 Ähnliches mit sich bringen werde.

In diesem Umfeld würden die Experten glauben, dass Anleger Zinsrisiken weiterhin untergewichten sollten, insbesondere in Europa. Deutsche Staatsanleihen seien teuer, und sie hätten eine potenziell aggressivere EZB-Antwort auf höheres Wachstum und Inflation nicht eingepreist. Die Credit Spreads erscheinen eng, aber Chancen gibt es weiterhin für jene Anleger, die wählerisch sein können, so die Experten von AB. So könnten US-Hypothekenpapiere oder europäische nachrangige Bankanleihen von einem verbesserten amerikanischen Immobilienmarkt respektive solideren Bilanzen profitieren. Aber auch die Schwellenländer hätten Potenzial und sollten bedacht werden: Politische Reformen seien in einigen Staaten, wie zum Beispiel Argentinien, auf einem guten Weg. In anderen Ländern könnten politische Unsicherheiten Chancen hervorbringen, wie etwa in Mexiko angesichts der anstehenden Wahlen und den Neuverhandlungen über das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA. (06.12.2017/alc/a/a)