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Deutschland bereitet sich auf seine zweite syndizierte grüne Anleihe vor


03.05.21 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der vergangene Freitag war eher ruhig, da nur zwei EUR-High-Yield-Deals gepreist wurden, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dies habe zu einem Gesamtvolumen von EUR 36 Mrd. geführt, das in der vergangenen Woche auf dem europäischen Primärmarkt platziert worden sei und das Jahresvolumen auf etwas über EUR 700 Mrd. habe ansteigen lassen, was etwa 5% hinter dem Vorjahreswert liege. Einmal mehr sei die Aktivität in der vergangenen Woche vom Segment Govies/SSAs dominiert worden (49%), gefolgt von Financials (31%) und Corporates (20%). In Bezug auf die Laufzeiten habe sich in der vergangenen Woche das übliche Bild ergeben, indem die Emittenten insgesamt längerfristige Papiere (mehr als zehn Jahre: 54%, sieben bis zehn Jahre: 15) aufgelegt hätten. Bei den Corporates seien die Sektoren nicht-zyklischer Konsum (43%) und zyklischer Konsum (38%) in der vergangenen Woche am aktivsten gewesen.

Die Deal-Pipeline dieser Woche könnte wieder vom Segment Govies/SSAs dominiert werden. So bereite sich z.B. Deutschland auf seine zweite syndizierte grüne Anleihe vor, wobei die Investorengespräche morgen beginnen würden, während auch Österreich, Spanien und Frankreich planen würden, den Markt zu erschließen.

In der vergangenen Woche habe der Fokus weniger auf der Größenordnung der Bewegungen im Wochenverlauf gelegen, sondern vielmehr auf den Bund-Rendite-Schlussständen vom vergangenen Freitag. So habe sich z.B. die 10J-Bund-Rendite auf dem Niveau von -0,20% eingefunden, das seit März 2020 nicht mehr gesehen worden sei. Aus Sicht der Credit-Spreads sei der Freitag ein ereignisloser Tag geworden. Die eintägigen (1D) Spread-Bewegungen seien auf die monatliche Neugewichtung der EUR-Credit-Benchmark-Indices zurückzuführen. Dies im Hinterkopf behaltend, sei auch die wöchentliche (5 Tage; 5D) Spread-Veränderung davon beeinflusst worden. Ohne die monatliche Neugewichtung hätten wir am vergangenen Freitag stabile (1T) und engere (5T) Cash Bond Credit Spreads gesehen, so die Analysten der RBI. Die Spreads der Credit-Versicherungen in Form der CDS iTRAXX-Indices seien in der letzten Woche und auch am Freitag ziemlich stabil gewesen.

Was die Gesamtrenditen der EUR-Benchmark-Credit-Indices betreffe, so hätten im April risikoreichere Segmente wie Contingent Convertibles (+1,24%), High-Yield (+0,62%) und Financials Subordinated (+0,32%) hervorgestochen. Das Non-Fins-Segment habe eine flache Entwicklung gezeigt (0%), während Financials Senior eine leicht negative Gesamtrendite (-0,06%) verzeichnet habe. Innerhalb des Non-Fins-Segments hätten Real Estate (+0,51%), Automotive (+0,26%) und Leisure (+0,22%) im April die höchsten Gesamterträge erzielt.

Fitch habe RUSAL von B+ auf BB- mit stabilem Ausblick hinaufgestuft. Das Upgrade spiegele eine erwartete starke Cashflow-Generierung und solide Dividenden von Norilsk Nickel (Anteil von ca. 28%) in den nächsten Jahren sowie ein beabsichtigtes Deleveraging wider. Darüber hinaus erwarte Fitch ein günstiges Marktumfeld für Aluminium in den kommenden Jahren. Weitere Ratingaktionen - positiv oder negativ - würden u.a. von der Entwicklung der Verschuldung (FFO-Net Leverage) abhängen.

Enel Russland habe das Recht erhalten, seinen ersten Windpark in Russland, Azovskaya WPP, in Azov, Region Rostov, mit einer installierten Leistung von 90 MW in Betrieb zu nehmen. Neben Azovskaya WPP entwickle Enel Russland zwei weitere Projekte im Bereich der Winderzeugung: Kolskaya WPP (201 MW) in der Region Murmansk und Rodnikovskaya WPP (71 MW) in der Region Stavropol. Die Gesamtinvestitionen in die drei Windparks würden sich auf rund EUR 495 Mio. belaufen, davon würden rund EUR 132 Mio. auf Azovskaya entfallen.

S&P habe das spanische Glücksspielunternehmen Codere aufgrund einer verpassten Zinszahlung auf SD von CC hinabgestuft. Am 30. März habe Codere bereits die 30-tägige Grace Period in Anspruch genommen und so die Zinszahlung für die ausstehenden 2023 Super Senior Notes aufgeschoben. Nun habe das Unternehmen diese Frist um weitere 30 Tage verlängert, was nach den Kriterien von S&P einen Default darstelle, obwohl Codere zuvor die Zustimmung der Anleihegläubiger eingeholt habe.

Innerhalb unserer Coverage berichtet morgen ams und MOL am Freitag jeweils über das das 1. Quartal 2021, so die Analysten der RBI.

ESG-Primärmarkt-Boom sei im April abgeflacht: Letzte Woche sei eine schwache ESG-EUR-Primärmarktwoche gewesen, es seien EUR 5,4 Mrd. (Emissionen) gepreist worden. Die zwei dominanten Emissionen im ESG-EUR-Bereich seien jener der staatsnahen französischen Emittenten gewesen (BPIfrance, Société du Grand Paris), welche zusammen EUR 3,25 Mrd. repräsentiert hätten und somit deutlich mehr als die Hälfte der Gesamtwochenvolumens. Auf Monatsbasis habe der April mit knapp EUR 23 Mrd. ESG-Neuemissionen, welche knapp 10% der EUR Neuemissionen repräsentiere, deutlich hinter dem Rekord vom März zurückgelegen.

Litauen plane heute, eine 11-jährige Staatsanleihe (ISIN LT0000612012 / WKN nicht bekannt) zu begeben. Wie schon bei den vorangegangenen Auktionen in diesem Jahr würden die Analysten der RBI mit keinen Komplikationen und mit einer soliden Nachfrage rechnen.

Wie erwartet, hätten weder Moody's noch Fitch am Freitag die Ratings von Polen bzw. der Slowakei geändert, während S&P das Rating von Tschechien nicht überprüft habe. Am interessantesten sei die Slowakei gewesen, wo eine Aufhebung des negativen Ausblicks - der im Nov-20 herabgestuft worden sei - noch in diesem Jahr anstehen könnte. Laut Fitch spiegele der negative Ausblick die anhaltende Unsicherheit bezüglich der Pandemie und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Haushaltsfinanzen, insbesondere den Schuldenabbau, wider.

Blickpunkt Österreich: Dank boomender Industrie- und Baukonjunktur sei die "Endabrechnung" der zweiten Lockdown-Phase mit +0,2% p.q. besser ausgefallen als erwartet. Die Konjunktur habe im 1. Quartal damit nicht nur den Lockdown, sondern auch Deutschland (-1,7% p.q.) und die Eurozone (-0,6% p.q.) hinter sich gelassen. Vom Under- zum Outperformer - die Wandlung der österreichischen Konjunktur in nur drei Monaten. (03.05.2021/alc/a/a)