Erweiterte Funktionen

Deutschland: Weiterhin deflationäre Tendenzen im Oktober


13.11.20 09:15
Grüner Fisher Investments

Rodenbach (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsrate in Deutschland zeigt im Oktober weiterhin deflationäre Tendenzen mit einer Abnahme - gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat - von 0,2 Prozent, so Andreas Strunk von Grüner Fisher Investments.

Aus Sicht der Experten von Grüner Fisher Investments sei dies nicht verwunderlich. Man könne die Entwicklung insbesondere durch den massiven Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit der Liquidität erklären. Restriktionen rund um Corona hätten Unternehmen und Privatpersonen in eine kurzfristige Unsicherheit geführt. Die erste Reaktion hierauf sei Liquiditätssicherung gewesen, um die besondere Form der Insolvenz - die Illiquidität zu vermeiden. Aus diesem Grund seien die kurzfristigen, globalen Maßnahmen der Zentralbanken und Staaten hilfreich gewesen, um Liquiditätsengpässe wie zuletzt 2008/09 mit einem Einbruch der Repo-Märkte oder ähnliche Schicksale zu verhindern. Zusätzlich bleibe die gesellschaftliche Mobilität derzeit noch eingeschränkt, die Energiemärkte befänden sich in einem Angebotsüberhang und würden für partielle Rückgänge in diesem Segment sorgen.

Die Geldmenge sei infolgedessen massiv erhöht worden - die Umlaufgeschwindigkeit bleibe (noch) niedrig. Die Experten von Grüner Fisher Investments würden erwarten, dass sie jedoch mit mehr Sicherheit über zukünftige Entwicklungen in der Volkswirtschaft zunehmen werde. In diesem Fall sollte sich mittelfristig die Inflationsrate erholen. Eine dauerhafte und depressive Deflation würden die Experten zum aktuellen Zeitpunkt nicht erwarten. Wenn dann eine erhöhte Menge Geld in Bewegung komme und auf eine begrenzte Menge an Gütern und Dienstleistungen treffe, werde sich die Inflation analog zur Vergangenheit als Geldmengenphänomen einstellen. Ebenso werde für eine dauerhaft höhere Inflation in der Zukunft zwingend eine Umwandlung der Geldbasis in eine rotierende Geldmenge notwendig sein, um wieder die Möglichkeit zu erlangen, das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank erreichen zu können. Eine steigende Kreditvergabe sei zwingende Voraussetzung, welche aus Sicht der Experten von Grüner Fisher Investments erst dann wieder wahrscheinlich sei, wenn die Nettozinsmargen der Banken steigen würden und somit der Fokus der EZB von der Nachfrage- auf die Angebotsseite wechsle. (13.11.2020/alc/a/a)