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Deutsche Staatsanleiherenditen sollten nachhaltig auf ein höheres Niveau einschwenken


05.02.18 12:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Mit dem sentix-Index steht in der laufenden Woche in der Eurozone der erste Konjunkturfrühindikator für den Monat Februar an, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der jüngste Kursrückgang auf den europäischen Aktienmärkten sollte zu einer deutlichen Eintrübung der Stimmung der befragten Analysten und Finanzmarktakteure geführt haben. Die vorläufigen Schätzungen der PMI für den Dienstleistungsbereich für den Monat Januar würden in Deutschland, Frankreich und der Eurozone einen Anstieg ausweisen. Die endgültigen Ergebnisse dürften auch für Spanien und Italien eine klare Verbesserung zeigen. Die Vorzeichen für die Industrieproduktion im Dezember sind laut Stimmungsumfragen gut und so schätzen die Analysten der RBI für Frankreich und Italien eine merkliche Outputsteigerung im Vergleich zum Vormonat. In Deutschland sei dagegen eine Gegenbewegung zum starken Plus im November wahrscheinlich. Zudem würden vorliegenden Daten zur PKW-Produktion auf einen Rückgang der Industrieaktivität im Vergleich zum Vormonat hinweisen. Das Auftragsvolumen der deutschen Industrie sollte dagegen zugelegt haben.

Am Staatsanleihemarkt steche der steile Anstieg der Renditen für deutsche Staatsanleihen ins Auge, welcher beispielsweise die Verzinsung der zehnjährigen innerhalb von sieben Wochen um rund 50 Basispunkte nach oben geführt habe. Starke Bewegungen innerhalb einer kurzen Zeitspanne seien immer wieder zu beobachten. Einen vergleichbar rapiden Renditeanstieg der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe habe es zwischen Ende Juni 2017 bis Mitte Juli 2017 (rund 40 Basispunkte) oder zwischen Mitte April 2015 bis Mitte Juni 2015 (rund 100 Basispunkte) gegeben. In beiden angesprochenen Fällen habe jedoch die Rendite wenige Tage nach einem letzten Emporschießen wieder deutlich unter dem Hoch gelegen und sei in weiterer Folge wieder zum Ausgangswert zurückgegangen. Es stelle sich also die Frage, wie nachhaltig die aktuelle Entwicklung sei und wie weit sich diese noch fortsetze.

Die Analysten der RBI haben für dieses Jahr einen deutlichen Renditeanstieg bei deutschen Staatsanleihen prognostiziert und so sehen sie sich einerseits von der jüngsten Entwicklung bestätigt. Andererseits hätten sie diese starke Bewegung erst ab Frühjahr erwartet - ausgelöst durch einen Aufwärtsdrift bei der Inflationsrate. Der offensichtlich frühere Aufwärtsschub bei den Marktzinsen für deutsche Staatsanleihen sei der Neubepreisung der Zinsaussichten geschuldet. Sei der Markt im September 2017 noch von weitgehend unveränderten Leitzinsen für das Jahr 2019 ausgegangen, so sei laut EONIA Forwards nunmehr eine erste Zinsanhebung Anfang 2019 wahrscheinlich. Dies entspreche der seit langem vertretenen Analysten-Prognose.

Anders als beim oben zitierten Beispiel aus dem Jahr 2017 sollten sich die längerfristigen Leitzinserwartungen nicht nur vorübergehend erhöht haben. Und anders als im Beispiel aus dem Jahr 2015 sei die Bewegung nicht allein auf technische Faktoren (Auslösen von Stopp-Loss-Limiten und Trendfolgeverhalten) zurückzuführen. Insofern sollten die deutschen Staatsanleiherenditen nachhaltig auf ein höheres Niveau einschwenken. Beispielsweise habe die Bandbreite der zehnjährigen Rendite im Jahr 2017 zumeist 0,2% bis 0,5% betragen. Diese Spanne sollte nachhaltig verlassen worden sein und es sollten Werte an der vormals unteren Bandbreite nicht mehr erreicht werden.

Oben angeführte technische Faktoren könnten innerhalb kurzer Zeit zu Spitzen an und jenseits der 1% Marke führen. Allerdings würden für bis Herbst eine Bandbreite zwischen 0,4% und 0,9% als gerechtfertigt einschätzen. Gegen einen anhaltenden Abverkauf spreche, dass sich dieses Jahr das Angebot für deutsche Anleihen immerhin um rund 5% verknappen werde (Budgetüberschuss in Deutschland und EZB-Käufe). Zudem sei klar, dass eine erste Leitzinsanhebung frühestens Anfang 2019 erfolgen werde. Somit sei kein anhaltendes weiteres Aufwärtspotenzial für Renditen von Anleihen mit kurzen Laufzeiten gegeben. Angesichts des unverändert hohen Veranlagungsdrucks bzw. der wachsenden Überschussliquidität sei jedoch auch der Abstand zwischen langlaufenden und kurzlaufenden Zinsen begrenzt. (Ausgabe vom 02.02.2018) (05.02.2018/alc/a/a)