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Deutsche Staatsanleihen angesichts zahlreicher Spannungsfelder gut nachgefragt


10.09.18 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen werden in der Eurozone mit der ZEW- und sentix-Umfrage die ersten Stimmungsindikatoren für den laufenden Monat veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Beide seien eng mit der Aktienmarktentwicklung in den Tagen vor der Erhebung korreliert. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten der RBI in der Eurozone sowohl bei den ZEW-Konjunktureinschätzungen als auch beim sentix-Index einen klaren Rückgang ansetzen. Die deutschen Umfragen dürften sich aufgrund der guten binnenwirtschaftlichen Konjunktur (s. letzte Ergebnisse der Einkaufsmanagerindices und des ifo-Index) besser halten. Ebenfalls rückläufig würden die Analysten der RBI die Industrieproduktion in Italien und der Eurozone erwarten. Für die Eurozone sei auf Basis vorliegender Länderdaten ein klar geringerer Output im Vormonatsvergleich absehbar. In Italien würden die Analysten auf Grundlage der PMI Output Komponente (Umfrage im Verarbeitenden Gewerbe) von einem deutlichen Rückgang der Industrieproduktion von Juni auf Juli ausgehen.

Unter den kommenden Meldungen aus und Events in der Eurozone dürften die Marktteilnehmer wohl der EZB-Zinssitzung am meisten Interesse entgegenbringen, so die Analysten der RBI. Allerdings erwarte man vonseiten der Notenbank wenig Neues. Zwar dürften die BIP-Wachstumsschätzung für die Jahre 2018 und 2019 ein wenig nach unten revidiert und die zahlreichen Abwärtsrisiken etwas stärker betont werden. Gleichzeitig sollte allerdings auf die Robustheit der konjunkturellen Lage verwiesen werden. Die Inflationsprognosen der EZB dürften sich nicht verändert haben. Des Weiteren sollte EZB-Präsident Draghi darauf verweisen, dass die Wirtschaftsentwicklung bis zuletzt im erwarteten Rahmen verlaufen sei. Auf Basis der jüngsten Daten und neuen Prognosen sollte er bekräftigen, dass ein Ende des Netto-Anleihekaufprogramms zu Ende dieses Jahres sehr wahrscheinlich sei und die Leitzinsen zumindest bis über den Sommer 2019 unverändert bleiben dürften. In Summe erwarten wir uns keinen merklichen Impuls von der EZB Sitzung für die Geldmarktsätze und Renditen für deutsche Staatsanleihen bzw. für die mittel- bis längerfristigen Zinserwartungen, so die Analysten der RBI.

Unsere Prognosen für deutsche Anleiherenditen sowie Swapsätze sind turnusgemäß mit Quartalswechsel unter Revision, so die Analysten der RBI. Angesichts der zahlreichen Spannungsfelder in den kommenden Monaten (Brexit-Verhandlungen, Entscheidungen zu Iran und Russland-Sanktionen, Entscheidungen zu Exportzöllen China vs. USA, etc.) dürften deutsche Staatsanleihen als sichere Häfen weiterhin gut nachgefragt bleiben. Das Potenzial für einen Anstieg der Renditen schätzen wir daher geringer ein als zuvor, was in unseren neuen Prognosen entsprechend Eingang finden wird, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 07.09.2018) (10.09.2018/alc/a/a)