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Deutsche Staatsanleihen: Verhältnis zwischen den USA und Europa könnte das Pricing beeinflussen


12.03.18 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Angesichts der Datenebbe bleiben in den kommenden Tagen wohl die geplanten US-Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium ein wesentliches Marktthema, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die ökonomische Relevanz dieser Maßnahme sei zwar vernachlässigbar. Allerdings sei diese in einem breiteren Kontext der politischen Agenda von US-Präsident Trump zu bewerten.

Zum ersten beurteile die US-Regierung die stark negative US-Güterhandelsbilanz als außenwirtschaftliches Ungleichgewicht, das es abzubauen gelte. Dabei werte Präsident Trump hohe Überschüsse von Handelspartnern als Ausweis für unfaire Geschäftspraktiken. Diese wolle er auch mit wenig diplomatischen Mitteln abstellen und schrecke dabei zur Durchsetzung seiner Interessen von einseitigen und unabgesprochenen Strafmaßnahmen auch gegenüber Partnerländern nicht zurück. Es sei also nicht auszuschließen, dass der EU oder einzelnen Ländern selbst bei keinen Gegenmaßnahmen weitere protektionistische Maßnahmen seitens des Weißen Hauses drohen würden.

Zweitens verstärke die jüngste Verknüpfung von Handelsbeziehungen mit dem Thema Militärausgaben den Eindruck, dass Trump beabsichtige, die Interessen der USA mithilfe der faktischen Macht seines Landes mit hoher Vehemenz durchzusetzen. Die EU dürfte mit Trump nur auf Augenhöhe verhandeln können, wenn sie es schaffe, in wesentlichen Themen einen entsprechenden Gegenpol zu bilden.

Drittens falle bei der Möglichkeit von Ausnahmen von Strafzöllen auf, dass der US-Präsident von Verhandlungen auf Einzelländerbasis spreche. Einmal mehr versuche er die EU in ihrer Gesamtheit als Ansprechpartner außen vorzulassen und suche als vis-a-vis einzelne europäische Länder.

Auf Basis der angeführten Überlegungen sei zu befürchten, dass die angekündigten Zölle der USA und etwaige Gegenmaßnahmen der EU nur Nadelstiche in einem breiteren machtpolitischen Ringen seien. Es sei dabei zu hoffen, dass sich die Akteure dabei nicht in eine Negativspirale begeben würden, in der am Ende die Wirtschaft und somit die Interessen beider Schaden nehme.

Neben der Politik dürfte der Staatsanleihemarkt in den kommenden Wochen weiterhin die EZB bzw. die Aussagen wichtiger Ratsmitglieder im Auge behalten. Auf der Sitzung in der abgelaufenen Woche habe die Notenbank ihren "easing bias" in Bezug auf die Anleihekäufe aus ihrer offiziellen Wortwahl entfernt. Die Analysten der RBI werten dies als Signal, dass die Anleihekäufe dieses Jahr ihr Ende finden sollten. Ein formaler Beschluss für ein Einstellen der Käufe im September oder spätestens Dezember könnte dabei im Juni oder Juli erfolgen. Am Markt erscheint uns dieses Timing weitgehend eingepreist, womit wir zunächst die EZB nicht als unmittelbaren Treiber für große Bewegungen bei der Rendite für deutsche Staatsanleihen erachten, so die Analysten der RBI. Dagegen könnte zunächst ein Mehr oder Weniger an Sorgen im Hinblick auf das Verhältnis zwischen den USA und Europa das Pricing von deutschen Staatsanleihen beeinflussen. (Ausgabe vom 09.03.2018) (12.03.2018/alc/a/a)