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Deutsche Staatsanleihen: Kurse deutlich nachgegeben


06.05.22 09:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach einem volatilen Handelsverlauf haben die Kurse der deutschen Staatsanleihen deutlich nachgegeben, so die Analysten der Nord LB.

Am Markt habe es Spekulationen gegeben, dass die USA ihre Zinsen vielleicht doch stärker als erwartet anheben müssten. Trotz schwächerer Konjunkturdaten seien die Kurse der US-Treasuries deutlich zurückgegangen. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe sei auf 3,04% gestiegen.

In der deutschen Industrie habe sich der Auftragseingang im März deutlicher als erwartet abgeschwächt. Wie Destatis mitgeteilt habe, seien die Orders gegenüber dem Vormonat um 4,7% gesunken und hätten kalenderbereinigt um 3,1% unter dem Niveau des Vorjahres gelegen. Ohne Großaufträge habe sich ein Minus von nur 2,2% ergeben. Die Inlandsbestellungen hätten sich im März auf Monatssicht um 1,8% (Februar: +0,6%) verringert, die Auslandsaufträge hätten um 6,7 (-1,6%) nachgegeben.

Der preisbereinigte Umsatz in der deutschen Industrie sei im März stark rückläufig gewesen. Gegenüber Februar habe er sich um 5,9% verringert, im Vergleich zum Vorjahr habe er kalenderbereinigt um 6,2% niedriger gelegen.

Nach einer ifo-Umfrage würden so viele Unternehmen wie noch nie die Preise erhöhen wollen. Die vom Institut erhobenen Preiserwartungen hätten im April bei 62 (März: 55) Punkten gelegen. Besonders hoch seien die ifo-Preiserwartungen im Großhandel mit 79,3 Punkten gewesen, gefolgt vom Einzelhandel mit 75,4 Punkten und der Industrie mit 73,1 Punkten. Die Punkte bei den ifo-Preiserwartungen würden dem Institut zufolge angeben, wie viel Prozent der Unternehmen per saldo ihre Preise würden erhöhen wollen.

Erwartungsgemäß habe die Bank of England zum vierten Mal in Folge die Zinsen um 0,25% erhöht. Das aktuelle Inflationsumfeld setze die BoE unter Zugzwang. Doch der Krieg in der Ukraine verkompliziere die eigentlich (immer noch) fest angestrebte rasche geldpolitische Anpassung. Lieferkettenengpässe und ein Energiepreisschub würden zwar den Preisdruck nochmals erhöhen, doch die konjunkturellen Perspektiven würden sich zeitgleich durch eine inflationsbedingte Verringerung der Kaufkraft, die deutlich gestiegenen Zinsen, ein starkes Pfund sowie die Nachwehen des Brexit verdüstern. (06.05.2022/alc/a/a)