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Deutsche Staatsanleihen mit 5- und 10-jähriger Laufzeit halten


02.10.17 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen stehen mit den Einkaufsmanagerindices der Eurozone die letzten interessanten Konjunkturumfragen für den Monat September auf dem Programm, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die vorliegenden Schnellschätzungen (Eurozone, Deutschland und Frankreich) würden für Spanien und Italien im Verarbeitenden Gewerbe auf einen Anstieg und im Dienstleistungsbereich auf einen merklichen Rückgang schließen lassen. Die Arbeitslosenquote sei in der Eurozone in den vergangenen Quartalen im Schnitt jeden zweiten Monat um ein Zehntel gefallen. Bei unverändertem Trend sollte sich die Arbeitslosenquote im August entsprechend verringert haben. Des Weiteren würden die Ergebnisse zum Einzelhandelsumsatz und Industriedaten einzelner Länder für den Monat August veröffentlicht. Bei der spanischen Industrieproduktion rechnen die Analysten der RBI mit einem merklichen Plus im Vergleich zum Vormonat. Der Auftragseingang der deutschen Industrie dürfte entgegen der Konsensusschätzung einen Rückgang verbucht haben.

Mehr noch als für die Daten dürfte sich der Markt für das Protokoll der EZB-Zinssitzung vom 7. September interessieren. Präsident Draghi habe sich auf der Pressekonferenz nicht entlocken lassen, welche Varianten für die geldpolitische Ausrichtung für das Jahr 2018 am Tisch lägen. Seither sei lediglich klar, dass die Notenbank bis zu ihrer Sitzung am 26. Oktober ihre Strategie weitgehend ausgearbeitet haben werde. Klar sei auch, dass die Geldpolitik nicht weniger expansiv wirken solle und daher vor allem ein Anstieg der Risikoprämien oder ein weiterer starker Euro-Höhenflug unerwünscht seien. Allerdings sei eine Reduktion der Anleihekäufe sehr wahrscheinlich. Offene Fragen seien jedoch, um welches Ausmaß die Käufe verringert würden, auf welche Zeit man sich für fortgesetzte Käufe festlege, wie sich das Kaufprogramm zusammensetze und ob andere flankierende Maßnahmen gesetzt würden.

Das Protokoll könnte zumindest einen Einblick in das Stimmungsbild unter den EZB-Ratsmitgliedern bieten. Da sich die EZB auf alle Fälle um einen "dovishen" Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm bemühen werde, sei auch das Potenzial für ein Repricing am Anleihemarkt begrenzt. Euribor-Sätze und die Rendite für deutsche Anleihen mit kurzen Laufzeiten würden ohnedies noch für längere Zeit am aktuellen Niveau festgezurrt bleiben. Zudem hat sich der Markt nach dem jüngsten Anstieg der Rendite für mittlere und längere Laufzeiten nach Meinung der Analysten der RBI bereits gut auf die Aussicht auf eine etwas geringere Unterstützung seitens der Geldpolitik eingestellt. Die Analysten würden daher ihre Empfehlung für deutsche Staatsanleihen mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit von Verkauf auf Halten ändern. (Ausgabe vom 29.09.2017) (02.10.2017/alc/a/a)