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Deutsche Inflation so hoch wie zuletzt zu Beginn der Finanzkrise


04.06.21 15:57
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Es ist vollbracht. Der deutsche Aktienmarkt stieg - trotz anhaltender Inflationssorgen - auf ein neues Allzeithoch, so die Analysten der Weberbank.

Die Konjunktur in Amerika sei weiter mit Volldampf unterwegs. Bis Anfang Juli sollten laut Präsident Biden 70% der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten mindestens eine Erstimpfung gegen Corona erhalten haben. Sofern eine ausreichende Impfbereitschaft bestehe, scheine dieses Ziel realistisch. Zusätzlich sorge das 1,9 Billionen US-Dollar schwere Konjunkturpaket für eine starke Konsumnachfrage. Den größten Effekt dürfte das Konjunkturprogramm jedoch erst in den weiteren Quartalen haben und dementsprechend für einen noch stärkeren Wachstumsschub sorgen. Denn bislang hätten die Haushalte nur einen Teil der Direktzahlungen ausgegeben und stattdessen Geld zur Seite gelegt. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die fiskalpolitischen Impulse sowie die erfolgreiche Impfkampagne die amerikanische Wirtschaft weiter unterstützen würden.

Auch in Europa habe sich die wirtschaftliche Lage deutlich verbessert. Dies sei auch den deutlichen Impffortschritten zu verdanken. Mittlerweile seien rund 44% der Gesamtbevölkerung geimpft, was sich bereits in stark gesunkenen Infektionszahlen und einem Rückgang der Anzahl der Todesfälle niedergeschlagen habe. Dementsprechend hätten die Regierungen Öffnungsschritte eingeleitet, womit sich die Stimmung bei den Firmen und den Konsumenten markant verbessert habe.

Insbesondere der Dienstleistungssektor gewinne nun rasch an Fahrt, während auch die Industrie weiter ihren Aufwärtstrend fortsetze. Die Analysten würden deshalb in den nächsten Quartalen mit einem überdurchschnittlichen Wachstum rechnen. Dafür würden nicht nur die weiteren Öffnungsschritte sowie die ultraexpansive Geld- und Fiskalpolitik, sondern auch das kräftigste Auftragswachstum bei den Unternehmen seit knapp 15 Jahren sprechen.

Der Kosten- und Preisdruck sei zurzeit sehr hoch. Die Inflationsrate in Deutschland sei stärker als erwartet auf 2,5% gestiegen und liege mittlerweile auf dem höchsten Stand seit über zwölf Jahren. Staatliche Hilfszahlungen, eine hohe Sparquote der Haushalte, Lieferengpässe und die aufgestaute Nachfrage hätten zu einem starken Konsum geführt, der die Preise verschiedener Güter und Dienstleistungen verteuert habe.

Auch Basiseffekte hätten die Inflation positiv beeinflusst, da die Konsumentenpreise letztes Jahr aufgrund der Pandemie stark gefallen seien und nun als Vergleichsbasis dienen würden. Auch wenn die Inflation noch weiter ansteigen könne, seien die Analysten der Meinung, dass dies nicht nachhaltig geschehen werde, da die Inflation stark vom Energiebereich und von Sonderfaktoren wie der Einführung einer CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe und der Mehrwertsteuererhöhung getrieben gewesen sei.

Der deutsche Aktienmarktindex DAX habe nach einem kurzen Rückgang wieder an Fahrt gewonnen und sei sogar zwischenzeitlich auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Erfreuliche Konjunkturdaten, fortschreitende Impfungen sowie beruhigende Aussagen der Notenbanken in Bezug auf die zu erwartende Inflation hätten dazu beigetragen. Analysten würden für 2021 von einem Gewinnwachstum von 39% ausgehen. Neben der globalen wirtschaftlichen Erholung trage dazu vor allem auch eine deutliche Ausweitung der Gewinnmargen bei. Dies sei erstaunlich, weil sich derzeit viele Unternehmen über höhere Kosten aufgrund von Produktionsengpässen, steigenden Rohstoffpreisen oder Zusatzaufwendungen für Logistik beklagen würden. Wie der Anstieg der Konsumentenpreise jedoch zeige, gelinge es den Unternehmen zum großen Teil, diese Kosten auf die Endkunden abzuwälzen. Allerdings dürfte der eigentliche Stresstest für die Margen noch bevorstehen, denn der mit Abstand größte Kostenblock seien die Löhne und Gehälter. Hier zeichne sich vor allem in den USA ein Anstieg ab.

Trotz der steigenden Aktienmärkte bleibe der weltweite Inflationsanstieg und die damit verbundene Furcht vor einem vorzeitigen Ende der ultralockeren Geldpolitik eines der Hauptthemen. Aus Sicht der Analysten sollten die Aktienmärkte mit einem Inflationsanstieg gut umgehen können, solange er von Wirtschaftswachstum begleitet sei und nicht in einem Maße ansteige, dass die Notenbanken zu einem Kurswechsel gezwungen würden. Insgesamt würden die Analysten für Aktien zuversichtlich bleiben. Fortschreitende Impferfolge, steigende Konjunkturaussichten, große Fiskalprogramme der Regierungen, weitere Unterstützungen der Notenbanken sowie die immer noch tiefen Zinsen würden mittelfristig weiter für Aktien sprechen. (Ausgabe vom 03.06.2021) (04.06.2021/alc/a/a)