Erweiterte Funktionen

Deutsche Anleiherenditen unverändert auf einem tiefen negativen Niveau verankert erwartet


18.05.20 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen wird es spannend! Mit den Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices, ZEW-Umfragen und dem Konsumentenvertrauen stehen in der Eurozone viel beachtete Stimmungsindikatoren am Kalender, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nach dem historischen Absturz im März/April stelle sich nun die Frage, ob im Mai ein Rebound erfolge bzw. wie stark dieser ausfalle. Zur Einschätzung dieser Umfragen gelte es genau im Auge zu behalten, wann die Erhebungen stattgefunden hätten und wie die Fragestellung/Auswertung erfolge. Die ZEW-Indikatoren würden den Saldo zwischen gut und schlecht (Beurteilung der Lage) bzw. besser und schlechter (zukünftige Entwicklung) ausweisen. Die aktuelle Lage sollten nur wenige Befragte als nicht mehr schlecht beurteilen und so würden die Analysten der RBI kaum eine Verbesserung ansetzen.

Dagegen dürfte eine zunehmende Zahl an Befragten von einer verbesserten (wenn auch nicht guten) Wirtschaftslage in den kommenden Monaten ausgehen. Die Analysten der RBI würden bei den Zukunftseinschätzungen einen klaren Anstieg ansetzen. Bei den Einkaufsmanagerindices (PMI) würden sowohl eine unveränderte (halbes Gewicht) und als auch eine verbesserte Einschätzung positiv in den Indexstand einfließen. Im Dienstleistungsbereich sei der PMI das Ergebnis aus der Frage zur jüngsten Geschäftstätigkeit im Vergleich zum Vormonat. Die Analysten der RBI würden denken, dass in den ersten Mai-Wochen viele Dienstleister zumindest eine unveränderte Aktivität verbucht hätten (würden 100% angeben, ihr Geschäft hätte sich nicht verändert, so wäre der Indexstand 50) und würden einen deutlichen Rebound erwarten.

Im Verarbeitenden Gewerbe bestehe der Index aus den gewichteten Ergebnissen von Teilumfragen. Während sich die Produktion sicher stark verbessert habe (in DE habe die Autoproduktion Anfang April so gut wie stillgestanden), müsse der Auftragseingang nicht zwangsläufig ein großen Sprung nach oben ausweisen. Die Beschäftigungskomponente könnte sogar noch einmal gefallen sein. In Summe sind unsere Schätzungen für die PMI im Verarbeitenden Gewerbe daher deutlich vorsichtiger als für den Dienstleistungsbereich, so die Analysten der RBI. Das Konsumentenvertrauen sollte sich laut IPSOS-Daten verbessert haben. Uns fällt es aber schwer zu glauben, dass Konsumenten ihre jüngste und zukünftige finanzielle Situation sowie die Rahmenbedingungen für Einkäufe langlebiger Güter besser einschätzen als zuletzt, so die Analysten der RBI. Lediglich eine deutliche Aufhellung der allgemeinen Wirtschaftsaussichten dürfte den Indikator positiv beeinflusst haben und zu einem weitgehend unveränderten Ergebnis des Gesamtindikators führen.

Bei ihren Zinsprognosen (Euribor-Sätze) hätten die Analysten der RBI leichte Veränderungen vorgenommen. Die Europäische Zentralbank dürfte keine weitere Senkung des Einlagesatzes vornehmen. Es habe sich gezeigt, dass die Notenbank stattdessen lieber mit Abschlägen auf die Leitzinsen bei geldpolitischen Geschäften (TELTRO III, PELTRO) operiere. Dies werde zwar die Euribor-Sätze ebenfalls dämpfen - vor allem sobald die entsprechenden Refinanzierungsgeschäfte durchgeführt würden und sich die Liquiditätsverhältnisse am Interbankenmarkt ändern würden. Allerdings sei die Einwirkung der EZB weniger unmittelbar als bei einer Einlagesatzsenkung und so hätten die Analysten der RBI ihrer Schätzungen für die Euribor-Sätze für die kommenden Monate eine wenig angehoben.

Die Prognosen für deutsche Anleiherenditen seien von diesen Überlegungen nicht betroffen. Die Analysten der RBI würden diese unverändert auf einem tiefen, negativen Niveau verankert erwarten. Unsere Empfehlungsänderung auf Verkauf über die ganze Kurve begründet sich darin, dass wir das Potenzial für weitere Kursgewinne als weitgehend ausgereizt erachten und das aktuelle Renditeniveau im Vergleich zum Geldmarkt uninteressant ist, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 15.05.2020) (18.05.2020/alc/a/a)