Covered Bonds: Zwei neue Emittenten im EUR-Benchmarksegment


14.10.20 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Mit insgesamt drei Emissionen im Gesamtvolumen von EUR 2,1 Mrd. erhöhte sich das in diesem Jahr emittierte EUR-Benchmarkvolumen auf 82,95 Mrd., so die Analysten der Nord LB.

Bereits am vergangenen Mittwoch habe dabei insbesondere die APAC-Region auf sich aufmerksam gemacht, da mit der Sumitomo Mitsui Trust Bank ein weiterer Emittent in den Markt für EUR-Benchmarks eintrete. Das bereits länger in Aussicht gestellte Debüt des erst zweiten japanischen Instituts im EUR-Benchmarksegment sei dabei in Form eines EUR 850 Mio. großen Bonds (ISIN XS2240511076 / WKN A283RL) über eine Laufzeit von sieben Jahren erfolgt. Das Pricing habe mit ms +30 BP drei Basispunkte unter der zunächst ausgegebenen Guidance von ms +33 BP area gelegen.

Mit einem Orderbuch von EUR 1,0 Mrd. sei der Deal dabei weniger stark nachgefragt gewesen als die zuvor platzierten EUR-Benchmarks, was mitunter aber auch daran liege, dass die Anleihe weder EZB-fähig sei noch als HQLA im Rahmen des LCR-Managements verwendet werden könne und damit für regulatorisch getriebene Investoren weniger stark in Frage komme. Zudem habe die Rendite mit -0,043% im negativen Terrain gelegen. Informationen zum Institut sowie die Besonderheiten der Struktur des Programms hätten die Analysten bereits vergangene Woche in einem Artikel behandelt.

Ebenfalls am vergangenen Mittwoch habe sich die My Money Bank ihren Investoren gezeigt. Zuvor sei das Institut mit zwei Deals (09/19 und 10/18) am Markt aktiv gewesen. Die jüngste Transaktion (EUR 500 Mio.; 10y) habe während des Bookbuildings deutlich eintighten können und sei nach einer Guidance von ms +24 BP area letzten Endes bei ms +18 BP gefixt worden. Mit einem Orderbuch von EUR 2,35 Mrd. sei die Anleihe (ISIN FR00140004Q9 / WKN A283PZ), die eine Emissionsrendite von -0,270% aufweise, stark nachgefragt und fast fünffach überzeichnet gewesen.

Zu Beginn der aktuellen Handelswoche sei dann mit CAFFIL ein weiterer französischer Emittent gefolgt. Dabei habe das Institut bereits ihre fünfte EUR-Benchmark in 2020 platziert und das Fundingvolumen um EUR 750 Mio. auf EUR 5,0 Mrd. erhöht. Bemerkenswert sei zudem, dass mit der Neuemission (ISIN FR00140006K7 / WKN A283SZ) über eine Laufzeit von 15 Jahren, CAFFIL insgesamt fünf unterschiedliche Laufzeiten in 2020 gewählt habe (5y; 7,4y; 10y; 15y; 20y). Der Deal sei zu ms +7 BP (Guidance: ms +11 BP area) gekommen und sei rund doppelt überzeichnet gewesen und habe Emissionsrendite von +0,027% verzeichnet.

Am gestrigen Dienstag habe dann noch die Wüstenrot Bausparkasse überraschend im EUR-Benchmarksegment debütiert. Bei Buchöffnung sei der Deal zunächst als Subbenchmarktransaktion vermarktet worden. Ausgehend von einem Orderbuch von EUR 1,5 Mrd. habe man sich dann jedoch offenbar kurzfristig umentschieden und einen Bond (ISIN DE000WBP0A79 / WKN WBP0A7) im Volumen von EUR 500 Mio. bei ms +7 BP (Guidance ms +11 BP area) und einer Laufzeit von sieben Jahren (Emissionsrendite: -0,305%) platziert. Damit steige der ehemalige Subbenchmarkemittent (zwei ausstehende Deals) ins EUR-Benchmarksegment auf und komme zudem der Bausparkasse Schwäbisch Hall zuvor, die mit ihrer geplanten Transaktion im vierten Quartal als erste deutsche Bausparkasse eine EUR-Benchmarkanleihe habe begeben wollen.

Das Committee on Economic and Monetary Affairs des Europäischen Parlaments (ECON) habe jüngst im Rahmen einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die Parlamentarier eine Resolution verabschiedet hätten, die eine forcierte Umsetzung der europäischen Kapitalmarktunion zum Inhalt gehabt habe. In diesem Kontext sei auch noch einmal eine Beschleunigung bezüglich eines Gesetzesentwurfs für European Secured Notes (ESN) als neues Dual Recourse-Instrument hervorgehoben worden. Demnach könnten ESNs insbesondere der Finanzierung von KMUs zu Gute kommen.

Der aktuelle Zeitplan, der auch Bestandteil des EU Covered Bond-Harmonisierungspakets sei, sehe vor, dass die Kommission dem Parlament bis zum 08. Juli 2024 einen Gesetzesentwurf für ESNs vorlege. Die Analysten von Scope hätten bereits am 06. Oktober 2020 im Kontext des Aufrufs der Parlamentarier in Brüssel Stellung bezogen und würden unter anderem zu dem Schluss kommen, dass ESN durchaus als neues erfolgreiches Dual Recourse-Produkt neben "traditionellen" Covered Bonds existieren und einen Beitrag zur Kapitalmarktunion bzw. zur KMU-Finanzierung leisten könnten. Inwieweit der Aufruf zur Beschleunigung des Gesetzgebungsverfahren sich materialisiere, sei heute jedoch nach Auffassung der Analysten nicht seriös abzuschätzen.

Der Verlauf der COVID19-Pandemie habe - nicht nur aber insbesondere - dem kanadischen Covered Bond-Markt seinen Stempel aufgedrückt. So hätten die Emittenten des Landes vergleichsweise früh Rückgriff auf Emissionen in Fremdwährungen (neben EUR und USD auch CHF und AUD) genommen, um im weiteren Verlauf der Krise auf regulatorische Anpassungen des OSFI bzw. der Bank of Canada zu reagieren. Die Anrechnungsfähigkeit von "own use" Covered Bonds in kanadischer Währung als Sicherheit bei der Bank of Canada sowie die damit in Verbindung stehende selektive Anpassung des OSFI-Funding Limits habe zu einem spürbaren Anstieg der Emissionen von einbehaltenen Covered Bonds geführt. Die Ratingexperten von DBRS hätten im Rahmen ihres Halbjahresrückblicks für das Jahr 2020 jüngst diese und andere Entwicklungen mit Blick auf das Structured Finance-Segment bewertet. Die Analysten hätten unter anderem die Zahlungsverschiebungen bei Darlehensnehmern betrachtet.

So hätten die Payment Deferrals zwar Einfluss auf die Cash Flows genommen. Allerdings hätten die Aufschübe in Verbindungen mit anderen Regierungsmaßnahmen auch zu geringeren Ausfällen geführt. In Summe sah und sieht DBRS bisher keine Notwendigkeit für Downgrades von Covered Bond-Ratings im Zuge der Corona-Krise, sodass alle Programme ihre AAA-Einstufung behalten, so die Analysten der Nord LB.

Auch wenn diese Risikobeurteilung für sich genommen durchaus zu begrüßen sei, würden die Analysten auch zu bedenken geben, dass sowohl der Rückgriff auf eine Vielzahl von Fundingwährungen als auch die Möglichkeit zur Nutzung von Eigenemissionen in kanadischer Währung bei der Bank of Canada dämpfend auf das EUR-Benchmarkemissionsvolumen gewirkt haben sollten. An dieser Stelle sei aber auch der temporäre Charakter der Krisenmaßnahmen hervorzuheben. Darüber hinaus, seien die Fremdwährungsmärkte nach Auffassung der Analysten weit weniger aufnahmefähig als das EUR-Benchmarksegment, sodass die Analysten perspektivisch bzw. nach dem Jahreswechsel wieder von einer anziehenden Primärmarktaktivität kanadischer Emittenten ausgehen würden. (14.10.2020/alc/a/a)





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