Covered Bonds: Primärmarkt nimmt noch einmal Fahrt auf


18.11.20 12:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Mit vier Neuplatzierungen im EUR-Benchmarksegment in den vergangenen fünf Handelstagen hat der Markt kurz vor Jahresende (im Dezember werden traditionell wenig Deals platziert) noch einmal Fahrt aufgenommen, so Henning Walten, CIIA, und Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

Während die niederländische De Volksbank ihre erste EUR-Benchmark in 2020 platziert habe, sei es für die OP Mortgage Bank (ISIN XS2260183285 / WKN A285A2) aus Finnland nach einem Deal im Januar bereits die zweite Transaktion gewesen. Die BAWAG sei bereits zum dritten Mal an ihre Investoren herangetreten, womit sie nach der Platzierung vom 16. September für die beiden jüngsten Deals aus Österreich verantwortlich sei. Die schwedische Stadshypotek (ISIN XS2262802601 / WKN nicht bekannt), die gestern an den Markt gegangen sei, habe zudem für die erste EUR-Benchmark aus dem skandinavischen Land in 2020 gesorgt.

Die De Volksbank habe ihre EUR 500 Mio. große Anleihe vergangenen Mittwoch mit einer Laufzeit von 20 Jahren zu ms +7 Bp (Emissionsrendite: +0,174%) platziert. Es sei damit die fünfte Benchmark in 2020 mit einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren gewesen. Trotz der langen Laufzeit sei der Deal mehr als doppelt überzeichnet gewesen. Die Käufer seien verstärkt aus der DACH- (57%) und Benelux-Region (18%) gekommen. Wie bei langen Laufzeiten üblich habe zudem der Anteil der Versicherungen und Pensionskassen (18%) über dem Durchschnitt gelegen. Weitere 32% seien zudem an Asset Manager gegangen.

Mit EUR 1,25 Mrd. sei der Deal der OP Mortgage Bank die größte Transaktion der vergangenen fünf Handelstage gewesen. Platziert worden seien zehn Jahre zu ms +2 Bp. Wie mittlerweile bei zehn Jahren üblich sei der Bond zu einer negativen Emissionsrendite (-0,179%) gekommen.

Am gleichen Tag sei zudem die BAWAG auf ihre Investoren zugegangen. Offeriert worden seien hier EUR 500 Mio. über 15 Jahre. Nachdem die Guidance noch bei ms +8 Bp area gelegen habe, habe der Deal aufgrund seiner ordentliche Nachfrage (finales Orderbuch: EUR 1,4 Mrd.) vier Basispunkte enger bei ms +4bp gepreist werden können und sei damit fast dreifach überzeichnet gewesen. Auch hier hätten wenig überraschend Investoren aus der DACH-Region (76%) sowie Italien (18%) dominiert. 43% des Emissionsvolumens seien an Banken gegangen. Während 39% Asset Managern zugeteilt worden seien. Die Rendite sei mit +0,041% gerade so im positiven Terrain zu verorten gewesen, was unter anderem an dem jüngsten Anstieg der Swaprenditen aufgrund der positiven Nachrichten bezüglich der möglichen Verfügbarkeit eines Impfstoffes gelegen habe.

Am gestrigen Dienstag sei dann noch die Stadshypotek aus Schweden gefolgt, die wie bereits erwähnt die erste schwedische EUR-Benchmark in 2020 an den Markt gebracht habe. Zum Vergleich: 2019 hätten schwedische Institute noch EUR 5,75 Mrd. am Markt für EUR-Benchmarks platziert. Der Deal über eine Laufzeit von acht Jahren sei mit ms +8 Bp area in die Vermarktungsphase gegangen und letzten Endes bei ms +5 Bp gepreist worden, was wiederum in einer Emissionsrendite von -0,277% gemündet habe. Dem Volumen von EUR 1,0 Mrd. habe ein Orderbuch von EUR 1,35 Mrd. gegenübergestanden. Insgesamt liege das mittlerweile in 2020 emittierte EUR-Benchmarkvolumen damit bei EUR 90,2 Mrd. und somit genau ein Drittel hinter jenem des Vorjahres (EUR 135,28 Mrd.).

Die EZB habe nicht zuletzt durch ihre Ankündigung bei der vorangegangenen Leitzinsentscheidung hohe Erwartungen mit Blick auf neuerliche geldpolitische Impulse im Rahmen der letzten turnusmäßigen Notenbanksitzung am 10. Dezember 2020 geweckt. Im Rahmen ihrer Rede auf der "virtuellen Sintra-Konferenz" habe Christine Lagarde zwischenzeitlich eine Fokussierung auf die geldpolitischen Steuerungsgrößen PEPP und TLTRO erkennen lassen, welche auch nach Auffassung der Analysten der NORD/LB neuerliche Zinssenkungen noch unwahrscheinlicher erscheinen lassen würden. Die Analysten der NORD/LB sähen zudem die ermutigenden Meldungen zur Impfstoffentwicklung ebenfalls nicht als Impulsgeber für einen Richtungswechsel der EZB an, da die zeitnahe Verfügbarkeit eines Vakzins bereits seitens der EZB berücksichtigt worden sei.

Mit Blick auf den Covered Bond-Markt würden die Analysten der NORD/LB am aktuellen Rand vor allem mögliche Anpassungen der TLTRO III-Konditionen bzw. der Rahmenbedingungen für die gezielten längerfristigen Refinanzierungstransaktionen als impulsgebend ansehen. Denkbar wäre neben einer Verlängerung des bevorzugten Zinssatzes über die Jahresmitte 2021 hinaus eine zeitliche Streckung des TLTRO III-Programms über längere Laufzeiten oder neu hinzukommende Tender. In der Tendenz könnten diese Anpassungen durchaus nochmal einmal zulasten des Covered Bond-Emissionsvolumens gehen, da sich die relative Attraktivität von Zentralbankliquidität gegenüber Covered Bonds zusätzlich erhöhen würde. In diesem Zusammenhang würden die Analysten der NORD/LB aber auch zu bedenken geben wollen, dass insbesondere mit Blick auf längerfristige Refinanzierungen weiter Rückgriff auf Covered Bonds genommen würde. So erachten wir es auch als eher unwahrscheinlich, dass im Fall einer Laufzeitverlängerung bei TLTRO III die maximale Dauer von vier Jahren (analog TLTRO II) überschritten wird, so die Analysten der NORD/LB.

Bereits Mitte Oktober 2020 habe die Monetary Authority of Singapore (MAS) eine Erhöhung des Asset Encumbrance-Limits von 4% auf 10% (jeweils bezogen auf die Total Assets) festgelegt und somit nach Auffassung der Analysten der NORD/LB nicht nur das Emissionspotenzial im Markt aktiver Emittenten erhöht, sondern auch Anreize für neue Institute geschaffen, ein Covered Bond-Programm aufzulegen. Im Rahmen einer aktuellen Kommentierung habe Moody's nunmehr die Limiterhöhung risikoseitig bewertet und schätze diese als Credit Positive ein. Schließlich habedie angepasste Vorgabe das Potenzial, zu einer besseren Marktliquidität bzw. niedrigeren Refinanzierungsrisiken beizutragen. Zudem könnte ein größerer Covered Bond-Markt in der Tendenz die systemische Relevanz gedeckter Schuldverschreibungen erhöhen.

Im Rahmen ihres Jahresausblicks 2021 für das Structured Finance-Segment hätten die Risikoexperten von Moody's hervorgehoben, dass sie für das Folgejahr zwar von einer konjunkturellen Erholung ausgehen würden, diese aber nicht gleichmäßig von Statten gehen dürfte. Insbesondere würde demnach der volkswirtschaftliche Expansionsprozess durch neuerliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wahrscheinlich partiell ins Stocken geraten. Mit Blick auf Covered Bonds sähen die Analysten somit auch negative Einflüsse auf die Kreditqualität, die sowohl aus den Konsequenzen für die Emittenten als auch aus Belastungen der den Deckungsstöcken zugeordneten Mortgage Assets hervorgehen würden. Zu nennen sei hier insbesondere eine anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. Gleichwohl würden die Risikoexperten auch klarstellen, dass die vorgenannten Effekte ausgehend von den soliden Verfassungen der Emittenten sowie den Ausgestaltungen der von Moody's gerateten Covered Bond-Programme überschaubar bleiben sollten und insgesamt eine hohe Kreditqualität bei australischen Covered Bonds auch in 2021 erhalten bleiben sollte. (Ausgabe 44 vom 18.11.2020) (18.11.2020/alc/a/a)






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