Covered Bonds: Primärmarkt nahezu im Schlummermodus


11.11.20 11:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen fünf Handelstagen ist eine Emittentin auf ihre Investoren zugegangen, so Henning Walten, CIIA, und Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

So habe die niederländische Aegon Bank erfolgreich einen Covered Bond (ISIN XS2257857834 / WKN A2844G) über EUR 500 Mio. am Markt platziert. Die im Rahmen einer Conditional-pass-through (CPT)-Struktur begebene Anleihe weise eine Laufzeit von fünf Jahren auf. Der aufgrund der CPT-Struktur nicht unter dem CBPP3 oder PEPP ankaufbare Bond sei mit einer Guidance von ms +15 Bp area in die Vermarktungsphase gestartet. Der Reoffer-Spread sei schließlich fünf Punkte enger bei ms +10 Bp angegeben worden (Emissionsrendite: -0,362%). Das finale Orderbuch habe sich aus 70 Investoren zusammengesetzt und sich auf EUR 2,2 Mrd. summiert, was durchaus eine nennenswerte Nachfrage indiziere.

Die Aegon Bank habe ihre letzte EUR-Benchmark im November 2017 (AEGON 0 3/8 11/21/24) platziert und verfüge nunmehr über fünf ausstehende Benchmarks, wobei die AEGON 0 1/4 12/01/20 über EUR 750 Mio. zur Fälligkeit anstehe. Mit Blick auf die Investorenverteilung sei der größte Anteil auf Accounts aus den Benelux-Ländern (37%) etnfallen, knapp vor Deutschland und Österreich (33%). Die Investorenverteilung zeige einen Anteil von 31% Central Banks & OI an, während auf Banks/Private Banks (30%) sowie Fund Managers (28%) Anteile in ähnlicher Größenordnung entfallen seien.

Der Covered Bond-Markt der Schweiz weise dahingehend besondere Charakteristika auf, als dass die Emission von Pfandbriefen im Rahmen des Pfandbriefgesetzes der Eidgenossen auf Ebene einzelner Banken nicht zulässig sei, sondern vielmehr nur die beiden gesetzlich zugelassenen Pfandbriefinstitute (Pfandbriefbank und Pfandbriefzentrale) zentral entsprechende Anleihen begeben dürften. Bei den drei ausstehenden EUR-Benchmarks (jeweils EUR 1,25 Mrd.; zwei Bonds von Credit Suisse und ein Bond von UBS) handle es sich demzufolge auch um Covered Bonds auf vertraglicher Grundlage.

Jüngsten Marktmeldungen zur Folge würden sich nunmehr einige schweizerische Geschäftsbanken (u.a. Credit Suisse sowie die Züricher Kantonalbank) für Anpassungen am Covered Bond-Markt des Landes einsetzen. Diese würden insbesondere auf eine Anerkennung der nicht durch die beiden Pfandbriefinstitute emittierten Covered Bonds im Zuge des Sicherheitenmanagements der Schweizer Notenbank als Collateral abzielen. Diese Anpassung hätte insbesondere für die Investoren innerhalb des Landes Vorteile, da sie sich über die Hinterlegung der Wertpapiere im Bedarfsfall entsprechend Zentralbankliquidität beschaffen könnten. Die Geschäftsbanken des Landes würden mit der in diesem Zusammenhang stehenden Anpassungen an der gesetzlichen Grundlage auch das Ziel verfolgen, Chancengleichheit mit ihren europäischen Mitbewerbern zu erlangen.

Schließlich würden die Covered Bonds in der Eurozone unter gewissen Bedingungen zu den notenbankfähigen Sicherheiten zählen und könnten beispielsweise im Rahmen von TLTRO-Tendern als Collateral eingereicht werden. Für die Schweizer Bankiersvereinigung stelle die eigenständige Emission von Covered Bonds mit Zentralbankzugang insbesondere in Krisenzeiten eine wichtige Möglichkeit der Refinanzierung dar.

Die jüngsten Meldungen zum Entwicklungsstand bzw. zum potenziellen Einsatz eines Impfstoffes im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie habe für eine nachhaltige Stimmungsaufhellung an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Vor dem Hintergrund der Kursentwicklungen an den Aktienmärkten bzw. Bewegungen an den globalen Bondmärkten dränge sich durchaus die Frage auf, welchen nachhaltigen Einfluss der Impfstoff auf die in der Zukunft noch notwendigen Maßnahmen beim Kampf gegen die Pandemie und - damit einhergehend - auf die reale ökonomische Aktivität im gemeinsamen Währungsraum haben werde. Diese Fragen würden sich zweifelsohne auch die geldpolitischen Entscheidungsträger der EZB perspektivisch stellen müssen.

Die nächste EZB-Sitzung stehe am 10. Dezember 2020 an und es sei davon auszugehen, dass die mit der Geldpolitik betrauten Entscheidungsträger die weitere Entwicklung bezüglich der Impfstoffentwicklung und deren perspektivischen Einfluss auf Finanzmärkte sowie die reale ökonomische Aktivität eng verfolgen würden. Dabei gelte es aber auch zu beachten, wie die Erwartungen aufseiten der Marktteilnehmer mit Blick auf die Geldpolitik geprägt worden seien.

Mit Blick auf unsere Erwartungen für die Notenbanksitzung im Dezember würden wir nach dem aktuellen Wissensstand in der Folge zunächst an unseren grundsätzlichen Einschätzungen festhalten, so die Analysten der NORD/LB. Immerhin sollten neuerliche Leitzinssenkungen noch einmal unwahrscheinlicher geworden sein, wobei das PEPP-Volumen entsprechend auch vor dem Hintergrund der jüngsten Meldungen eine Aufstockung erfahren dürfte. Diese Sicht der Dinge gehe insbesondere darauf zurück, dass noch offene Fragen mit Blick auf den tatsächlichen Einsatz des Impfstoffs bestünden. Zudem sei keineswegs von einer flächendeckenden Verfügbarkeit an Impfdosen auszugehen, auch wenn die Produktion bereits anlaufe. Allein deshalb werde eine Herdenimmunität eher eine Frage von Quartalen, wenn nicht Jahren als von Wochen oder Monaten sein.

Darüber hinaus dürfe vor allem mit Blick auf geldpolitische Steuerungsgrößen wie TLTRO und Tiering nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Maßnahmen keineswegs allein auf die Corona-Krise zurückgehen würden. Insofern werde auch hier die EZB weiterhin auf die Erfüllung des Mandats der Preisniveaustabilität fokussieren, ohne dabei Fragen der Finanzmarktstabilität aus dem Auge zu verlieren. Mit Blick auf den Covered Bond-Markt sehen wir daher weiterhin einen weitreichenden Einfluss der EZB sowohl auf die Angebotsseite (via TLTRO-Tender) als auch auf die Nachfrage (via CBPP3), so die Analysten der NORD/LB. (Ausgabe 43 vom 11.11.2020) (11.11.2020/alc/a/a)





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