Covered Bonds-Primärmarkt im Januar 2021: Fehlstart oder Verschnaufpause?


03.02.21 10:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Im historischen Vergleich muss der diesjährige Jahresstart mit Blick auf das Emissionsvolumen im EUR-Benchmarksegment als Fehlstart eingestuft werden, so Dr. Frederik Kunze und Henning Walten, CIIA bei NORD/LB.

Mit insgesamt EUR 12,75 Mrd. würden die Neuplatzierungen im abgelaufenen Monat Januar nicht nur weit hinter die Vorjahre zurückfallen. Auch in Bezug auf die historisch zu beobachtenden Emissionsmuster bzw. Saisonalitäten würde eine Hochrechnung für das Jahr 2021 insgesamt eine regelrechte Dürre anzeigen.

Unter der Annahme, dass im Monat Januar historisch rund 20% des Gesamtjahresvolumens platziert würden, stünden für 2021 insgesamt lediglich rund EUR 65 Mrd. an. In derartigen Molltönen würden wir das neu gestartete Jahr aber keineswegs zeichnen wollen, so die Analysten der NORD/LB. Vielmehr würden die Analysten von einer Verschnaufpause im Januar sprechen, die nicht zuletzt durch das von ungewöhnlich hohen politischen und konjunkturellen Unsicherheiten geprägte Umfeld gekennzeichnet sei. Bei ihrer Primärmarktprognose für 2021 (EUR 105 Mrd.) hätten die Analysten der NORD/LB außerdem fundamentale Einflussfaktoren wie hohe Kundeneinlagen oder die TLTRO III-Tender berücksichtigt, sodass dämpfende Impulse auf die Emissionsaktivität keineswegs unerwartet kämen.

Als erfreuliche Überraschung würden die Analysten der NORD/LB das Benchmarkdebüt der Argenta Spaarbank (EUR 500 Mio.) werten. Die Soft Bullet-Anleihe (ISIN BE6326767397 / WKN nicht bekannt) mit einer Laufzeit von zehn Jahren sei mit ms +9 Bp area in die Vermarktungsphase gestartet und bei ms +3 Bp gepreist worden (Emissionsrendite: -0,135%). Mit einem Orderbuch von EUR 1,8 Mrd. sei der Deal fast vierfach überzeichnet gewesen und damit als Neuzugang in der aktuellen Marktphase auf eine erwartete hohe Nachfrage gestoßen.

Mit DBRS habe eine weitere Ratingagentur ihren Outlook für den Covered Bond-Markt vorgelegt. Die Risikoexperten würden insgesamt mit negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Qualität der Kreditportfolien durch Zuwächse bei den rückständigen Forderungen sowie - im geringen Ausmaß - anziehenden Kreditausfällen rechnen. Gleichwohl sehe DBRS die Emittenten hier gut gewappnet und hebe die Anreize zum Ersetzen betroffener Assets im Kontext der Deckungsanforderungen bzw. Asset Coverage Tests hervor. Für die Analysten sei zudem mit einer gewissen Heterogenität der Entwicklungen zu rechnen. Dies sowohl in Bezug auf Jurisdiktionen als auch mit Blick auf Cover Assets. So würden zum Beispiel Commercial Cover Pools einen stärkeren Einfluss der Pandemie zu verkraften haben.

Schützenhilfe sollte hingegen vom Niedrigzinsumfeld kommen. Das Emissionsvolumen sollte sich 2021 zurückhaltend präsentieren, wenngleich auch DBRS von einem marginalen Anstieg gegenüber 2020 ausgehe. Für die Ratingentwicklung werde insbesondere die Kreditqualität des Emittenten maßgeblich sein, wenngleich die vorgenannten pandemischen Einflüsse auf die Cover Assets keinesfalls eine vernachlässigbare Rolle spielen sollten. So gehe DBRS auch von einer zurückhaltenden Immobilienpreisentwicklung aus und bringe das nicht zuletzt mit zu erwartenden Anstiegen bei der Arbeitslosigkeit in Verbindung. (Ausgabe 3 vom 03.02.2021) (03.02.2021/alc/a/a)