Covered Bonds: Gerade einmal zwei neue Benchmarks am Primärmarkt


15.07.21 12:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die vergangenen fünf Handelstage waren einmal mehr durch eine eher seichte Dynamik am Primärmarkt für EUR-Benchmarks gekennzeichnet, so Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

So hätten mit der DZ HYP sowie Credit Mutuel Home Loan SFH gerade einmal zwei Emittenten Covered Bonds im EUR-Benchmarkformat platziert. Zunächst habe sich am vergangenen Mittwoch die DZ HYP mit einem Hypothekenpfandbrief am Markt gezeigt. Der Deal über EUR 750 Mio. habe bei ms +2 Bp (Guidance: ms +5 Bp area) ein Orderbuch von immerhin EUR 1,65 Mrd. auf sich vereinigen können, sodass der Deal mehr als doppelt überzeichnet gewesen sei. Der größte Anteil der Emission sei an Investoren aus der DACH-Region (65%) gegangen, gefolgt von den Nordics (13%), der CEE-Region (8%) sowie UK/Ireland (6%). Nach Investorenart hätten Banken (45%) vor Central Banks/OIs (28%) sowie Asset Managers (27%) dominiert.

Der nunmehr sechzehnte französische Benchmark-Covered Bond des laufenden Jahres sei einen Tag später von Credit Mutuel Home Loan SFH gekommen. Die Emittentin habe für ihre zweite Benchmark in 2021 eine Laufzeit von sieben Jahren (nach zehn Jahren im April) gewählt. Der Bond (ISIN FR0014004KP3 / WKN A3KT0J) im Volumen von EUR 1,0 Mrd. sei schließlich bei ms +3 Bp platziert worden und zuvor bei ms +6 Bp area in die Vermarktungsphase gegangen. Das Orderbuch habe sich auf EUR 1,1 Mrd. (Bid to Cover-Ratio: 1,1) summiert.

Trotz der augenscheinlichen Unterschiede mit Blick auf das Zeichnungsverhalten der Investoren sei nach Erachten der Analysten der NORD/LB für beide Platzierungen eine Fortführung des Regimes nachhaltig positiver Neuemissionsprämien zu konstatieren. Sowohl für den DZ HYP-Deal als auch für den Bond von CM Home Loan SFH würden die Analysten der NORD/LB eine NIP von drei Basispunkten errechnen. Angesichts der nach wie vor massiven Präsenz des Eurosystems sei zwar keineswegs von einem Käufermarkt zu sprechen, die Analysten der NORD/LB würden - wie vergangene Woche bereits angemerkt - den NIP-Trend aber durchaus als Lebenszeichen mit Blick auf ein normales Marktverhalten bewerten.

Am Sekundärmarkt sähen sich die Analysten der NORD/LB weiterhin in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die Spreads über Jurisdiktionen und Laufzeiten hinweg in einem Seitwärtskanal gefangen bleiben würden, und mindestens bis zum Jahreswechsel mit einem Anhalten dieser Situation rechnen. Diese Einschätzung fuße dabei auch auf der Erwartung einer negativen Net Supply in den verbleibenden Monaten.

So würden die Analysten der NORD/LB in 2021 noch mit Platzierungen im Volumen von EUR 28,5 Mrd. rechnen, denen wiederum Fälligkeiten in Höhe von EUR 37 Mrd. gegenüberstünden. Für die durch das CBPP3 ankaufbaren EMU-Covered Bonds würden die Analysten der NORD/LB bei noch zu emittierenden EUR 20 Mrd. mit einer negativen Net Supply von EUR 6,6 Mrd. rechnen. Zum Vergleich: Basierend auf den Annahmen, dass im Rahmen des CBPP3 EUR 2 Mrd. monatlich angekauft würden und EUR 30 Mrd. im gesamten Kalenderjahr reinvestiert würden, würde das Eurosystem in der zweiten Jahreshälfte Covered Bonds in der Größenordnung von EUR 17 Mrd. am Primär- und Sekundärmarkt ankaufen. Unter dem PEPP würden Covered Bonds derzeit kaum erworben, sodass hier nur ein mittelbarer Einfluss auf die Spreads entstehen dürfte.

Bereits am 6. Juli habe die EU-Kommission ihre neue Strategie für ein nachhaltigeres EU-Finanzsystem vorgelegt und in diesem Zuge auch ihren EU Green Bond Standard vorgeschlagen. Die Strategie für nachhaltige Finanzen lege u.a. Initiativen im Kampf gegen den Klimawandel und andere ökologische Herausforderungen fest. Der European Green Bond Standard (EUGBS) sei zudem als freiwilliger Standard für Anleihen zur Finanzierung nachhaltiger Investitionen ins Leben gerufen worden. Emittenten dieser Anleihen könnten sowohl private Unternehmen als auch öffentliche Stellen sein. Auch wenn die EU die Investorennachfrage für Green Bonds hoch beziffere, werde in Brüssel scheinbar noch Potenzial dafür gesehen, den Markt für grüne Anleihen zu vergrößern und dessen ökologische Ambitionen zu erhöhen. Der EUGBS könne, so die Auffassung, hier als "Gold Standard" zur Verfügung stehen, um Investoren vor Greenwashing zu schützen. Der Erfolg eines neuen weiteren Green Bond-Standards sei auch von der simultanen Akzeptanz auf Emittenten- und Kundenseite abhängig.

Das Rahmenwerk des EUGBS schreibe vier Grundvorrausetzungen für EU Green Bonds vor: "1. Die durch die Anleihe eingenommenen Mittel sollten vollständig für Projekte verwendet werden, die mit der EU-Taxonomie übereinstimmen; 2. Es muss vollständige Transparenz darüber herrschen, wie die Anleiheerlöse durch detaillierte Berichtsanforderungen zugewiesen werden; 3. Alle grünen EU-Anleihen müssen von einem externen Prüfer kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass die Verordnung eingehalten wird und dass die finanzierten Projekte mit der Taxonomie übereinstimmen. Eine besondere, begrenzte Flexibilität ist hier für staatliche Emittenten vorgesehen; 4. Externe Prüfer, die Dienstleistungen für Emittenten grüner EU-Anleihen erbringen, müssen bei der Europäischen Wertpapiermarktaufsichtsbehörde registriert sein und von dieser überwacht werden. Dies wird die Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Dienstleistungen und Prüfungen sicherstellen, um Investoren zu schützen und die Marktintegrität zu gewährleisten. Für staatliche Emittenten ist hier eine spezifische, begrenzte Flexibilität vorgesehen."

Im Zuge des Ausbruchs der Coronakrise sowie der dadurch ausgelösten und/oder beschleunigten Anpassungsprozesse an den Immobilienmärkten würden regelmäßig die möglichen negativen Konsequenzen für gewerbliche Immobilienfinanzierungen hervorgehoben. Dies sei im Kontext einer in Teilen erwarteten Abflachung der Nachfrage von Bürokapazitäten und Verkaufsflächen durchaus nachvollziehbar. Inwiefern diese Einschätzung Implikationen für Covered Bonds habe, sei auch ein Bestandteil eines jüngst von S&P vorgelegten Kommentars.

Im Rahmen des Beitrags werde bestätigt, dass die Commercial Real Estate (CRE)-Segmente Retail, Hotel und Offices stärker von der Pandemie betroffen seien. Die im Vergleich zu Residential Assets geringere Ausbreitung von CRE-Cover Assets verbinde die Analyse u.a. mit den kürzeren Laufzeiten von bzw. höheren Anzahlungen für CRE-Finanzierungen. Die größten Anteile identifiziere S&P für Deutschland, Österreich, Dänemark sowie Spanien.

In Bezug auf das Management von CRE-Cover Assets werde zudem klargestellt, dass Covered Bonds als Dual Recourse-Produkt die Zyklik in CRE-Finanzierungen steuerbar machen würden. Andererseits erfordere aber das höhere Ausfallrisiko sowie die höheren Verlustquoten (im Vergleich zu Residential Assets) eine höhere erforderliche Übersicherungsquote mit Blick auf das Rating. Während S&P auch für die Programme mit CRE-Anteilen stabile Ratings erwarte, werde im Rahmen des Kommentars das Ankaufprogramm der EZB auch als Ursache dafür gesehen, dass sich die unterschiedlichen Risikoprofile von Deckungsstöcken mit und ohne CRE-Anteil am Markt bzw. spreadseitig nicht widerspiegeln würden. (Ausgabe 25 vom 14.07.2021) (15.07.2021/alc/a/a)






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