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Covered Bonds: EZB-Sitzung und US-Wahlen lassen Emittenten abwarten


04.11.20 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Während die EZB in ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag keine unmittelbaren Anpassungen an ihrem Instrumentarium vorgenommen hat, so hat sie für ihre Sitzung im Dezember bereits eine "gründliche Neubewertung" und eine damit einhergehende Re-Kalibrierung ihrer Maßnahmen angekündigt, so Henning Walten, CIIA, und Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

Dabei dürfte die aktuelle Entwicklung mit Blick auf die Infektionslage in der Eurozone als Indikator der Schwere der Anpassungen dienen. Hielten wir eine Anpassung des PEPP bereits vor der Sitzung in der vergangenen Woche für hoch wahrscheinlich, so sollte diese Adjustierung nun ausgemachte Sache sein, so die Analysten der NORD/LB. Ob und in welchem Umfang die EZB auch weitere Instrumente wie TLTRO, das APP oder den Tiering-Multiplier im Dezember anpasse, sei aktuell noch nicht abzusehen, auf jeden Fall aber spätestens in der mittleren Frist denkbar.

Mit den US-Wahlen in dieser Handelswoche hätten sich Emittenten ebenfalls vorsichtig gezeigt, was dazu führe, dass in den vergangenen fünf Handelstagen keine Neuemissionen an den Markt gebracht worden seien. Abhängig vom Ausgang der US-Wahl insbesondere mit Blick auf die Auszählung bezüglich der Briefwahlstimmen und damit einer zeitnahen und transparenten Verkündung eines Siegers sähen die Analysten der NORD/LB durchaus das Potenzial, dass Neuemissionen in einem durch Volatilität geprägten Markt vorerst weiter auf sich warten lassen würden.

Zudem würden die Analysten der NORD/LB für den restlichen Verlauf des Jahres nur noch vereinzelt Emissionen erwarten. Mit 86,45 Mrd. EUR liege das aktuelle Emissionsjahr gut 30% hinter dem Jahr 2019, welches bis November insgesamt 123,03 Mrd. EUR an EUR-Benchmarks gesehen habe. 2019 seien rund 10% des Volumens der ersten zehn Monate im November und Dezember noch einmal platziert worden, was mit Blick auf 2020 weitere 8,65 Mrd. EUR an Neuemissionen bis Jahresende bedeuten würde. Einen Wert, den wir aufgrund der aktuellen Marktlage aktuell als eher unwahrscheinlich erachten, da mit der bevorstehenden Anpassung des EZB-Instrumentariums am 10. Dezember zudem weitere Impulse in den Markt gegeben werden und ein ausgeprägtes Prefunding für 2021 in den kommenden Wochen aus unserer Sicht ebenfalls eher unwahrscheinlich ist, so die Analysten der NORD/LB.

Mit dem Euro Area Bank Lending Survey der EZB für das 3. Quartal 2020 hätten sich die befragten Banken auch zur TLTRO-Situation geäußert. Während 78% der befragten Banken am III.4-Tender (rund 1.300 Mrd. EUR) beteiligt gewesen seien, seien es im September (III.5, EUR 174 Mrd.) nur noch 35% gewesen. Während für die verbleibenden beiden Tender im Dezember 2020 und März 2021 17% der Banken beabsichtigen würden, erneut Zentralbankliquidität aufzunehmen, seien immerhin 39% unentschlossen, während fast die Hälfte der befragten Banken (44%) nicht beabsichtige, unter TLTRO-III nochmals Funding aufzunehmen. Die Umfrage habe auch ergeben, das Profitabilitätsgründe, also die vorteilhaften Konditionen des Tenders, hauptverantwortlich für die Inanspruchnahme von TLTRO-Mitteln gewesen seien. Aber auch das Vorsichtsmotiv mit Blick auf Fundingprobleme sei insbesondere im III.4-Tender im Juni zu finden gewesen.

In ihrem Rückblick auf die europäischen Märkte für Immobilienfinanzierungen für das 2. Quartal 2020 habe die European Mortgage FEDeration (EMF) vielschichtige Faktoren identifiziert, die im Kontext der COVID-19-Pandemie ihren Einfluss mit Blick auf hypothekarisch-besicherte Finanzierungen genommen hätten. Während die Lockdown-Vorgaben einen in der Tendenz signifikanten dämpfenden Impuls zur Folge gehabt hätten, hätten sich als Folge der individuellen Erfahrungen der Haushalte nach Auffassung der EMF-Autoren auch Präferenzen bzw. Anforderungen bei Haus- bzw. Wohnungskäufen verschoben.

Die EMF-Datenbasis lege zudem durchaus heterogene Entwicklungen unter anderem mit Blick auf die auch für den Covered Bond-Markt äußerst relevanten Immobilienpreise oder die Kreditvergabe für Wohnimmobilienfinanzierungen in den Monaten April bis Juni 2020 offen, was nicht zuletzt auch mit den unterschiedlichen Verläufen der Pandemie bzw. den Antworten der Regierungen in den insgesamt 16 betrachteten europäischen Ländern zu erklären sei. In einer Vielzahl von Ländern sei im Zuge der ersten Welle der Pandemie auch Rückgriff auf Maßnahmen genommen worden, die mehr oder weniger spezifisch auf Immobilienfinanzierungen ausgerichtet gewesen seien (z.B. Zahlungsmoratorien). Die EMF-Experten würden für die nunmehr an Dramatik gewinnende "zweite Welle" mit Verlängerungen und/oder Neuauflagen entsprechender Maßnahmen rechnen, um erneut drohenden Verwerfungen an den Immobilienmärkten Einhalt zu gebieten.

Die Risikoexperten von Moody's hätten sich im Rahmen eines Sector Profiles jüngst zu den Stärken und Schwächen der norwegischen Covered Bond-Gesetzgebung geäußert. Demnach würden Elemente wie die Möglichkeit zur Laufzeitverlängerung um zwölf Monate sowie die Möglichkeit zum Abschluss von Swap-Vereinbarungen mit externen Kontrahenten ebenso zu den Stärken zählen wie das Recht zur Anpassung von Zinssätzen, die Vorgabe zur Durchführung von Interest Rate Stresses sowie den vorgeschriebenen Ausschluss von Non-Performing Assets aus den Cover Pool-Tests.

Als Schwäche bewerte Moody's hingegen, dass den Emittenten, die als Spezialkreditinstitute dem gezielten Zweck der Begebung von Covered Bonds dienen würden, nur begrenzte nicht dem Cover Pool zugehörige Assets zuzurechnen seien.

Im Ranking der insgesamt 20 veröffentlichten länderspezifischen Legal Framework Reports komme Norwegen auf einen 13. Rang vor dem Vereinigten Königreich und nach den Niederlanden. Mit Blick auf die Europäische Covered Bond-Harmonisierung würden die Analysten von Moody's auch mit Anpassungen der norwegischen Gesetzgebung rechnen. So verfüge das Rahmenwerk des Landes zum Beispiel bisher noch nicht über die in der Richtlinie definierten Anforderungen für einen 180-Tage-Liquiditätspuffer. Gleichwohl würden die Analysten darauf hinweisen, dass die entsprechenden regulatorischen bzw. gesetzlichen Instanzen des Landes bisher noch keinen Gesetzesentwurf vorgelegt hätten, der diese und andere Anforderungen in nationales Recht gießen solle. (Ausgabe 42 vom 04.11.2020) (04.11.2020/alc/a/a)