Covered Bond-Primärmarkt: Finito de la Musica?


03.11.21 12:43
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen fünf Handelstagen präsentierte sich der Primärmarkt weitaus weniger dynamisch als noch in den vorherigen Wochen; insbesondere in den Monaten September und Oktober, so Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.

Mit der EUR-Benchmark des norwegischen Emittenten SpareBank 1 Boligkreditt sei entsprechend lediglich ein Covered Bond (ISIN XS2404591161 / WKN A3KYEF) am Markt platziert worden. Die nunmehr zehnte EUR-Benchmark aus Norwegen in 2021 habe über ein Volumen von EUR 1,0 Mrd. verfügt (Laufzeit: 7.0y). Mit der jüngsten Emission summiere sich das Primärmarktvolumen Norwegens auf EUR 8,25 Mrd. Der Covered Bond der SpareBank 1 Boligkreditt sei mit einer anfänglichen Guidance von ms +7 Bp area gestartet. Im Rahmen des Bookbuildings sei der Reoffer-Spread vier Basispunkte enger bei ms +3 Bp fixiert worden. Die Orderbücher hätten sich dabei auf EUR 1,8 Mrd. summiert. In Bezug auf die Investorenverteilung seien 36% des allokierten Volumens auf Investoren in Deutschland entfallen; gefolgt von Accounts in den Nordics (30%) sowie in den Benelux-Ländern (17%).

Die ausgeprägte Emissionsaktivität in den Monaten September und Oktober hat uns durchaus überrascht, so die Analysten der NORD/LB. Gleichwohl dränge sich am aktuellen Rand erneut die Frage auf, ob es sich mit dem regen Primärmarktaufkommen der vergangenen beiden Monate nunmehr für 2021 weitgehend getan habe. Wir würden - auch auf Basis der beobachtbaren saisonalen Muster der vergangenen Jahre - durchaus noch mit neuerlichen Auftritten im laufenden Monat sowie - wenn auch weniger ausgeprägt - im Dezember rechnen, so die Analysten der NORD/LB. Die Analysten würden aber nicht erneut von einer mit September und Oktober vergleichbaren Dynamik ausgehen, was sie auch mit Vorzieheffekten begründen würden. Zudem stehe dieser Ausblick im Schatten der aktuellen Kapitalmarktentwicklungen und Unsicherheiten im Kontext der Inflationserwartungen. In Bezug auf Spreadbewegungen sähen die Analysten der NORD/LB bei anhaltend ausgeprägter negativer Net Supply sowie durch die Fortführung der EZB-Ankäufe wenig Potenzial für Aufwärtsbewegungen.

Bereits am 27. Oktober 2021 habe die Europäische Kommission ihren Vorschlag zur Überführung der Basel III-Anforderungen veröffentlicht. Wesentliche Elemente des Entwurfs seien neben dem Outputfloor auch Anpassungen am KSA. Beim Standardansatz unterliege demnach auch die Forderungsklasse der Immobilienfinanzierungen nennenswerten Anpassungen. Darüber hinaus schließe der Vorschlag Änderungen mit Blick auf den IRB-Ansatz das Marktrisiko oder auch das CVA-Risiko mit ein. Weniger relevant für Covered Bonds aber dafür von Bedeutung u.a. für Senior Unsecured Bonds sei die neue Behandlung im Rahmen "Subordinated Debt Exposures" (gem. Artikel 128, CRR). Hervorzuheben sei zudem die angepasste Timeline. So wären die neuen Vorgaben dann zum größten Teil erst ab dem 1. Januar 2025 anzuwenden. Der vdp begrüße die nunmehr geltende "Andersbehandlung von Immobilienfinanzierungen", sehe aber noch erhebliche Defizite bei der Ausgestaltung der entsprechenden Regelung. Der Widerspruch des vdp beziehe sich dabei insbesondere auch auf die nicht adäquate Behandlung von Gewerbeimmobilien.

Am 28. Oktober 2021 habe der vdp eine Auswertung zur Preisentwicklung am Wohnimmobilienmarkt in Deutschland für den Zeitraum 2010 bis 2020 vorgelegt. Nach einem Plus von 0,7% im Zeitraum 2006 bis 2010 seien der Studie folgend die Preise für Wohnimmobilien im Zeitraum 2011 bis 2015 um 4,3% gestiegen und hätten mit einem Plus in Höhe 7,0% von 2016 bis 2020 noch einmal stärker angezogen. Im ersten Halbjahr 2021 liege der Zuwachs bei 9,6%. Im Kern sehe die vom vdpResearch vorgelegte Studie die Preisentwicklung als unmittelbare Konsequenz der Miet- und Zinsentwicklung im Betrachtungszeitraum an. Für den vdp Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt sei somit der aufwärts gerichtete Preistrend weiterhin nicht spekulativ getrieben, sondern eine Folge fundamentaler Nachfragefaktoren. In diesem Zusammenhang wären dann auch mögliche Preispfade in der Zukunft zu betrachten. Demnach sehe Tolckmitt auch bei sich verändernden Fundamentalfaktoren (z.B. steigende Zinsen für Immobilienkredite) keine Gefahr von Preiseinbrüchen am Markt für Wohnimmobilien; vielmehr würde es lauf vdpResearch zu einem Auslaufen auf hohem Niveau kommen.

Mit Blick auf die konkrete Verteilung des CBPP3-Volumens (am aktuellen Rand EUR 298 Mrd.) lege das Eurosystem nicht systematisch Details auf Ebene einzelner Wertpapiere offen. Die halbjährlich veröffentlichte CBPP3-Struktur stelle eine der wenigen Einblicke in das CBPP3-Portfolio zur Verfügung. Vor einigen Tagen seien die Zahlen für Q3/2021 vorgelegt worden. Wenig überraschend habe es sowohl mit Blick auf die Ratings als auch in Bezug auf die Verteilung nach Jurisdiktionen kaum nennenswerte Veränderungen gegeben. Frankreich habe nach wie vor den größten Anteil und bleibe hinter der vom Eurosystem selbst gesetzten Benchmark zurück. Für Deutschland sei die Benchmark immerhin leicht angehoben worden, sodass hier - zumindest in der Theorie - ein gewisser Aufholbedarf mit Blick auf Ankäufe von geeigneten Pfandbriefen entstehe. Tatsächlich erreiche die Benchmark mit 25% den bisher höchsten Wert für Deutschland. Die Jurisdiktion mit dem drittgrößten Anteil bleibe Spanien. Hier übertreffe der Bestand im CBPP3-Portfolio weiterhin die Benchmark deutlich. (Ausgabe 34 vom 03.11.2021) (03.11.2021/alc/a/a)





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