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Corporate Schuldscheine: ESG prägt den Markt nachhaltig


15.05.20 13:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kernelement des Sustainability-linked Schuldscheins ist die Kopplung des Zinssatzes an eine Nachhaltigkeitskomponente, so Rainer Neidnig von der Helaba.

Dafür könnten die Finanzmittel für allgemeine Unternehmenszwecke eingesetzt werden. Sie unterlägen damit im Gegensatz zum Green Bond oder Green Schuldschein keiner Zweckmittelbindung für Investitionen mit klarem Umweltnutzen. Der Schuldschein eröffne Unternehmen so zwei interessante Optionen. Erstens erlaube er, über den Green Schuldschein kleinere Investitionsvolumina als am Anleihemarkt zu finanzieren. Die Mittel würden dabei typischerweise in Investitionen für Erneuerbare Energien, Netzwerke, Energieeffizienz, Reduktion des CO2-Ausstoßes oder Elektromobilität fließen. Zweitens ermögliche der Sustainability-linked Schuldschein einer Vielzahl von Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen über die Zinskopplung an einen Nachhaltigkeitsindikator, ihre Ambitionen in den Bereichen Environmental (E), Social (S) und Governance (G) zu unterstreichen. Investoren wiederum könnten über einen Green oder Sustainability-linked Schuldschein ihre nachhaltige ausgerichtete Anlagestrategie dokumentieren.

Die beiden Formate - Green und Sustainability-linked - würden sich zunehmender Beliebtheit erfreuen, was sich auch in den zu beobachtenden Transaktionsvolumina niederschlage. Im vergangenen Jahr habe das Volumen nachhaltiger Emissionen bereits bei 2,7 Mrd. Euro gelegen, was rund 10% des gesamten Schuldscheinmarktes entsprochen habe. Davon seien 1,9 Mrd. Euro auf Green und 0,8 Mrd. Euro auf Sustainability-linked Schuldscheine entfallen. Die größte Emission habe bislang bei 1 Mrd. Euro gelegen (Porsche), die kleinsten bei 50 Mio. Euro (Encavis, Repower). Im laufenden Turnus setze sich dieser Trend fort und die Analysten der Helaba würden davon ausgehen, dass der Anteil von Green und Sustainability-linked Emissionen in den kommenden Jahren weiter steige.

Die Analyse der bislang an den Markt gebrachten Sustainability-linked Schuldscheine lasse bereits ein klares Muster erkennen. So hätten Emittenten in der Regel auf das Rating einer einzigen Nachhaltigkeitsagentur gesetzt. Die Spannbreite des Zinsauf- beziehungsweise -abschlages habe bislang bei +/-2 bis +/-10 Basispunkten gelegen. Dies entspreche in fast allen Fällen rund 3% der Basismarge der fünfjährigen Tranche. Die Rating-Schwellenwerte für eine Zinsanpassung würden ein eher individuell ausgestaltetes Bild zeigen, was auch an der unterschiedlichen Skalierung der Ratings durch die Agenturen liegen dürfte. Hier komme den arrangierenden Banken somit die wichtige Aufgabe zu, eine für Emittenten und Investoren gleichermaßen passende Struktur zu finden. (15.05.2020/alc/a/a)