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Corporate Bonds Österreich: Berichtssaison geht mit weitestgehend positiven Eindrücken zu Ende


01.09.17 11:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Berichtssaison innerhalb unserer Österreich Coverage ist mit dem gestern Morgen veröffentlichten H1/2017-Ergebnis der Strabag SE (Strabag) zu einem Ende gekommen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Strabag könne sich hinsichtlich des Auftragstandes (EUR 16,5 Mrd.) über ein erneutes Rekordhoch freuen. Das EBITDA sei jedoch gegenüber der Vorjahresperiode (Einmaleffekt durch Übernahme Ed. Züblin AG Minderheitsanteile) um 4% gesunken. Im Vergleich zum bereinigten EBITDA-Ergebnis der Vorjahresperiode hätte es sich aktuell um 17% gegenüber der Vorjahresperiode auf EUR 128,95 Mio. gesteigert. Die Unternehmensführung bekräftige ihren Ausblick für 2017, in dem sie weiterhin von einer Leistungssteigerung ausgehe sowie eine EBIT-Marge von 3% anstrebe.

Auch die PORR AG (PORR) könne hinsichtlich ihres Auftragsstandes (EUR 5,7 Mrd.) einen Rekordstand per Ende H1/2017 verzeichnen. Bei der PORR sei es im ersten Halbjahr zu einigen außerordentlichen Belastungen im Katargeschäft gekommen. Das EBITDA sei um 16% auf EUR 56,9 Mrd. gesunken. Die Ergebniserwartungen für das Gesamtjahr lägen vonseiten des Unternehmens leicht unter jenen des Vorjahres.

Die Wienerberger AG könne sich sowohl bei den Mengen als auch Preisen im H1/2017 über eine positive Entwicklung freuen. Diese habe den Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode (abzüglich FX-Effekte) um 4% auf EUR 1.528,7 Mio. steigen lassen. Das operative Betriebsergebnis zeige gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres eine deutliche Verbesserung (H1/2017: EUR 96,3 Mio.; H1/2016: EUR 79,0 Mio.) Vor dem Hintergrund von Wertminderungen von Vermögenswerten (EUR 1,0 Mio.) und Firmenwertabschreibungen (EUR 6,3 Mio.) sei das EBIT letztendlich um 13% auf EUR 88,9 Mio. (H1/2016: EUR 79,0 Mio.) angestiegen.

Die voestalpine AG (voestalpine) habe im Q1 2016/17 einmal mehr von der hohen Nachfrage aus den Sektoren Automobil und Luftfahrt profitieren können. So sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17% auf EUR 3,3 Mrd. gestiegen. Beim EBIT habe das Unternehmen im gleichen Zeitraum mit einem Plus von 96% auf nunmehr EUR 329 Mio. aufhorchen lassen. Der in den USA wütende Hurrikan "Harvey" dürfte nach derzeitigem Erkenntnisstand keine wesentlichen Schäden an der neuen Direktreduktionsanlage in Texas verursacht haben.

Der steirische Technologiekonzern ANDRITZ AG (ANDRITZ) habe im Q2/2017 einen Umsatzrückgang von 6% auf EUR 1,4 Mrd. verbucht. Dieser habe sich auf die beiden Geschäftsbereiche HYDRO (zuletzt mit rückläufigem Auftragseingang) und PULP & PAPER (Effekt aus Auftragsabarbeitung für ein Zellstoffwerk) zurückführen lassen. Konzernweit sei das EBITA um 11% auf EUR 110 Mio. gestiegen, jedoch maßgeblich von einem positiven Sondereffekt (EUR 25 Mio.) aus dem Verkauf des Schuler-Technikzentrums in Tianjin, China beeinflusst worden.

Zwar sei das OMV AG (OMV; A-/Baa1) Ergebnis für Q2/2017 aufgrund der im Zuge des Verkaufs der türkischen Tankstellentochter Petrol Ofisi verbuchten Währungsverluste (EUR 1,2 Mrd.) stark negativ gewesen, jedoch habe das CCS EBIT (H1/2017: EUR 1,47 Mrd.) die Markterwartungen übertreffen können. Ein stabiler Cashflow als auch die Veräußerungserlöse hätten den OMV Cashpolster von EUR 2,1 Mrd. (Ende 2016) auf zuletzt EUR 4,2 Mrd. anwachsen lassen. Die Öl- und Gasproduktion Q2/2017 mit 339 Tsd. Barrel/Tag habe den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Für das laufende Jahr erwarte das OMV Management rund 330 Tsd. Bbl/Tag.

Aus dem Versorgerbereich lege die EVN AG (EVN; A2/A-) kürzlich ihr Q3 2016/17 Ergebnis vor. Dieses sei mit einem geringfügig höheren EBIT (+0,6%; EUR 301 Mio.) im Rahmen der Markterwartungen ausgefallen. Der Ausblick für das Gesamtjahr sei unverändert geblieben. Somit werde ein, um die Größenordnung des Einmaleffekts aus der Einigung mit der NEK in Bulgarien (rund EUR 42 Mio.), höheres Jahresergebnis als für das Geschäftsjahr 2015/16 erwartet. Den Berechnungen der Analysten der RBI zufolge sank die Nettoverschuldung seit 30. September 2016 um EUR 362 Mio. auf EUR 1,0 Mrd. per 30. Juni 2017. Somit gehe auch eine Reduzierung des Gearings (Nettoverschuldung/Eigenkapital) von knapp unter 50% auf 34% im selben Zeitraum einher.

Die Emission der Steinhoff Europe AG mit Sitz in Brunn am Gebirge sei vor gut einer Woche in den Marktfokus gerückt. So seien die EUR-Anleihen rund um die Gruppe des deutsch-südafrikanischen Möbelkonzerns Steinhoff International Holdings N.V. (Steinhoff; Baa3), die auch Muttergesellschaft der Steinhoff Europe AG sei, aufgrund eines Berichts des "Manager Magazin" über Ermittlungen in Deutschland im Zusammenhang mit Bilanzfälschung unter Druck gekommen.

Steinhoff habe 18 Anleihen (EUR und ZAR, Südafrikanischer Rand) ausstehend, wovon die fünf EUR-Anleihen das Gros (87%) des ausstehenden Volumens (rund EUR 4 Mrd.) bilden würden. Vier davon seien Wandelanleihen auf die Steinhoff-Aktie. Jene EUR-Emission der österreichischen Steinhoff Europe AG sei im Gegensatz zu diesen eine Plain Vanilla Senior Unsecured-Anleihe. Der Verkaufsdruck auf Titel von Steinhoff sei auch bei der diesen Juli emittierten EUR 800 Mio. Anleihe mit Laufzeit bis 2025 zu spüren gewesen (Baa3).

Steinhoff habe in einer Stellungnahme die im Bericht erhobenen Vorwürfe als falsch und irreführend zurückgewiesen. So sollten diese von einem früheren Joint-Venture-Partner in Europa, mit dem man bereits in Rechtsstreitigkeiten befinde, stammen. Des Weiteren habe das Unternehmen selbst vor zwei Jahren rechtliche Untersuchungen publik gemacht und mit den Behörden zusammengearbeitet, so u.a. der Inhalt der Steinhoff Presseaussendung.

Am 24. August habe Moody's den Ausblick für das österreichische Bankensystem von "stabil" auf "positiv" geändert. Die Agentur habe sich dabei auf die verbesserte Kreditqualität im Sektor gestützt, wobei sie die notleidenden Kredite (NPL Ratio) zum Jahresende 2017 bei 5% erwarte (2016: 5,6%). Diese Entwicklung begründe sich auf der besseren gesamtwirtschaftlichen Lage Österreichs und vor allem auf die steigende Kreditqualität in den CEE-Regionen, in denen die Erste Group Bank und Raiffeisen Bank International stark vertreten seien.

Ebenso positiv habe Moody's die stärkere Kapitalausstattung der österreichischen Institute im Allgemeinen erwähnt, mit einer aggregierten Tier 1 Kapitalratio von 15% (2016: 14,5%). Die Banken würden schon jetzt die von der EZB über den "Supervisory Review and Evaluation Process (SREP)" vorgegebenen Minimum Kapitalanforderungen für 2019 erfüllen.

Moody's sehe in seinem Ausblick eine stabile Ertragslage der hiesigen Kreditinstitute für 2017 und 2018, die von der Reduzierung der Bankenabgabe sowie niedrigeren Rückstellungen für notleidende Kreditportfolien profitieren werde. Dementgegen würden das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die allgemein schwächere Effizienz der Banken wirken.

Zu guter Letzt habe Moody's die weiterhin steigenden Kundeneinlagen der Banken als positive Entwicklung herausgestellt, da diese verstärkt für Stabilität im Funding sorgen würden. Ebenso erwähne die Ratingagentur die reduzierten Cross-border Cash Transfers an die Osttöchter der österreichischen Banken als positiv. (Ausgabe 9 vom 31.08.2017) (01.09.2017/alc/a/a)