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Corporate Bonds-Nachfrage stark gestiegen


01.08.17 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Suche nach Papieren, die noch eine halbwegs auskömmliche Rendite bieten, hat naturgemäß bei vielen (besonders auch institutionellen) Investoren schon lange zu einer Abkehr von als sicherer Hafen bezeichneten Papieren wie Staatsanleihen aus Kerneuropa, gerade aus Deutschland, geführt, berichten die Analysten der Nord LB.

Die Nachfrage nach Corporate Bonds sei dagegen nicht nur durch das Ankaufprogramm der EZB stark gestiegen, im Rahmen dessen - im Gegensatz zu Papieren von Mitgliedsnationen, deren Emissionen nicht am Primärmarkt angekauft werden dürften - auch auf dem Sekundärmarkt zugegriffen werden dürfe. Die Risikoprämie europäischer Hochzinsanleihen sei derweil so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bei neuen Anleihen hätten aber manche Emittenten zuletzt bereits ungewohnte Zugeständnisse machen müssen und die Vermögensverwalter dürften langsam wieder kritischer werden, wenn sie das Gefühl hätten, sich diesen Luxus aufgrund einer verbesserten Auswahl wieder "leisten" zu können. Nicht nur bei einer Auktion französischer Bonds sei vor wenigen Wochen festzustellen gewesen, dass die Nachfrage nicht auf dem Niveau gewesen sei, wie es sich der Anbieter vorgestellt habe - im Vorgriff des langsamen aber erwarteten Zurückfahrens der zinspolitischen Lockerung.

In Zukunft werde es für manche Emittenten wieder teurer. Seit 2008 hätten die Finanzminister der Eurozone in ihren Staatshaushalten nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank insgesamt rund EUR 1 Billion an Zinskosten durch die gesunkenen Kapitalmarktzinsen einsparen und so ihre Verschuldungssituation erheblich entlasten können. Italien, mit fast EUR 2,3 Billionen nach den USA und Japan das Land mit der dritthöchsten Verschuldung auf der Welt, habe mit einer Ersparnis von über 10% des BIP davon am meisten profitiert. Vergangene Woche sei Griechenland aus dem Kapitalmarktexil zurückgekommen und habe das erste Mal seit 2014 wieder eine Staatsanleihe begeben. Die Emission über EUR 3 Mrd. habe eine Laufzeit bis 08/2022. Das Orderbuch habe bei EUR 6,5 Mrd. gelegen, und so sei die Transaktion durchaus erfolgreich gewesen.

Mit ersten konkreten Hinweisen, wann denn die EZB nun aus ihren Wertpapierankaufprogrammen auszusteigen gedenkt, rechnen die Analysten der Nord LB frühestens zum kommenden September-Meeting, wobei eine umfassende Konkretisierung möglicherweise sogar erst im Oktober erfolgt. Nachdem die Ankäufe im CSPP in der Vorwoche die 100-Milliarden-Euro-Marke überschritten hätten, hätten die Ankäufe der nationalen Notenbanken in der KW 29 mit EUR 723 Mio. auf dem bisher niedrigsten Niveau des laufenden Jahres gelegen. In Summe lägen die Bestände nun bei insgesamt über EUR 101,061 Mrd. (Ausgabe vom 31.07.2017) (01.08.2017/alc/a/a)