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Chinas Zentralbanker agieren nicht (mehr) im luftleeren Raum


10.01.18 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Heute früh wurden aus China aktuelle Zahlen zur Preisentwicklung in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gemeldet, so die Analysten der Nord LB.

Den offiziellen Angaben der Statistikbehörden in Peking folgend habe die Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen im Berichtsmonat Dezember bei 1,8% Y/Y gelegen. Für das Gesamtjahr 2017 ergebe sich damit eine Inflationsrate von 1,6%, die deutlich unterhalb des von Peking angepeilten 3,0%-Inflationszieles liege. Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt die Nahrungsmittelpreise gewesen, die im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate - erstmals seit mehr als zehn Jahren - einen negativen Trend aufgewiesen hätten. Der Produzentenpreisindex (PPI) sei im Dezember um 4,9% Y/Y geklettert; für 2018 insgesamt stehe ein Zuwachs von insgesamt 6,3% zu Buche.

Auch im aktuellen Berichtsmonat dürfte der Fokus der Marktteilnehmer insbesondere auf die Implikationen der Produzentenpreise gerichtet sein. Verantwortlich für den schwächeren Auftrieb seien insbesondere Basiseffekte gewesen, die auch noch in den kommenden Monaten zum Tragen kommen dürften. Die geringere Dynamik sollte dann - wie auch im Dezember - insbesondere in den Segmenten "Mining" und "Raw Materials" merklich sein. Einige Marktbeobachter würden nun wohl insbesondere auf die Indikatoren zur Ertragslage der chinesischen Industrieunternehmen fokussieren. Eine spürbar nachlassende Dynamik bei den "Industrial Profits" könnte schließlich eine erhebliche Gegenwehr in Bezug auf Pekings hoch gesteckten Ziele beim Abbau der Überkapazitäten hervorrufen. Tatsächlich würden die Analysten der Nord LB aber noch nicht von einer dramatischen Entwicklung sprechen, da nach ihrer Auffassung der Rückgang der PPI-Zuwachsrate nicht übermäßig an Fahrt aufnehmen sollte.

Mit Blick auf die Konsumentenpreise könne zurückblickend auf das Jahr 2017 durchaus festgehalten werden, dass ein zu starker Auftrieb nicht zu den großen Herausforderungen der geldpolitischen Entscheidungsträger in Peking gezählt habe. Auch für die kommenden zwölf Monate dürften Themen wie das Zurückdrängen der Überkapazitäten in weiten Teilen des chinesischen Industriesektors sowie der Kampf gegen die ausufernde Verschuldung ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Gleichwohl müsse mit einer nachhaltig anziehenden Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen gerechnet werden, was zunächst insbesondere auf die Nahrungsmittelpreise zurückzuführen sein dürfte. Doch auch eine Weitergabe des - wenn auch zuletzt etwas abgeschwächten - Anstiegs der Produzentenpreise werde sich sukzessive bei den Konsumgütern bemerkbar machen.

Deutliche geldpolitische Reaktionen, die allein auf die Preisentwicklung zurückzuführen sind, würden die Analysten der Nord LB in 2018 jedoch noch ausschließen. Ein weitaus "hawkisheres" Auftreten der People's Bank of China (PBOC) müsse daher auch eher im Kontext der geldpolitischen Neuausrichtungen in Washington und Frankfurt bewertet werden. Auch wenn Chinas Notenbanker diesen Umstand nicht immer willkommen heißen dürften, würden auch sie nicht im luftleeren Raum agieren und müssten zwangsläufig auf anziehende Zinsen in den USA reagieren.

Die Konsumentenpreise im Reich der Mitte hätten sowohl im Dezember als auch im Gesamtjahr 2017 einen moderaten Auftrieb erfahren. Der Anstieg beim Produzentenpreisindex verlangsame sich erwartungsgemäß, was noch nicht als Anlass zur Sorge gesehen werden dürfe. In 2018 werde auch die Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen ein kleines Comeback hinlegen können. Die Entscheidungsträger in Peking dürften aber eher von dem globalen geldpolitischen Umfeld in Bewegung gehalten werden - auch Chinas Zentralbanker würden nicht (mehr) im luftleeren Raum agieren. (10.01.2018/alc/a/a)