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China: Staatsrat stellt geldpolitische Lockerung in Aussicht


14.07.21 11:00
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Regierung verfolgt weiterhin eine Null-Covid-Strategie und hat auf neue Corona-Fälle in der Provinz Guangdong mit Einschränkungen der Bewegungsfreiheit reagiert, so die Analysten der DekaBank.

Die Einkaufsmanagerindices für das Dienstleistungsgewerbe seien daraufhin im Juni deutlich gesunken. Mittlerweile seien die Maßnahmen aber wieder gelockert worden. Auch die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe seien leicht gesunken, doch dürften sich die Beschränkungsmaßnahmen hier weniger niedergeschlagen haben. Die Konjunkturdynamik habe sich seit Jahresbeginn abgeschwächt, doch insbesondere der Exportsektor entwickle sich weiterhin kräftig und der Wunsch nach höherer Lagerhaltung dürfte die Nachfrage noch einige Monate stützen.

Die Regierung habe neue Infrastrukturprojekte an die Vorlage positiver Kosten-Nutzen-Analysen gebunden und damit signalisiert, dass sie eine Ausweitung von Infrastrukturprojekten zur Stützung der Konjunktur derzeit nicht für notwendig erachte. Auch im Immobiliensektor stehe der Wunsch nach stabilen Preisen im Vordergrund, sodass von hier keine expansiven Impulse zu erwarten seien.

Allerdings habe der Staatsrat eine Senkung der Mindestreservesätze zur Stützung der Konjunktur in Aussicht gestellt. Insbesondere der starke Anstieg der Rohstoffpreise laste nach Einschätzung des Staatsrats auf dem Konjunkturausblick. Eine Leitzinssenkung würden die Analysten der DekaBank jedoch nicht erwarten. Der Renminbi habe sich gegenüber dem US-Dollar stabilisiert, nachdem die Zentralbank zuvor das Tempo der Aufwertung als unerwünscht bezeichnet habe. Das Signal einer geldpolitischen Lockerung spreche dafür, dass der Renminbi auch in den kommenden Monaten nicht wieder deutlich aufwerten werde.

Die chinesische Wirtschaft habe nach einem kurzen Corona-bedingten Einbruch schnell wieder Tritt gefasst. In den kommenden Jahren dürfte sie von Produktivitätsfortschritten gestützt bleiben, da Teile der Wirtschaft noch immer nicht auf dem neuesten Stand der Technik arbeiten würden und die Regierung die Förderung innovativer Techniken zu einem Schwerpunkt ihrer Wirtschaftspolitik gemacht habe. Die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens RCEP von 15 asiatischen Ländern stärke zudem die regionale Zusammenarbeit und die Stellung Chinas als mit Abstand größte der beteiligten Volkswirtschaften. Dennoch schwäche sich das Wirtschaftswachstum ab, nachdem die Aufholbewegung nach dem Corona-Einbruch zu hohen Wachstumsraten geführt habe.

Mittel- und langfristig belaste vor allem die demografische Entwicklung: Die Arbeitsbevölkerung schrumpfe, seit sie 2017 ihren Hochpunkt erreicht habe. Mit der Verlangsamung des Zuzugs in die Städte verliere zudem ein wichtiger Treiber des Produktivitätsfortschritts an Kraft. Die Regierung sei außerdem bemüht, die hohe Verschuldung unter Kontrolle zu halten. Hinzu komme die Konfrontation mit den USA. US-Präsident Biden führe diese zwar weniger schrill als sein Vorgänger, doch besonders im Technologiebereich unternehme auch er Anstrengungen, Chinas Entwicklung zu bremsen. Der Chinesische Renminbi dürfte sich gegenüber dem US-Dollar zunächst seitwärts entwickeln, weil die Regierung eine weitere Aufwertung verhindern wolle. Mittelfristig dürften schwächere chinesische Wirtschaftszahlen und anhaltende geopolitische Spannungen zu einer leichten Abwertung führen.

Die Corona-Krise habe zu einem deutlichen Schuldenanstieg bei Staat und Unternehmen in China geführt. Aufgrund der geringen Abhängigkeit von Auslandskapital könne die Regierung über die Zentralbank und das staatliche Bankensystem aber die Risiken für das Finanzsystem unter Kontrolle halten. Den Ratingtrend würden die Analysten der DekaBank als stabil einschätzen. Die Ratings der Agenturen (S&P: A+; Moody's: A1; Fitch: A+) würden zeigen, dass das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Chinas sehr hoch sei. (Ausgabe vom 09.07.2021) (14.07.2021/alc/a/a)