China: PBoC drosselt Tempo der Leitzinssenkungen


03.07.20 13:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Der wesentliche Eckpfeiler für eine Konjunkturbelebung sind auch in China die COVID-19-Maßnahmen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Das Expansionspaket zur Wirtschaftsstimulierung liege allerdings mit in etwa 3,5% des BIP am unteren Ende auf der internationalen Vergleichsskala. Der Schwerpunkt der Stimulierung liege traditionell auf der Infrastrukturseite, die eine Konjunkturerholung in den kommenden Quartalen hebeln sollte. Da das Gros bei den "alten Infrastrukturinvestitionen" anzusiedeln sei, dürften diese Ausgaben wenig dazu beitragen, die Potenzialkraft der Wirtschaft in der Zukunft zu erhöhen. Die Rolle der Sozialausgaben spiele nach wie vor eine nur marginale Rolle. Das Ziel, 9 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen, sei zudem wenig ambitioniert (im letzten Jahr habe das Ziel bei 11 Mio. gelegen). Gleichzeitig solle/sei der monetäre Stimulus weiter ausgeweitet worden, ohne gleichzeitig eine Kreditexplosion wie in 2009 zu erlauben. Die Kreditstützung für SMEs sei auf bis März 2021 verlängert worden. Bei Zinssenkungen sei die PBoC vorsichtiger geworden und habe sich beim Tempo der Leitzinssenkungen zurückgenommen. Gleichzeitig habe der Staatsrat erst jüngst die Banken aufgefordert, die Kreditkosten für Unternehmen zu senken, woraus geschlossen werden könne, dass der für Kredite wichtige Referenzzins (LPR = Loan Prime Rate, aktuell bei 3,85% für einjährige Kredite und 4,65% für fünfjährige) noch Platz nach unten habe.

Nach dem Wirtschaftseinbruch im ersten Quartal um -6,8% p.a. werde für das zweite Quartal in China bereits ein deutlich kleineres Minus bei den BIP-Jahres- veränderungsrate von knapp unter 0 erwartet. Von einer markanten Erholung mit Wachstumsraten zwischen 5 und 6% p.a. dank des Einsetzens der öffentlichen Stimuli und vorausgesetzt, dass es zu keinen neuerlichen Schließungen komme, werde für das zweite Halbjahr ausgegangen. Für 2020 sollte nach internationalen Schätzungen (einschließlich der Schätzungen der Analysten der Raiffeisen Bank International AG) daher eine positive BIP-Wachstumsrate im niedrigen einstelligen Bereich ausgehen, gefolgt von einem starken Rebound im nächsten Jahr. Wie stark die Erholung ausfallen werde, sei immer noch von den Unsicherheiten - allen voran der weiteren Entwicklung bei den (inter)nationalen Infektionsherden und daher einem neuerlichen Lockdown - abhängig. Davon abgesehen spiele für China die internationale Nachfrage über die Exporttangente eine entscheidende Rolle. Die neuerliche Zuspitzung des Konflikts mit den USA stelle somit auch ein zusätzliches Konjunkturrisiko dar. (Rückblick Q1-2 2020 - Ausblick Q3-4 2020) (03.07.2020/alc/a/a)