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China: Notenbank und Regierung bremsen Immobilienmarkt und Schattenbankwesen ein


12.06.17 12:50
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Konjunkturdaten für das erste Quartal fielen zumeist besser als erwartet aus, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Auch das reale Wirtschaftswachstum habe sich vergleichsweise stark (+6,9% p.a.) gezeigt. Vor allem Exporte und der boomende Immobiliensektor sowie verstärkte Infrastrukturinvestitionen hätten dazu beigetragen. Die im Mai veröffentlichten Einkaufsmanagerindices sowie Wirtschaftsdaten für den April würden aber einen Trendwechsel und eine Abschwächung der Konjunktur in den kommenden Monaten signalisieren. Dabei dürften sich die Exporte deutlich besser entwickeln als die Importe. Das würde implizieren, dass China zwar vom globalen Konjunkturaufschwung profitiere und ebenso (noch) von fiskalpolitischen Stimuli. Zugleich aber würde dies bedeuten, dass China weniger als Wachstumslokomotive für andere (Schwellen-)Länder fungieren werde.

Der notorisch optimistische IWF habe jüngst zwar seine Wachstumsprognose für China angehoben. Doch würden gewichtige Argumente für eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaft in den kommenden Monaten sprechen. So seien staatliche Infrastrukturinvestitionen, Kreditausweitung und Immobilienboom wesentliche Wachstumstreiber der letzten Quartale gewesen. Bei allen seien nachlassende Effekte zu erwarten, schon deshalb, weil Regierung und Notenbank bei Kreditwachstum und Immobilienpreisen spürbar auf die Bremse treten würden. Immer wieder seien in den letzten Monaten die Risiken im Finanzsystem angesprochen und vorbeugende Maßnahmen dagegen angekündigt worden. Natürlich wolle Peking dabei die Konjunktur nicht übermäßig schwächen. Aber Negativeffekte seien bis zu einem gewissen Grad unvermeidbar, angesichts der herausragenden Rolle, die die historisch einzigartige Kreditexplosion für das chinesische "Wirtschaftswunder" gespielt habe und weiterhin spiele.

Der hohe und stetig wachsende Schuldenberg in der chinesischen Volkswirtschaft habe denn auch die Ratingagentur Moody‘s dazu veranlasst, Chinas Bonität herabzustufen (von Aa3 auf A1). Der Schritt sei jedoch weder überraschend gekommen, noch dürfte er nennenswerte Auswirkungen auf das Verhalten der Marktteilnehmer haben, und daher habe er die Märkte weitgehend kalt gelassen.

Auf einem weiteren zentralen Problemfeld für die Pekinger Führung scheine hingegen Entspannung eingekehrt zu sein: der Kapitalflucht. Zumindest würden das die Entwicklung der Devisenreserven sowie die zuletzt wieder gelockerten Kapitalverkehrsbeschränkungen nahe legen. Wie real und wie nachhaltig das aber tatsächlich sei, lasse sich derzeit jedoch kaum sagen. Denn die ungebrochenen Immobilienpreisanstiege in Kanada und Australien, aber auch in den USA, würden weiterhin vor allem von chinesischen Käufern getrieben. Auch der rasante Boom bei Cyber-Währungen, wie Bitcoin, sei in hohem Maße (wenn auch nicht ausschließlich) chinesischer Nachfrage zuzuschreiben. Alle diese Märkte und Investmentvehikel würden chinesischen Investoren schon seit längerem als Mittel dienen, um Kapital außer Landes zu schaffen.

Die chinesischen Aktien auf dem Festland hätten sich gegen den globalen Trend leichter (um ca. 1%) gezeigt. Die fortschreitende Kampagne der Behörden gegen weniger regulierte Bereiche des Finanzsystems und im Zuge dessen kräftig anziehende Inlandszinsen sowie verringerte Liquidität hätten auf die Aktienkurse gedrückt. Im Gegensatz dazu hätten die in Hongkong gehandelten chinesischen H-Aktien deutlich zugelegt; sie seien um knapp 4% gestiegen. (Ausgabe Juni 2017) (12.06.2017/alc/a/a)